Kenia will 2024 erster afrikanischer Ausrichter der Olympischen Spiele werden, sagte Kenias Ministerpräsident Raila Odinga der Financial Times. Für Schwarzafrika sei die Zeit gekommen, die Spiele zu veranstalten. Der Wirtschaft der Region werde in den nächsten zehn Jahren boomen, und wenn Kenia als größter Wirtschaftsraum Ostafrikas die Olympischen Spiele veranstalte, werde dies einen psychologischen Schub geben und enorme Vorteilen für die Infrastruktur mit sich bringen, sagte Odinga.
"Schon 1968 war Kenia selbstbewusst genug, über eine Kandidatur für die Olympischen Spiele nachzudenken." Als 2004 die Idee erneut aufkam, habe die örtliche Presse mit Spott reagiert, was zeige, wie sehr sich Kenia seit den aufregenden Tagen kurz nach der Unabhängigkeit von 1963 verändert habe.
"Diesen Geist müssen wir wiederbeleben", sagte der Premier. "Wir brauchen das Vertrauen zurück und müssen sagen, dass wir das leisten können. Wir müssen uns anschauen, wo wir herkommen und wo wir hinwollen, denn zu lange haben wir uns treiben lassen", so Odinga in einer Anspielung auf die jahrzehntelange Stagnation und Misswirtschaft, die Kenia unter dem autokratischen Daniel arap Moi erlebte.
Nach aktuellem Stand geht Odinga, der einer Koalitionsregierung vorsteht, als Favorit in die Wahlen im März 2013. Diese dürften ungewöhnlich werden, denn zwei der Kandidaten, darunter der Sohn von Kenias erstem Ministerpräsidenten Jomo Kenyatta, sind vom Internationalen Strafgerichtshof Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt worden.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) dürfte eine Kandidatur Kenias begrüßen, aber zum jetzigen Zeitpunkt sähe sich das Land starker Konkurrenz ausgesetzt. Nachdem ein langwieriger Streit um die Aufteilung der Fernseh- und Sponsorengelder beigelegt wurde, rechnet das IOC nun mit starken Bewerbern aus den USA, darunter New York und San Francisco.
Nachdem IOC-Präsident Jacques Rogge gesagt hatte, er hätte gerne einen afrikanischen Kandidaten für die Spiele 2020 gesehen, gilt auch das südafrikanische Durban als potenzieller Bewerber für 2024. Über Kandidaturen denken zudem offenbar auch Argentinien, Marokko und Ägypten nach. Sich ebenfalls wieder bewerben dürfte Doha, das seine Kandidatur für 2020 zurückziehen musste. Als mögliche Ausrichter für die Olympischen Sommerspiele 2020 sind noch Istanbul, Tokio und Madrid im Rennen.
Beim IOC hieß es, man habe von dem Interesse Kenias nicht gewusst, und fügte hinzu: "Der (IOC-)Präsident hat es ganz deutlich gemacht, wie sehr uns eine gute Bewerbung aus Afrika freuen würde."
Auf die Frage, wie er seiner Bevälkerung die Kosten von vermutlich bis zu 15 Mrd. Dollar schmackhaft machen wolle, die für das Sportfest anfallen, verwies Odinga darauf, wie stark Veranstalterstädte wie Tokio, Seoul, Atlanta und Mexiko-Stadt nach den Spielen aufgeblüht seien.