Profisport und Burnout:Das Gute am Rangnick-Rücktritt
Kommentar
Der Schalke-Trainer schafft seinen Job nicht mehr. Und gibt das öffentlich zu. Das zeigt, dass im Profifußball ein Klima geschaffen wurde, in dem Sportler Schwächen zugeben dürfen. von Axel Kintzinger
Die Nachricht vom Rücktritt Ralf Rangnicks vom Cheftrainerposten bei Schalke 04 löst zwei Empfindungen aus: Erschrecken darüber, dass der Leistungsdruck in der Unterhaltungsindustrie Bundesliga-Fußball offenbar so groß ist, dass selbst gestandene Sportler wie Rangnick unter ihr zusammenbrechen. Und Erleichterung darüber, dass ein so prominenter Vertreter die Reißleine ziehen und aussteigen kann, ohne Gefahr zu laufen, als verweichlicht stigmatisiert zu werden.
Ralf Rangnick
Der Schwabe aus Gelsenkirchen ist nicht der erste Spitzensportler, der wegen mentaler Erschöpfung, mitunter auch wegen Depression, seinen Job nicht mehr ausüben kann. Die bekanntesten sind der Skispringer Sven Hannawald und der Fußballstar Sebastian Deisler. Hannovers Ersatztorwart Markus Miller hat sich wegen eines ähnlichen Symptoms wie Rangnick erst Anfang September in stationäre Behandlung begeben. Vielleicht hätte auch Robert Enke geholfen werden können - aber der Nationaltorwart verheimlichte seine Depression gegenüber Klub und DFB.
Wie sich die beiden jüngsten Fälle entwickeln, ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich unklar. Aber es gibt gute Gründe dafür, dass der Trainer Rangnick und der Torwart Miller wieder auf die Beine kommen können. Weil sie ihr Leiden - das doch so anders ist als die üblichen Sportverletzungen - nicht verheimlicht haben, weil Vereine und Verbände solidarisch hinter ihnen stehen und ihnen helfen.
Das ist nicht wenig, denn solche personellen Ausfälle bringen Unruhe in eine Mannschaft, können leistungshemmend wirken und in letzter Konsequenz Geld kosten. Dennoch haben Vereine und Verbände offenbar ein Klima geschaffen, in dem Sportler, die sonst immer Stärke demonstrieren müssen, ihre Schwäche zugeben dürfen. Wenn das in anderen Wirtschaftszweigen auch der Fall wäre, spräche heute wohl niemand über eine "Generation Burnout". Insofern erfüllt der Sport auch hier wieder eine Vorbildrolle.
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