Der dramatischste von vielen Angriffen: Oktober 2009 überfallen 50 Neonazis Roter Stern Leipzig im sächsischen Brandis
Vermutlich sagt diese Abwicklung mehr über die Zusammenarbeit zwischen Politik und Sport aus als die gesamte Podiumsdiskussion am Dienstag in der Berliner Auferstehungskirche. Der Bundesinnenminister, die Bundesfamilienministerin, die Vorsitzende der Sportministerkonferenz und die beiden ranghöchsten Sportfunktionäre des Landes predigten Absichten und Empfehlungen. Nie ist Rechtsextremismus im Sport prominenter diskutiert worden. Ob das Gesagte aber die Jugendfußballteams, Turnvereine oder Betriebskegelgruppen erreicht - oder gar einer nachhaltige Wirkung erzielt?
"Solche Veranstaltungen sind gut für warme Worte. Viel wichtiger ist, was sich aus diesen Worten entwickelt", sagt Monika Lazar, seit 2005 Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion gegen Rechtsextremismus. Lazar kickt für Roter Stern Leipzig, einen Verein, der sich gegen Rassismus einsetzt. Als eines von wenigen Bundestagsmitgliedern versucht sie in Sachsen, Partnerschaften zwischen Vereinen, Verbänden und Politik zu fördern: durch Briefe, Besuche, Veranstaltungen. Oft stößt Monika Lazar dabei auf Ignoranz und Gegenwehr. Wenn die Verzahnung auf lokaler Ebene nicht klappt, was soll dann eine prominente Diskussionsrunde bewirken?
Es liegt nicht am Konzept, für die Tagung in Berlin haben Wissenschaftler ein fundiertes Papier zusammengestellt, ihre Erfahrungen beruhen auf regionalen Projekten, die seit Langem gut funktionieren. Aber in Vorbereitung auf die Tagung gaben nur acht von 26 angeschriebenen Sportverbänden Auskunft über regionale Strukturen. Im Fußball wurden erst in vier der 21 DFB-Landesverbände Beauftragte ernannt, die sich dem Thema Rechtsextremismus widmen.