Eine zarte Ballberührung an der Mittellinie, dazu eine halbe Pirouette, vorbei ist er am ersten Ägypter, eine hübsche Finte im Sprint führt den nächsten in die Irre, ein verwegener Weg mittendurch, und zwei weitere sind düpiert. Nur der Torhüter kann ihn stoppen, mit einem gewagten Hechter verhinderte Essam El-Hadary das aufregendste Tor dieses Confed-Cups. Einzig die Vollendung fehlt, so ist es nur nahezu perfekt, dieses Solo von Landon Donovan.
Landon Donovan? Der Donovan, der von Januar bis März vergeblich beim FC Bayern versuchte, Fußball zu spielen? Über den Uli Hoeneß Vernichtendes verbreitete? Klinsmanns "einziger konkreter Vorschlag zur Verstärkung war Landon Donovan, über den Hermann Gerland sagt, er würde nicht mal bei ihm in der zweiten Mannschaft spielen."
Wer den US-Amerikaner Donovan in Südafrika sieht, möchte an einen doppelten Donovan glauben, etwa wie 1997, als Bremen Havard Flo verpflichtete und die Scouts angeblich Tore André Flo empfohlen hatten. Das US-Team beteuert hartnäckig, dass der südafrikanische Donovan mit dem bajuwarischen identisch sei - was die Person anbelangt. Er habe einfach nicht zeigen können, was er kann, sagt US-Coach Bob Bradley.
Bei ihm dagegen darf Donovan. Er spielt hier jede Partie von Anfang bis Ende, er trägt Verantwortung, ist Kapitän und Inspirator nahezu aller Spielzüge, er ist das Herz einer schwankenden Elf. Leidet der 27-Jährige an Rhythmusstörungen, kollabiert das Spiel, wie beim 0:3 gegen Brasilien, läuft Donovan rund, ist er Ruhepunkt und Motor, wie beim 3:0 über Ägypten und beim 1:3 gegen Italien.
Gegen den Weltmeister sah sich Donovan Gennaro Gattuso ausgesetzt, doch Donovan war präsent wie keiner. Gegen die Ägypter zeigte er nicht nur hübsche Dribblings, er bereitet ein Tor vor und führte sein Team ins Halbfinale am Mittwoch gegen Spanien (20.30 Uhr, DSF).
Die Bundesliga kennt nur eines von zwei Gesichtern Donovans. Die US-Soccer-League kürte ihn mehrmals zum ihrem Besten, das US-Team ist ohne Donovan weniger Wert, 2002 überstrahlte er als 20-Jähriger beim 0:1 im WM-Viertelfinale gegen die deutsche Elf selbst Ballack. In München und zuvor 2000 und 2004 In Leverkusen konnte er sich nicht durchsetzten, um kaum in die Staaten zurückgekehrt, für Los Angeles Galaxy in jeder zweiten Partie ein Tor zu erzielen.
Bei den Bayern war ausgerechnet der wankende Trainer sein einziger Förderer. Trotzdem sagt er zurückblickend: "Die Zeit in Deutschland war gut. Eine sehr interessante Erfahrung - aus vielen verschiedenen Gründen, guten und schlechten."