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Merken   Drucken   05.02.2012, 15:29 Schriftgröße: AAA

Rekordsieger der Tour-de-France: Dopingverfahren gegen Armstrong eingestellt

Chefermittler Jeff Novitzky gilt als harter Hund in Sachen Doping. Doch die Beweise gegen Lance Armstrong reichen offenbar nicht aus. Für Alberto Contador, ebenfalls Tour-de-France-Sieger, wird es dagegen eng. von Andreas Zellmer und Florian Lütticke
Lance Armstrong kann sich vorerst beruhigt zurücklehnen. Die US-Staatsanwaltschaft hat die Dopingakte des siebenmaligen Tour-de-France-Siegers überraschend geschlossen. Weltverbands-Präsident Pat McQuaid wertete das eingestellte Verfahren sogar als positives Zeichen für den krisengeschüttelten Radsport im Kampf gegen Doping - dabei will die amerikanische Anti-Doping-Behörde USADA ihre Ermittlungen gegen Armstrong fortsetzen. Auch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat weitere Konsequenzen angekündigt. Zudem droht dem dreifachen Tour de France-Gewinner Alberto Contador nach seinem positiven Clenbuterol-Befund an diesem Montag eine Zweijahressperre durch den Internationalen Sportgerichtshof CAS. Glaubwürdige Vergangenheitsbewältigung sieht anders aus.
Lance Armstrong hat vorerst vor der US-Staatsanwaltschaft Ruhe   Lance Armstrong hat vorerst vor der US-Staatsanwaltschaft Ruhe
"Ich bin erfreut, dass die US-Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen beendet hat. Es ist die richtige Entscheidung", meinte der 40 Jahre alte Armstrong, der im Frühjahr 2011 seine Karriere endgültig beendet hatte. Ein gemütlicher Ruhestand im Glanze seiner Triumphe bei der Frankreich-Rundfahrt ist dem Texaner deshalb aber noch lange nicht garantiert. "Anders als die Staatsanwaltschaft ist es unsere Aufgabe, vielmehr den sauberen Sport zu schützen als Strafrecht durchzusetzen", sagte USADA-Chef Travis Tygart. "Unsere Untersuchungen zum Doping im Radsport gehen weiter und wir erwarten weitere Informationen durch die Bundes-Ermittlungen." WADA-Chef John Fahey erwartet zeitnah "die Unterlagen der Staatsanwaltschaft, so dass die Anti-Doping-Agenturen schnell tätig werden können".
Nach zwei Jahren hatten die Behörden ihre Untersuchungen gegen Armstrong eingestellt. Gründe für diesen Schritt nannten die Juristen in Los Angeles zunächst nicht. Unter Führung von Cheffahnder Jeff Novitzky hatten die Ermittler zu klären versucht, ob während Armstrongs Zeit beim von der Regierung gesponserten Rennstall US Postal ein Dopingprogramm mit dafür zweckentfremdeten Geldern aufgebaut hatte. Der Superstar selbst hatte Doping-Vorwürfe, die ihn während seiner gesamten Karriere begleiteten, stets zurückgewiesen.
Wissenschaftlich ist allerdings zumindest erwiesen, dass Armstrong 1999 bei seinem ersten Toursieg das Blutdopingmittel Epo benutzt hatte. Eine nachträgliche Analyse, die die Zeitung "L'Équipe" 2005 nach seinem ersten Rücktritt veröffentlichte, belegt das. Trotzdem gab es keine Sanktionen, weil sportrechtliche Richtlinien - eine B-Probe war nicht mehr vorhanden - dagegen sprachen. Auch von ehemaligen Teamkollegen wie dem selbst des Dopings überführten Floyd Landis oder Tyler Hamilton wurde Armstrong mehrfach beschuldigt, leistungssteigernde Mittel genommen zu haben.
"Ich freue mich darauf, mein Leben als Vater, als Wettkämpfer und als Verfechter des Kampfs gegen Krebs ohne diese Ablenkung fortzusetzen", sagte Armstrong nach der unerwarteten Wende in seinem Fall. Hans-Michael Holczer, Teamchef des russischen Katusha-Teams, kommentierte die Entscheidung der Staatsanwaltschaft am Sonntag mit Ernüchterung: "Das hatte ich befürchtet, es kam nicht überraschend. Wahrscheinlich war die juristische Grundlage zu dünn".
Ähnlich wie Armstrong zeigte sich Pat McQuaid, Boss des Weltverbandes UCI, hocherfreut. "Wir sind sehr glücklich über diese Entscheidung. Der Radsport hat in den vergangenen zwei Jahren sehr gelitten und an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Jetzt liegt die Vergangenheit hinter uns", sagte der Ire - ausgerechnet einen Tag vor dem ausstehenden Urteil im Dopingfall Contador. 18 Monate nach der Doping-Kontrolle mit den positiven Clenbuterol-Analysen in A- und B-Probe will der CAS an diesem Montag - nach mehreren Verschiebungen - die Causa abschließen.

Teil 2: Der Radsport steht als Verlierer da

  • dpa, 05.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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