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Merken   Drucken   13.05.2012, 19:12 Schriftgröße: AAA

Nach Pokalfinal-Niederlage: FC Bayern fürchtet den Fluch des ewigen Zweiten

Zweiter in der Liga, Zweiter im Pokal und vernichtend geschlagen: Jetzt zittert der FC Bayern München um den Champions-League-Sieg.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Kay Nietfeld
Zweiter in der Liga, Zweiter im Pokal und vernichtend geschlagen: Jetzt zittert der FC Bayern München um den Champions-League-Sieg.
von Stefan Osterhaus, Berlin

Es geschieht selten, dass der Verlierer ebenso viel Aufmerksamkeit auf sich vereint wie der Gewinner. Am Samstagabend, im Berliner Olympiastadion, war diese Aufmerksamkeit den Bayern sicher, denn sie hatten eine Niederlage von historischem Ausmaß gegen Borussia Dortmund hinnehmen müssen: 2:5 ging der Rekordmeister im Finale des DFB-Pokals unter. Die Chancenlosigkeit der Mannschaft, die am kommenden Samstag ein Champions-League-Finale bestreiten muss, war frappierend.

Das Ergebnis war in der Höhe verdient; wie es zustande kam, geriet zur Deklassierung des FC Bayern. Die Analyse des siegreichen BVB-Trainers Jürgen Klopp klang trotz etlicher Respektsbekundungen unterschwellig wie eine Verhöhnung: "Wir haben heute die perfekten Maßnahmen ergriffen, um es den Bayern so schwer wie möglich zu machen. Sie hatten gute Phasen im Spiel, aber wir kamen damit zurecht." Fast noch gemeiner hörte sich an, was Dortmunds Verteidiger Mats Hummels sagte: "Sicher sind die Bayern eine starke Mannschaft, wir mussten uns bemühen."

So spricht jemand, der die Gewissheit hat, den Rivalen für den Augenblick abgehängt zu haben. Seit zwei Jahren stellt Dortmund für die Bayern ein Rätsel dar - der Kontrahent wies die Bayern nun schon zum fünften Mal hintereinander in die Schranken. "Wir haben uns keine Gedanken gemacht, dass diese Serie mal reißen könnte", sagte Klopp. Anders formuliert: Dortmund war immer von einem Sieg ausgegangen, doch dieser Erfolg ist kein gewöhnlicher: das erste Double der 103-jährigen Vereinsgeschichte, die Krönung einer überragenden Saison nach der erfolgreichen Titelverteidigung, die Bestätigung, mit wirtschaftlich beschränkten Mitteln dem Branchenkrösus aus München mehr als Paroli bieten zu können.

Dabei war es nicht einmal ein herausragendes Spiel, zumindest eine Halbzeit lang nicht. Dortmund führte früh durch ein Tor von Shinji Kagawa (3. Minute), Arjen Robben glich nach 25 Minuten aus - er verwandelte einen Elfmeter, nachdem Keeper Roman Weidenfeller Mario Gomez zu Fall gebracht hatte. Mats Hummels - ebenfalls per Elfer - und Robert Lewandowski brachten Dortmund kurz vor der Pause mit 3:1 in Führung, und dann, in der zweiten Hälfte, bewahrheitete sich nach zwei weiteren Toren des Polen Lewandowski die Einschätzung Jürgen Klopps, der seine Mannschaft so charakterisierte: "Meine Jungs können kicken, und die können, wenn die den Ball nicht haben, auch verteidigen, und das macht uns zu 'ner richtig guten Fußballmannschaft."

Borussia Dortmund feiert den DFB-Pokal Sieg   Borussia Dortmund feiert den DFB-Pokal Sieg

Mehr als gut genug waren sie jedenfalls für den Champions-League-Finalisten aus München, dessen Performance den Optimismus von Trainer Jupp Heynckes eine Woche vor dem großen Endspiel im eigenen Stadion deutlich dämpfte. Heynckes räumte ein, "dass die Borussen ein verdienter Pokalsieger sind". Die Ursachen hatte er schnell analysiert: "Unsere Schwächen, die brauche ich Ihnen eigentlich nicht erklären", sagte Heynckes - und sprach von "unerklärlichen Gründen", als seien seine Spieler wie von Geisterhand fehlgeleitet worden.

