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Merken   Drucken   06.09.2012, 18:00 Schriftgröße: AAA

Schwergewichtsboxen: Vorstadtdesperado Charr vs. Wahlkämpfer Klitschko

Manuel Charr fordert am Sonntag Vitali Klitschko heraus. Manuel wer? Der unbekannte Boxer hat eine spannende Biografie, aber kaum eine Chance im Ring.
von Bertram Job, Düsseldorf

Wenn es der eigenen Sache dient, ist Manuel Charr mitunter das Gegenteil von dezent. Letzten Dezember platzte der Berufsboxer in eine Pressekonferenz des Klitschko-Managements in Düsseldorf, um auf dem Podium das Modell eines Kampfpanzers aufzustellen. Der sei ebenso wenig zu stoppen wie er selbst, erläuterte er unaufgefordert und sandte Grüße an die abwesenden Gebrüder Vitali und Wladimir: Er sei bereit, jederzeit und an jedem Ort gegen einen von ihnen anzutreten.

Damals wurde der Titelaspirant von eigenen Gnaden wie ein Vorstadtdesperado abgetan, der sich ohne Legitimation auf die oberste Etage der Boxwelt schleichen will. Am Samstag aber wird er dort ganz offiziell erwartet. Dann darf das in Beirut geborene Schwergewicht aus Köln (21 Siege, davon elf vorzeitig) den WBC-Champion Vitali Klitschko im Moskauer Olimpijski-Komplex fordern. Solche Wendungen des Schicksals gibt es auch im Profiboxen nicht alle Tage, weshalb sich Charr bestätigt fühlt: Dies sei die Chance seines Lebens, die er "vollkommen ausnutzen" will.

Manuel Charr (r.) will Vitali Klitschkos WM-Titel erobern   Manuel Charr (r.) will Vitali Klitschkos WM-Titel erobern

Erreichen, was andere ihm nicht zutrauen: Offenbar ist das der Sport, dem der Zuwanderer aus kleinsten Verhältnissen in seinem bewegten Leben am liebsten frönt. Darum ist der Showdown in der russischen Metropole, der in über 100 Länder übertragen wird, für ihn schon ein halber Hauptgewinn. Immerhin sei sein Gegner "der stärkste Mann der Welt", wie er fast bewundernd konzediert, und er selbst ein weiterer, krasser Außenseiter im Kampf um den prestigereichsten Titel im Boxen. Gelistet ist er in den Ranglisten dreier Weltverbände, immerhin - und dennoch ohne die solide Basis einer längeren Amateurzeit.

"Ich bin mehr der Bomber und Schläger", weiß er, "ich knalle rein und geh nach vorn." Dass sein begrenzter Punch einen Champion vom Kaliber Klitschkos von den Beinen reißt, ist aber unwahrscheinlich. So schöpft der Underdog seine Zuversicht auch eher aus der "schönen Taktik", an der er in einem Gym in der Kölner Südstadt mit dem russischen Erfolgstrainer Waleri Below gefeilt haben will. Sowie aus den Worten großer, erfolgreicher Männer, die er bei öffentlichen Auftritten mühelos rezitiert. Wie jenes Motto des amerikanischen Autopioniers Henry Ford: "Wer nichts versucht, hat schon verloren."

Gemessen an den harten Jahren im Container eines Asylbewerberheims in Essen ("Das wünsche ich nicht mal meinem ärgsten Feind"), hat der Spross einer Großfamilie schon jetzt gewonnen. In den drei Boxställen, wo er unter Vertrag stand, hielt ihn keiner für ein Jahrhunderttalent - schon gar nicht, nachdem Anfang 2010 bei einem Unfall das Kreuzband riss und die Kniescheibe brach. Die letzten drei Kämpfe hat er notgedrungen in Eigenregie veranstaltet, fehlende Mittel wurden durch Beharrlichkeit ersetzt. Beim Dinnerboxabend im Ballsaal eines Kölner Hotels trat er im März als Veranstalter, Manager, Conferencier und Hauptkämpfer auf.

Er hat also Glück gehabt, dass die Klitschkos ihn gecastet haben - weil die sechsstellige Börse seine angehäuften Schulden übersteigt. Doch der Kreis der Leute, die ihm in Moskau die faustdicke Überraschung zutrauen, will nicht so richtig größer werden. Zu deutlich schimmert in diesem Fall ein zynisches Kalkül durch: Weil Vitali Klitschko durch den Wahlkampf in der Ukraine belastet ist, soll ihm diesmal wohl ein Topherausforderer erspart werden. Der Panzer, der da auf ihn zukommt, ist sehr berechenbar - und hat das Drohpotenzial einer netten Nachbildung.

  • Aus der FTD vom 07.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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der 1. Bundesliga
Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
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