Novak Djokovic gewinnt in Wimbledon
Einen Tag zuvor hatte sich die Tschechin Petra Kvitova mit ihrem überraschend klaren 6:3, 6:4-Finalsieg über die Russin Maria Scharapowa ihren Kindheitstraum erfüllt. Als die neue Wimbledon-Queen überglücklich zu Boden sank, stand ihr Idol Martina Navratilova jubelnd in der Royal Box. "Ich denke, das ist der Beginn einer großen Karriere", sagte Navratilova. "Ein Star ist geboren."
Vor dem Traumfinale zwischen Nadal und Djokovic hatte Boris Becker die Bedeutung der Partie auf den Punkt gebracht: "Diese Schlacht wird festlegen, wer 2011 der Boss ist." Und der serbische Seriensieger ließ nach einer kurzen Phase des Abtastens keine Zweifel aufkommen, wessen Stunde im Welttennis geschlagen hat. Djokovic hatte seinen Fans einen "D-Day" versprochen - und der neue Weltranglisten-Erste behielt Recht.
Bei den langen Grundlinien-Rallyes der beiden derzeit weltbesten Tennisspieler hatte Djokovic zumeist das bessere Ende für sich. Und als sich Nadal beim Stand von 5:4 eine erste kleine Schwäche beim eigenen Aufschlag erlaubte, schlug der "Djoker" eiskalt zu und holte sich mit einem Weltklasse-Stopp nach 41 Minuten den ersten Satz. Der fünfte Final-Sieg über Nadal in diesem Jahr nahm seinen Lauf.
Was sich in der Folge auf dem Centre Court des All England Club abspielte, dürfte Nadal noch schlaflose Nächte bereiten. Chancenlos wie selten zuvor musste sich der zehnfache Grand-Slam-Champion im zweiten Satz seinem Schicksal ergeben. Alles schien Djokovic bei der Wachablösung im Herren-Tennis zu gelingen: herrliche Stopps, gefühlvolle Volleys und gnadenloses Power-Tennis von der Grundlinie.
Djokovic spielte sich in einen Rausch. Immer wieder pushte sich der 24-Jährige, schlug sich mit beiden Fäusten auf die Brust und feuerte sich mit lauten "Come On"-Rufen an. "Er ist auch nur ein Mensch. Er wird noch Schwächen zeigen", prophezeite Becker nach dem zweiten Durchgang.
Und der dreimalige Champion behielt Recht. Zu Beginn des dritten Durchgangs war Djokovic kurz unkonzentriert - Stehaufmännchen Nadal ging mit 3:0 in Führung und holte sich den Satz. Doch danach stand der Mallorquiner im fünften Wimbledon-Finale in Serie - 2009 fehlte er - wieder auf verlorenem Posten. Nach rund zweieinhalb Stunden war Nadals dritte Niederlage im 13. Grand-Slam-Finale perfekt. Es blieb ihm nichts anderes übrig als Djokovic, der gut 1,2 Mio. Euro einstrich, zum achten Turniersieg des Jahres zu gratulieren.
Am Abend durfte der dreifache Major-Champion aus Serbien Kvitova beim Champions Dinner begleiten. Die Tschechin steckte beim letzten Erfolg von Rekordsiegerin Navratilova am 7. Juli 1990 noch in den Windeln. 21 Jahre später triumphierte sie selbst auf dem Heiligen Rasen. "Es ist ein Traum", sagte Kvitova. "Ich bin so stolz."