Wenn beim Fußballbundesligisten FC Augsburg außer der Reihe eine Pressekonferenz angekündigt wird, ist meist für Unterhaltung gesorgt. So kündigte der damalige Trainer Jos Luhukay gegen Ende der vergangenen Saison im voll besetzten Presseraum seinen Abschied an. Das Gruppenbild mit Aufsichtsratschef Walther Seinsch und Manager Andreas Rettig sollte Normalität vorspiegeln, doch jeder Augenzeuge konnte sehen, dass Luhukay und Seinsch einander längst von ganzem Herzen verachteten.
Auch am Montag wurde wieder traute Einheit zelebriert. Manfred Paula, der erst Anfang Juli die sportliche Leitung vom zur Deutschen Fußball Liga (DFL) gewechselten Rettig übernommen hatte, gab sich Mühe, seinen Jobwechsel zum Nachwuchskoordinator nicht als Degradierung erscheinen zu lassen. Doch das mochte weder ihm noch Seinsch gelingen. Schließlich sollte sich Paula auch zuvor schon um den Nachwuchs kümmern - künftig wird das jedoch sein einziges Aufgabengebiet sein. Er wird es gut ausfüllen, denn dass er mit einem Blick für Talente gesegnet ist, hat er bereits unter Beweis gestellt.
Mit dem Amt des sportlichen Leiters war Paula hingegen offenbar ein wenig überfordert. Zu Beginn seiner Amtszeit ließ er die Pressestelle wochenlang alle Interviewanfragen abblocken. Herr Paula, hieß es, müsse sich erst noch einarbeiten. Mehr Selbstvertrauen scheint er seither nicht entwickelt zu haben. Öffentlich trat er kaum in Erscheinung. Auch das Verhältnis zu Trainer Markus Weinzierl war offenbar gestört. Kurzum: Die Entmachtung Paulas ist nicht ohne innere Logik.
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Nachfolger Paulas wird mit Jürgen Rollmann ein Mann, der bereits auf vielen Feldern im Fußball aktiv war. Jahrelang war der gebürtige Hesse Ersatztorhüter bei Werder Bremen, ehe er zum damaligen Bayernligisten FC Augsburg wechselte, wo er seine Karriere ausklingen ließ. In der Saison 1999/2000 war der 46-Jährige schon mal FCA-Manager, danach begann der auf der Münchner Journalistenschule ausgebildete Journalist eine Karriere in der Politik. Von 2000 bis 2003 war er Pressesprecher der bayrischen SPD. Bis 2006 arbeitete er anschließend als Koordinator der Bundesregierung für die WM 2006. Auch die Kontakte, die er als Vorsitzender der Spielergewerkschaft VDV knüpfte, dürften ihm noch nützliche Dienste leisten.
Die erneute Personalrochade wird im Umfeld des Klubs eher wohlwollend kommentiert. In den Fanforen mehrt sich allerdings auch die Kritik an Walther Seinsch, dessen Personalpolitik schon in der vergangenen Saison für Irritationen gesorgt hat.
Der 71-jährige Mitbegründer der Textilkette Takko hat den Aufstieg des Klubs mit viel Geld befördert. Die Entscheidung, mit Andreas Rettig einen Hochkaräter in die Provinz zu holen, erwies sich als goldrichtig. Der konnte allerdings jahrelang nach Gusto arbeiten, da sich der an Depressionen leidende Seinsch aus dem Geschäft zurückgezogen hatte. Kurz nachdem er im vergangenen Winter an den Schreibtisch zurückgekehrt war, gab Rettig seinen Abschied zum Saisonende bekannt. Zeitgleich begannen die Zerwürfnisse mit Jos Luhukay. Der bis dahin überaus erfolgreiche Trainer gab am Saisonende seinen Rücktritt bekannt - das Verhältnis zu Seinsch war irreparabel gestört.
Im Vergleich zu den Wirren der vergangenen Spielzeit erscheint die erneute Personalrochade deshalb als vergleichsweise unspektakulär. Tatsache ist jedoch, dass Seinsch eine Personalentscheidung rückgängig gemacht hat, die schon im Sommer allerorten für Verwunderung sorgte