FTD.de » Sport » Wetten, Sirenen und Blaulicht
Merken   Drucken   01.10.2012, 19:56 Schriftgröße: AAA

Skandal beim Handball: Wetten, Sirenen und Blaulicht

Handballstar Nikola Karabatic und sieben  Teamkollegen aus Montpellier sollen unter Mithilfe ihrer Frauen ein Spiel der französischen Handball-Liga verschoben haben. Vor der Festnahme durfte er noch duschen.
© Bild: 2012 Reuters/REGIS DUVIGNAU
Handballstar Nikola Karabatic und sieben Teamkollegen aus Montpellier sollen unter Mithilfe ihrer Frauen ein Spiel der französischen Handball-Liga verschoben haben. Vor der Festnahme durfte er noch duschen.
von Erik Eggers, Hamburg

Am Donnerstag noch hatte Nikola Karabatic alle Fragen abgeblockt. "Nur Fragen zum Handball", hatte der 28-jährige Handballprofi von Montpellier AHB nach dem Remis seines Klubs in Flensburg erklärt, als ihm 50 französische Journalisten mit Kameras und Mikrofonen zu Leibe rückten. Am Sonntag war keine Flucht mehr möglich. Der Rückraumstar durfte abends nach dem Ligaspiel bei Paris Handball (24:38) nur noch duschen, bevor er von der Glücksspielpolizei festgenommen wurde. Am Montag wartete der Ermittlungsrichter auf ihn.

Der Vorwurf lautet Sportkorruption und Wettbetrug. Neben Bruder Luka Karabatic werden auch weitere bekannte MAHB-Profis wie Samuel Honrubia, Kapitän Dragan Gajic, Wissem Hmam sowie die Torleute Mickaël Robin und Primoz Prost verdächtigt. Am Sonntag gab es insgesamt 17 Festnahmen, Sirenen und Blaulicht, viele spektakuläre TV-Bilder zur Primetime.

Der Skandal löste im französischen Sport ein Beben aus. Denn Karabatic zählt zu den höchstdekorierten Handballern aller Zeiten. Er hat mit der Équipe Tricolore zweimal Olympiagold gewonnen, dazu zwei Weltmeisterschaften, mit Montpellier (2003) und dem THW Kiel (2007) zweimal die Champions League und zahlreiche nationale Meisterschaften. Und weil ihn stets eine Aura der Unbesiegbarkeit umwehte, mutierte er zu einer Ikone des französischen Sports und des Welthandballs.

Auch für den europäischen Handball sind die Schlagzeilen pures Gift. Denn während die führenden Ligen in Deutschland und Spanien in der Krise sind, explodierte der französische Markt, da der Fonds Qatar Sports Investments seit dem Sommer Millionen in die Handballabteilung von Paris Handball pumpte und zuletzt auch den dänischen Welthandballer Mikkel Hansen verpflichtete.

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein Spiel vom 12. Mai, das Montpellier, damals schon als französischer Meister feststehend, mit 28:31 Toren beim abstiegsgefährdeten Klub Cesson Rennes verlor. Damals wettete die Freundin von Luka Karabatic, eine modelnde TV-Moderatorin, in Paris auf eine Niederlage Montpelliers, wie sie nun zugab. Zudem sollen Wetten in Montpellier und in der Bretagne über insgesamt 80.000 Euro auf eine Niederlage platziert worden sein - rund 20-mal so viel wie gewöhnlich. Der Gewinn soll bei über 250.000 Euro gelegen haben.

Dass Profis gewettet haben oder durch Mittelsmänner haben wetten lassen, wurde schon nicht mehr geleugnet. "Sie haben gewettet, das ist ein sportliches Vergehen", sagte Karabatic-Anwalt Éric Dupond-Moretti dem Sender RTL, "aber das ist keine Straftat, betrogen haben sie nicht." Auch der Verteidiger des Torwarts Robin betonte, das Wetten sei lediglich ein Verstoß gegen die sportliche Ethik. Das dürfte also nun die Verteidigungslinie sein: dass nur gewettet, die Partie aber nicht manipuliert wurde. Denn nur das ist vor dem Gesetz strafbar.

Die Verteidiger argumentieren, dass Karabatic wie die meisten anderen Verdächtigen das Spiel gar nicht beeinflussen konnten, weil sie nicht im Kader waren, offiziell aus Verletzungsgründen. Viele der Profis waren aber fünf Tage später wieder quicklebendig, als der Meister hoch beim Tabellendritten Saint-Raphaël (44:32) siegte. Und warum sollte jemand wie Karabatic, der im Jahr etwa 1 Mio. Euro brutto verdient, durch Sportwetten mit für ihn lächerlichen Beträgen die Karriere riskieren? Vermutlich ist die eigentliche Geschichte, die hinter den Wetten steht, noch gar nicht erzählt.

  • Aus der FTD vom 02.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
Die Ergebnisse
der 1. Bundesliga
Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
Bor. Mönchengladbach-FSV Mainz 05-:-
Hannover 96-Bayer Leverkusen-:-
zum Live-Ticker >>
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler