Die Mitgliederversammlung der 36 Erst- und Zweitliga-Vereine lehnte in Frankfurt/Main eine von Hannovers Vorstandsvorsitzenden Martin Kind angestrebte Satzungsänderung der sogenannten «50+1»-Regel der Deutschen Fußball Liga (DFL) rigoros ab. Nicht einmal auf die Ausarbeitung eines Konsensmodells ließen sich die Clubvertreter ein. «Damit bleibt sich die Bundesliga treu und setzt weiter auf die Faktoren, die in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend zum Erfolg des deutschen Profifußballs beigetragen haben: Stabilität, Kontinuität und die Nähe zum Fan», sagte Ligapräsident Reinhard Rauball.
Kind ließ offen, ob er wie zuvor angekündigt bis vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) ziehen wird, um sein Ansinnen durchzusetzen. «Wir werden jetzt in Ruhe über das Votum nachdenken. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass das ein guter Vorschlag ist. Die Bundesliga ist unterkapitalisiert. Ihre nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit ist eingeschränkt», sagte Hannovers Clubchef. Er deutete zumindest an, dass er sich nicht von seinem Weg abbringen lassen will: «Ich gehe nicht davon aus, dass sich unser Denken modifizieren wird.»
Für Kind war die Abstimmung eine Ohrfeige, er zeigte sich auch enttäuscht über die Klarheit des Votums: Nur der Antragsteller alleine stimmte für die Satzungsänderung bei «50+1». Zudem gab es drei Enthaltungen. Die anderen 32 Funktionäre stellten sich gegen eine Öffnung der Clubs für finanzkräftige Investoren. Kind hätte eine Zwei-Drittel-Mehrheit und dazu noch die Zustimmung des DFB-Bundestags benötigt.
Vor der Sitzung hatten Vertreter der Fan-Interessengemeinschaft «Unsere Kurve» Rauball 100 000 Unterschriften überreicht. «Die Entscheidungsgewalt muss einfach bei den Mitgliedern bleiben», sagte IG-Mitglied Christian Viering aus Mainz. Rauball reagierte mit Respekt: «Die Fans wollen einfach nicht fremdbestimmt werden. Das hat die Mitgliederversammlung heute goutiert.»
Nur zwei Ja-Stimmen gab es für den vom Zweitligisten FSV Frankfurt eingebrachten Vorschlag eines Konsensmodells. Dies hätte den Investoren mehr Einfluss eingeräumt, eine Vereinsübernahme aber untersagt. Fast alle Bundesligisten haben Angst vor Abhängigkeiten wie in England, wo beispielsweise der russische Oligarch Roman Abramowitsch Eigner des FC Chelsea ist. Der 65-jährige Kind befürchtet hingegen, dass Hannover 96 ohne einen Großinvestor irgendwann in der 2. Liga endet.
Vor der Ligaversammlung hatte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke Kind sogar Erpressung vorgeworfen. «Sie drohen, vor den Europäischen Gerichtshof zu gehen, wenn wir dem Konsensmodell nicht zustimmen. Damit erpressen Sie die Liga», sagte Watzke in einem Interview mit der «Bild-Zeitung». «Ich sehe das gelassen. Es dauert lange Zeit, bis der Europäische Gerichtshof das entscheiden würde», meinte Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt. «In dieser Zeit könnte man sich darauf vorbereiten.»
Nach Paragraf 8 der DFL-Satzung muss bei einer Ausgliederung des Spielbetriebs in eine Kapitalgesellschaft der Mutterverein die Stimmenmehrheit behalten. Bisher gab es eine Ausnahmeregelung für die Werksclubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg, da die Bayer AG und die Volkswagen AG die Werkclubs seit Jahrzehnten unterstützen. Bei 1899 Hoffenheim hält SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp 49 Prozent. Zurückgezogen wurde ein Antrag des FC Schalke 04 auf Einführung eines Salary Caps, wonach die Bundesligisten maximal 70 Prozent ihrer Einnahmen für Gehälter ausgeben dürfen.
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