Matchwinner Torsten Frings im Zweikampf gegen Jihai Sun
Ein Elfmetertor und nur 20 ansprechende Minuten haben die deutsche Fußball-Nationalmannschaft acht Monate vor dem WM-Start im eigenen Land vor einem weiteren herben Rückschlag bewahrt. Vier Tage nach dem blamablen 1:2 in der Türkei sicherte Torsten Frings mit seinem verwandelten Strafstoß in der 51. Minute der Elf von Bundestrainer Jürgen Klinsmann in Hamburg gegen China einen 1:0 (0:0)-Sieg.
Dabei gewann das DFB-Team nach der Pause wieder etwas den Kredit der Fans zurück, die vor der Pause nach einer erneut schwachen Vorstellung nur noch Hohn und Spott für die deutschen Stars übrig hatten.
Metzelders starkes Comeback
Am Ende gab es zwei weitere positive Aspekte, obwohl der erhoffte Befreiungsschlag ausblieb: Das deutsche Team kassierte erstmals seit sieben Spielen (3:0 beim Confed-Cup gegen Tunesien) kein Gegentor, und der Dortmunder Christoph Metzelder gab nach 32 Monaten ein starkes Comeback im DFB-Team.
"Das Positivste war, dass wir kein Gegentor kassiert und gewonnen haben. Natürlich ist nach dem wirklich schwachen Türkei-Spiel die Verunsicherung groß", meinte Torwart Oliver Kahn: "Da muss man auch mal auf Ergebnis spielen dürfen. Und dieses Ergebnis gibt uns das Selbstvertrauen, um demnächst wieder lockerer aufzutreten."
Die deutsche Mannschaft hatte zwar vor 48.734 Zuschauern mit mehr Engagement als am Samstag in Istanbul begonnen, doch die Kreativabteilung tat sich sehr schwer. Die Gäste zogen sich bei Ballbesitz der Deutschen mit neun Feldspielern weit in die eigene Hälfte zurück und ließen dem deutschen Sturm kaum Platz zur Entfaltung.
Beste Chancen für China
Die DFB-Elf wirkte verunsichert. Pässe von Tim Borowski fanden in der Spitze keine Abnehmer, die Vorstöße über links von Bastian Schweinsteiger und über rechts von Sebastian Deisler blieben wirkungslos. Die besten Chancen der ersten Hälfte hatten die Chinesen.
Zunächst verfehlte Xie Hui frei vor Torhüter Oliver Kahn knapp das Gehäuse (44.), dann zwang Lihai Sun den erneut sicheren Bayern-Keeper zu einer Glanzparade (45.+1). Danach verabschiedeten die Zuschauer die deutsche Elf mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine.
Klinsmann hatte im letzten Heimspiel in diesem Jahr kurzfristig improvisieren müssen. Wegen den Nachwirkungen einer Grippe musste Miroslav Klose, der bereits am vergangenen Samstag in der Türkei gefehlt hatte, ebenso wie Kapitän Michael Ballack auf seine Teilnahme verzichten.
Für Klose, der eigentlich gegen die Mannschaft aus dem Reich der Mitte von Beginn an spielen sollte und damit zu seinem 50. Länderspiel-Einsatz gekommen wäre, rückte der Gladbacher Oliver Neuville neben dem Kölner Lukas Podolski in den deutschen Angriff. Erwartungsgemäß musste auch der Gladbacher Marcell Jansen wegen einer Wadenverletzung passen. Für ihn spielte Schweinsteiger in der linken Seite der Viererkette.
Huth für Mertesacker
Nach der Pause brachte der Bundestrainer Robert Huth für Mertesacker, und die deutsche Elf kam im letzten Heimspiel des Jahres verwandelt aus der Kabine. Plötzlich war mehr Zug im Spiel, vor allem Tim Borowski füllte die Ballack-Rolle besser aus. Der Bremer gab auch den Pass zu Bernd Schneider, der dann von Weifang Li elfmeterreif gefoult wurde. Frings hatte bei seinem Strafstoß allerdings Glück, Leilei Li kam mit seinen Fingern noch an den Ball.
Deisler per Freistoß (57.) und Kuranyi aus kurzer Distanz vergaben weitere Chancen. Für die Chinesen verpasste Dong Fangzhuo mit seinem Kopfball an den Außenpfosten (75.) den Ausgleich nur knapp. Beste Spieler im deutschen Team waren Kahn und Metzelder. Bei den nicht für die WM qualifizierten Chinesen überzeugten Xie Hui und Weifeng Li.