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Merken   Drucken   20.02.2011, 21:41 Schriftgröße: AAA

Nordderby: HSV versöhnt Fans mit Sieg über Bremen

Nach dem Derbydebakel lagen die Nerven bei den Hamburgern blank. Mit dem Sieg gegen Bremen stößt der HSV den ewigen Nord-Rivalen noch tiefer in die Krise - und lässt die peinliche Niederlage gegen Pauli hinter sich.
© Bild: 2011 AP/dapd
Nach dem Derbydebakel lagen die Nerven bei den Hamburgern blank. Mit dem Sieg gegen Bremen stößt der HSV den ewigen Nord-Rivalen noch tiefer in die Krise - und lässt die peinliche Niederlage gegen Pauli hinter sich. von Rainer Schäfer, Hamburg
Als Änis Ben-Hatira den vierten Treffer gegen Werder Bremen erzielt hatte, wurde den "Versagern" doch noch verziehen. Denn genau so waren die HSV-Profis nach der 0:1-Blamage unter der Woche im Stadtderby gegen den FC St. Pauli mit Transparenten im Hamburger Volkspark empfangen worden. Nach dem 4:0 im zweiten Derby der Woche gegen Bremen ging eine katastrophale Woche für den HSV noch halbwegs versöhnlich zu Ende. "Wir haben die richtige Reaktion gezeigt", sagte der erleichterte HSV-Trainer Armin Veh. "Wir waren alle down am Mittwoch, es war eine extreme Situation, die ich auch noch nicht kannte." Gegen St. Pauli im eigenen Stadion zu verlieren, das war die Höchststrafe, die es im Fußball geben kann, sie macht dem HSV immer noch zu schaffen.
Gegen Werder hatte Veh sein Team radikal umgebaut: Gojko Kacar rückte in die Innenverteidigung, Kapitän Heiko Westermann ersetzte David Jarolim im defensiven Mittelfeld, mit seiner Dynamik und Kopfballstärke sollte Westermann das oft schläfrige Aufbauspiel beschleunigen. Die Offensive sollten Paolo Guerrero und Heung-min Son beleben, die für Änis Ben-Hatira und Ruud van Nistelrooy anfingen. Der niederländische Stürmerstar war schon beim Aufwärmen ausgepfiffen worden, ihn haben die Fans vom Liebling zum Söldner degradiert, seit er mit einem Wechsel zu Real Madrid kokettierte.
Es war eine seltsame Kulisse für dieses über Jahre hochklassige Nordderby. Auf den Tribünen klafften Lücken, die Geduld bei den Fans beider Nordklubs ist überstrapaziert, jeder Ballverlust führte zu Überreaktionen auf den Rängen. Was die beiden Teams im ersten Durchgang zeigten, war wenig geeignet, um die erhitzten Gemüter zu beruhigen. Werder stand tief in der eigenen Hälfte und versuchte, über die einzige Sturmspitze Marko Arnautovic zu kontern, was so gut wie nie gelang.
Der HSV war die aktivere von zwei verunsicherten Mannschaften, aber er war auf die Mithilfe der Bremer angewiesen, um in die Erfolgsspur zu kommen. Als sich Mickaël Silvestre und Per Mertesacker vom leichtfüßigen Jonathan Pitroipa ausspielen ließen und auch Sebastian Prödl und Dominik Schmidt zu umständlich gegen Mladen Petric verteidigten, schloss der gedankenschnell zur 1:0-Führung ab. Das war kurz vor Ende der ersten Halbzeit. "Bis dahin waren wir ganz gut im Spiel, wir haben ordentlich zugestellt", versuchte Werder-Trainer Thomas Schaaf die Leistung seines Teams zu verteidigen, "danach haben wir auf die Mütze gekriegt."
Torsten Frings (l.) und Clemens Fritz gehen mit Bremen in Hamburg ...   Torsten Frings (l.) und Clemens Fritz gehen mit Bremen in Hamburg unter
Der SV Werder, der den HSV vor knapp zwei Jahren innerhalb von 19 Tagen in vier Partien mit kombinationssicherem Offensivfußball gedemütigt und damit beim Rivalen eine Dauerkrise ausgelöst hatte, ist nicht wiederzuerkennen. Der Spielaufbau ist holprig, die Zweikämpfe mutlos, und im Angriff fehlt die Entschlossenheit. Die Mannschaft wirkt, als ob die Spieler nur gelegentlich miteinander trainierten. Vor allem fehlt es an Teamgeist, die Werder-Stars hadern schnell miteinander. Akteure wie Arnautovic oder auch Marko Marin zeigen sich als Fußballautisten, selten sind sie in der Lage, auf die Nebenspieler einzugehen.
Vorn erstaunlich harmlos, hinten gewohnt anfällig, bei Werder ist Fußball momentan eine Verkettung von Fehlleistungen. Wenn der Gegner Druck aufbaut, wie der HSV nach dem Führungstor, verliert Bremen die Ordnung. "Wie wir uns in der zweiten Halbzeit präsentiert haben, lässt nichts Gutes erhoffen. Wir müssen uns alle mal die Frage stellen, ob wir es noch können", sagte Torsten Frings.
Da spielte Werder wie ein Absteiger. Nach einem kapitalen Patzer von Nationalspieler Per Mertesacker war es ein Leichtes für Mladen Petric, Guerrero das 2:0 vorzulegen. Danach kombinierte der HSV wie an besseren Tagen, immer wieder angetrieben von Zé Roberto und Pitroipa. Guerrero gelang auch der dritte Treffer. Der eingewechselte Ben-Hatira erzielte gegen die willenlosen Bremer den Endstand. Werder Bremen muss sich steigern, will es die Klasse halten. "Wenn die Mannschaft die Fans für dieses Spiel nicht um Vergebung bittet, dann tue ich es", kündigte Bremens Sportdirektor Klaus Allofs an.
  • Aus der FTD vom 21.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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