Mit seinen Kämpfen gegen Muhammad Ali hob Joe Frazier das Boxen auf ein fantastisches Niveau. Der US-Boxer fühlte sich von seinem Erzrivale düpiert - bis zum Tod. von Bertram Job, Düsseldorf
Es war einmal ein Boxer, der hatte mehr Druck im Kessel als jede Dampflok. Wenn er im Training einen Sandsack verprügelte, rief sein erster Profitrainer manchmal mit donnernder Stimme: "Na los, Joe, lass uns den Dampf aus deinen Handschuhen steigen sehen!" Kurz danach, schwören Augenzeugen, konnte man in dem Gym in Philadelphia nicht mehr die Hand vor Augen erkennen. Weil der wuchtige Mann exakt das tat, was ihm sein Mentor Yank Durham in die Ohren brüllte. Und weil er ahnte, dass er es in diesem Stil noch ziemlich weit bringen könnte - eine menschliche, stets nach vorn drängende Lokomotive.
Joseph William Frazier, geboren 1944 in South Carolina, hat es tatsächlich sehr weit gebracht. Der 1,80 Meter kleine Athlet gewann bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio Gold im Schwergewicht - da war er gerade 20 und ließ seinem Finalgegner Hans Huber aus Regensburg nicht den Hauch einer Chance. Vier Jahre später sicherte er sich mit dem Abbruchsieg über Buster Mathis den WM-Gürtel einiger Profiverbände. Und als er 1970 den konkurrierenden Champion Jimmy Ellis in viereinhalb Runden verschliss, war "Smokin' Joe" für jeden Fan des Planeten der Dominator. Er war "der Zeh Gottes", wie Norman Mailer den Titel eines Boxweltmeisters im Schwergewicht umschrieb.
Das alles hätte schon ausgereicht, um ihm in der Geschichte seines rabiaten Sports einen Ehrenplatz zu verschaffen: einer aus der langen Reihe, die von John L. Sullivan bis zu Wladimir Klitschko reicht. Doch der Schock und die globale Trauer, die sein überraschender Krebstod seit Dienstag auslöst, hat mehr mit einem anderen Umstand zu tun. Frazier ist für die Welt da draußen an erster Stelle der Erzrivale und Antipode von Muhammad Ali, dem "Größten". Über die drei Kämpfe, die sich die beiden zwischen 1971 und 1975 beziehungsweise zwischen New York und Manila geliefert haben, wird er auf ewig in Erinnerung bleiben. Ali ist die historische Klammer, aus der sich Frazier zu Lebzeiten nie lösen konnte - auch wenn er noch so sehr darüber geklagt hat.
Joe Frazier erlag mit 67 Jahren seiner Leberkrebserkrankung
Diese Duellserie hatte die Welt in ihren Bann gezogen. Im ersten Teil, dem später zum "Kampf des Jahrhunderts" erkorenen Fight in New York, erwies sich Frazier als der druckvollere, fleißigere Handwerker. Mit seinem unverkennbaren Stil des "Bobbin' and Weavin'" (Abduckens und Pendelns) trieb er den technisch überlegenen Ali in 15 zermürbenden Runden unermüdlich vor sich her. Er hatte Ali im letzten Durchgang am Boden, er bekam das einhellige Urteil der Juroren. Das Rematch an gleicher Stelle geriet drei Jahre darauf zu einer eher enttäuschenden, von Ali beherrschten Angelegenheit. Aber dann das Finale furioso, der "Thrilla in Manila": Da hieben die konträren Kontrahenten noch einmal grandios aufeinander ein, bis Fraziers Ecke nach Runde 14 das Handtuch warf. Zuvor hatte Ali gehöhnt: "It's gonna be a thrilla and a chilla and a killa when I get the gorilla in Manila."
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