Vor allem die Abwehr, in der einer herausstach: Jérôme Boateng tat sich durch eifrige Beteiligung an den ersten drei Gegentoren hervor, auch David Alaba, der eine so rasante Entwicklung in der Saison durchlaufen hat, war von der Rolle. Abwehrchef Holger Badstuber zeigte sich solidarisch und näherte sich dem Niveau der Mitspieler an. Auch Bastian Schweinsteiger tat sich schwer, agil waren vor alle die Außen Franck Ribéry und Robben, die Torschützen.

Droht den Bayern jetzt, exakt zehn Jahre nach dem dreifachen Titelfrust von Bayer Leverkusen, ebenfalls so eine Dreifachschmach? Die Werkself hatte damals binnen wenigen Tagen die Endspiele im DFB-Pokal und in der Champions League verloren, in der Bundesliga war sie ebenfalls Zweite geworden. Zwei Drittel dieser Pleitenserie hat auch der FC Bayern jetzt absolviert.

Trainer Heynckes mühte sich um Gelassenheit. Er wolle nicht nur das Negative sehen, sondern auch das Positive hervorheben. "Bis zur 40. Minute haben wir Fußballkultur gezeigt", sagte er. Und schob hinterher: "Ich denke, dass wir so schnell wie möglich die Niederlage versuchen zu verdauen. Wir haben da ja noch ein großes Ziel vor Augen."

Groß ist es tatsächlich, das Ziel, am kommenden Samstag gegen Chelsea im eigenen Stadion zu triumphieren. Um es zu erreichen, ist erst einmal psychologisches Geschick gefragt. Möglichst schnell muss das Debakel von Berlin aus den Köpfen der Spieler. Chelsea mag nicht so spielstark sein wie Dortmund - überfallartige Konter fahren und gegnerische Patzer effektiv ausnutzen kann das Team aus London auch. Doch was bleibt zu tun, um Bayerns Mannschaft auf das Finale einzustimmen? "Wir werden dieses Spiel genau analysieren. Es darf uns nächste Woche nicht passieren, das wir da so ein Defensiverhalten an den Tag legen. Manchmal habe ich das Gefühl gehabt, dass unsere Spieler sich da unnötig unter Druck gesetzt haben, atypische Dinge getan haben."

Es dürfte wenig tröstlich für Heynckes sein, dass mit Badstuber und Alaba zwei der Übeltäter gesperrt sind. Auch die Einstellung mancher Spieler erregte Verwunderung: "Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft. Aber wir laden den Gegner immer wieder zu Situationen ein", sagte Philipp Lahm. Da haben Heynckes und der Mentalcoach eine Menge Arbeit. Realistischer sah Robben den Verlauf des Abends: "Es ist peinlich, wenn man 2:5 gegen Dortmund verliert."

350 Mio. Euro
Umsatz Die Erfolge in der Champions League helfen dem FC Bayern finanziell weiter. Nach einem Umsatz von 328,5 Mio. Euro in der Saison 2010/11 wird in der laufenden Spielzeit die 350-Mio.-Euro-Marke geknackt - so Bayern-Präsident Uli Hoeneß im "Focus".
Gewinn Hängt vom Ausgang des Finales gegen Chelsea ab. "Zwischen 10 und 20 Mio. Euro sollten auf jeden Fall übrig bleiben", sagte Hoeneß. In der Vorsaison waren es 1,3 Mio. Euro.
  • Aus der FTD vom 14.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Die Ergebnisse
der 1. Bundesliga
Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
Bor. Mönchengladbach-FSV Mainz 05-:-
Hannover 96-Bayer Leverkusen-:-
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