Pechstein behauptete dagegen auf ihrer Homepage, dass ihr ein Großteil der internationalen Eislauf-Familie sogar einen herzlichen Empfang bereitet habe. "Von frostiger Atmosphäre mir gegenüber war nichts zu spüren. Ich habe mehr denn je das Gefühl, dass die meisten wissen, wie übel mir die ISU mitgespielt hat", erklärte Deutschlands erfolgreichste Winteroympionikin, die aus Selbstschutz wie schon bei ihrem ersten Wettkampf in Erfurt auch in der Mormomen-Metropole neben den offiziellen Dopingproben auf eigene Kosten private Tests durchführen ließ. Eisschnelllauf-Legende Eric Heiden (USA), fünfmaliger Olympiasieger von 1980, hatte diese für Pechstein organisiert. "Wir kennen uns seit Jahren, ich bin froh, dass er mich unterstützt hat", sagte Pechstein.
Für Zoff hatte zuvor ihr Lebensgefährte Matthias Große gesorgt, der sich wegen der erwogenen Disqualifikation über 5000 Meter aufs neue mit der ISU anlegte. "Es ist doch klar, dass die ISU alles versucht, uns irgendwie zu schaden", unterstellte er den Referees. Nachdem Pechstein hinter der tschechischen Olympiasiegerin Martina Sablikova, die in 6:42,66 Minuten einen fantastischen Weltrekord lief, und der Erfurterin Stephanie Beckert die drittschnellste Zeit des Tages gelungen war, hatten Kampfrichter erwogen, ein leichte Berührung der Rückkehrerin mit der Amerikanerin Maria Lamb beim Überholvorgang zu bestrafen. "Eine Disqualifikation wäre eine Katastrophe gewesen", sagte Teammanager Helge Jasch.
Nach ihrem 1500-Meter-Rennen fiel Pechstein ihrem Freund noch auf dem Eis in die Arme. Stirn an Stirn schauten sich beide tief in die Augen. Groß war der Jubel auch bei Chefcoach Markus Eicher. "Es ist unglaublich, in welcher Verfassung sie sich hier vorgestellt hat", sagte Eicher. Für Sablikova ist Pechstein in Inzell nun sogar eine Medaillen-Kandidatin, "nur die Farbe ist noch unklar."
Eicher ist froh, neben Beckert ein weiteres Langstrecken-Ass zu haben. Auch wenn zwischen den Erzrivalinnen seit Monaten Dauerfrost herrscht, steigen vor allem im Team-Wettbewerb die Chancen auf deutsches Edelmetall. Zudem, so Eicher, sorge der Name Pechstein für öffentliches Interesse. Nach dem Karriere-Ende von Anni Friesinger habe es ein Loch gegeben, Fernsehzeiten seien weniger geworden. "Jetzt hat sich die Schlagkraft wieder erhöht", hofft Eicher.
Im Schatten von Pechstein und Beckert konnten auch die deutschen Männer überzeugen. Stephanies Bruder Patrick Beckert gelang mit Platz vier über die 10.000 Meter in deutscher Rekordzeit (13:08,54) das beste Ergebnis seiner Karriere. Der Erfurter buchte ebenso das WM-Ticket, wie der Münchner Marco Weber (13:09,36) und Moritz Geisreiter (13:16,12) aus Inzell, die zuvor in der B-Gruppe Dritter sowie Fünfter wurden und ebenfalls unter dem über vier Jahre alten deutschen Rekord von Tobias Schneider (13:16,36) blieben.