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Merken   Drucken   08.05.2009, 20:09 Schriftgröße: AAA

Rennauftakt: Doping kein Thema beim Giro d'Italia

Nach langjähriger Pause steht US-Radsportler Armstrong in Venedig wieder im Mittelpunkt. Das Reizthema Doping blenden die Profis erfolgreich aus.
Zwei Tage vor dem Start des 92. Giro d'Italia haben Tausende Touristen die Team-Präsentation auf dem Markusplatz in Venedig bestaunt. Beim Auftakt der 100 Jahr-Feier des Giro d'Italia lieferten sich Kameraleute, Fotografen und Reporter ein Kopf-an-Kopf-Rennen, um die besten Bilder von Superstar Lance Armstrong. Selbst der aus seiner Dopingsperre zurückgekehrte einheimische Top-Favorit Ivan Basso war weniger interessant als der Radprofi aus den USA.
Der Radprofi startete im Januar nach dreieinhalbjähriger Pause sein viel beachtetes Comeback. "Die Tour kann man nicht mehr mit 40 gewinnen - vielleicht ist es ja jetzt schon zu spät. Ich hätte mit meinem Comeback nicht länger warten dürfen", sagte der 37-jährige Armstrong in Venedig. Der Giro diene ihm sechseinhalb Wochen nach seiner Schlüsselbein-OP nur zum Warmfahren für Frankreich, ein Etappensieg steht dennoch auf seinem Wunschzettel. Nach einem Sturz bei der spanischen Rundfahrt Castilla y León war der Astana-Kapitän am 25. März operiert worden.
Bei der Tour de France könnte Armstrong eventuell mit einer eigenen Mannschaft antreten. Sein derzeitiges Team Astana steht wegen akuter Zahlungsschwierigkeiten vor dem Ausstieg. "Über ein neues Team zu reden, fällt leicht, es aber zu formen, gerade in diesen schwierigen, Zeiten schwer. Wir bräuchten 15 Mio. $", sagte Armstrong.
Lance Armstrong (r.) Arm in Arm mit einem Gondoliere in Venedig   Lance Armstrong (r.) Arm in Arm mit einem Gondoliere in Venedig
Sollte dann sein jetziger Teamkollege Alberto Contador zur Heimat-Équipe Caisse d'Epargne wechseln, könnte es einen heißen Zweikampf der beiden im Juli geben. Die gegenseitige Loyalität, die durch die noch vorhandene Team-Zugehörigkeit zu Astana besteht, müsste dann nicht mehr aufrechterhalten werden.
Ein ähnliches Szenario mit Wechsel in der laufenden Saison gab es bereits 2003 einmal, als das Essener Coast-Team mit Jan Ullrich zahlungsunfähig war und vor der Tour durch Bianchi aus Italien ersetzt wurde. Der jetzt drohende Astana-Ausstieg spielt sich vor dem Hintergrund ab, dass der kasachische Nationalheld Alexander Winokurow nach Ablauf seiner Doping-Sperre im August zurück ins Geschäft drängt, womöglich mit Hilfe der alten Geldgeber aus der boomenden Hauptstadt Astana.
Das Thema Doping hätte zu Beginn der pompösen Feierlichkeiten in Venedig allerdings nur gestört. Als die Favoriten der Presse in der Turnhalle Palasport Gianquinto vorgestellt wurden, fiel das immer aktuelle Reizwort nicht einmal. Dabei war die Creme de la Creme des internationalen Radsports vertreten. Verdächtigte wie Armstrong oder Toursiger Carlos Sastre saßen neben Entlarvten und Bestraften wie Basso, Danilo di Luca, Gilberto Simoni oder Stefano Garzelli. Die Französischen Anti-Doping-Agentur AFLD hatte wegen Verzögerung einer Dopingkontrolle am 17. März in Südfrankreich über eventuelle Sanktionen gegen Armstrong beraten.
  • dpa, 08.05.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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