Als Olympiasiegerin Tatjana Hüfner im WM-Trubel die Rucksäcke ihrer erfolgreichen Rodel-Kollegen in Sicherheit brachte, konnten Toni Eggert und Sascha Benecken ihren Coup noch gar nicht fassen.
Toni Eggert (l) und Sascha Benecken freuen sich über WM-Silber im Doppelsitzer. Foto: Thomas Eisenhuth
«Wir sind ein bisschen überrascht glücklich. Wir müssen da jetzt erst einmal drüber schlafen», sagte Doppelsitzer-Steuermann Eggert nach dem unerwarteten Silber zum Auftakt der Heim-Titelkämpfe in Altenberg. Mit Platz zwei feierte das junge Duo aus Thüringen nicht nur seinen bislang größten Erfolg, sondern bewahrte die deutschen Rodler auch vor einem kompletten Fehlstart in die Heim-WM.
«Wir wollen alle vier Disziplinen gewinnen», hatte Bundestrainer Norbert Loch vor den Heim-Titelkämpfen als ehrgeiziges Ziel ausgegeben. Doch schon im ersten Rennen platzte der Traum von einer ähnlich erfolgreichen Heim-WM wie vor vier Jahren in Oberhof. Nichts ließen die Österreicher Andreas und Wolfgang Linger bei ihrem Unternehmen Titelverteidigung anbrennen und fuhren mit Bahnrekord überlegen ihren dritten WM-Sieg ein. «Die waren ein sauhartes Brot heute», zollte der WM-Zweite Benecken den Olympiasiegern Lob. «Es ist keine Schande, wenn man sich an denen die Zähne ausbeißt.»
«Wir sind total erwartungsfrei hierher gefahren», erklärte Eggert das WM-Vorgehen. «Man darf sich ja nicht zu sehr unter Druck setzen.» Der Plan ging auf: Nach Platz drei im ersten Lauf legten die Thüringer, die erst in ihrer zweiten Saison zusammenfahren, im entscheidenden Durchgang noch einmal zu und sicherten sich ihre erste WM-Medaille. «Die beste Verteidigung für Platz drei war der Angriff. Dann ist uns noch mehr gelungen», freute sich Hintermann Benecken.
Restlos bedient waren dagegen die Weltcup-Gesamtsieger Tobias Wendl und Tobias Arlt nach ihrem vierten Platz. Aussichtsreich lag der Bayern-Express nach dem ersten Lauf auf Platz zwei, doch im entscheidenden Durchgang lief einfach nichts zusammen. «Scheiße!», stöhnte Olympiasieger Felix Loch angesichts der Vorstellung seiner Kollegen. «Das ist schon enttäuschend, auf der Heimbahn eine Medaille zu verpassen. Aber das ist Rennsport», sagte Wendl traurig.
«Wir haben unser Ziel nicht erreicht, aber das ist keine Katastrophe. Hier geht man auch ganz schnell ohne Medaille heim», sagte Bundestrainer Loch - und verteidigte seine - früh geplatzte - Vorgabe von vier Titeln. «Bei der Leistungsdichte in unserem Team muss man die Messlatte so hoch hängen.»
Ausgelassen feierten dagegen die Österreicher ihre Weltmeister und die Dritten Peter Penz und Georg Fischler. «Mit Gold und Bronze haben wir unsere Vormachtstellung bei den Doppelsitzern untermauert», erklärte Österreichs deutscher Cheftrainer René Friedl. «Ziele muss man sich setzen. Ziele müssen ehrgeizig sein», zeigte Weltmeister Wolfgang Linger Verständnis für die - durchkreuzten - WM-Pläne. «Dass das jetzt nicht mehr hinhaut, tut uns leid.»
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