Die Frage, ob UV-Strahlen die Leistung steigern, ist schon älter als die Erfindung des klassischen Blutdopings
Denn die Frage, ob UV-Strahlen die Leistung steigern, ist schon älter als die Erfindung des klassischen Blutdopings, das auf etwa 1970 datiert wird. Bereits 1926 berichtete der Essener Mediziner Karl Anton Worringen in der Zeitschrift "Leibesübungen", dass US-Trainer auf die "Quarzlampenbestrahlung" schworen, demnach sollte "das systematische Bestrahlen" der Universitätsruderer Yales zum Sieg im Wettkampf mit Harvard verholfen haben. Laut einem US-Sportarzt sei man dazu übergangen, vor athletischen Wettkämpfen "das ganze Bestrahlen trainierender Sportsleute durchzuführen".
Daraufhin entzündete sich eine erste UV-Debatte im deutschen Sport, nach dem Urteil des amerikanischen Dopinghistorikers John Hoberman eine "Lehrbuchkonfrontation zwischen den Antidopingpuristen und ihren modernen Gegnern, für die die Leistung erste Priorität war". Während Worringen diese Methode ablehnte, weil der "häufige Gebrauch von ultravioletten Strahlen zu Schädigungen führen kann", wurde sie von anderen Wissenschaftlern befürwortet. Da nur "natürliche Lebensvorgänge durch diese Bestrahlungen verstärkt" würden, sei es unzulässig, diese Methode mit Dopingmitteln gleichzusetzen, erwiderte der Geheime Sanitätsrat Hugo Bach. Einige Wissenschaftler behaupteten, UV-Bestrahlung verbessere auf Kurzstrecken die Leistung. Bei Olympia 1928 in Amsterdam sollen UV-Therapien üblich gewesen sein.
Die Lichttherapie war auch Gegenstand der ersten bundesdeutschen Dopingdebatte im Jahr 1952. Der Leiter der sportärztlichen Abteilung der Sporthochschule Köln, Bruno Spellerberg, sah darin kein Doping. Stattdessen lobte er die gesundheitsfördernde Wirkung: "Ein anzustrebendes Ziel wäre es, wenn allen Sportlern diese segensreiche Einrichtung künstlicher UV-Belichtungen in Sportschulen, Verbandsheimen, Trainingslagern und so weiter zugänglich gemacht werden würde. Eine entsprechende Empfehlung müsste dem Nationalen Deutschen und Internationalen Olympischen Komitee zugeleitet werden", forderte er in seinem Resümee.