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Merken   Drucken   07.05.2012, 19:22 Schriftgröße: AAA

Vorläufiger EM-Kader: Löw stärkt die Defensive

Joachim Löw setzt bei der EM weder auf Dennis Aogo noch auf Simon Rolfes - eine von wenigen Überraschungen, die der Bundestrainer bei der Präsentation seines vorläufigen Kaders zu bieten hatte. Ungewöhnlich fällt die Zahl der nominierten Torhüter aus.
© Bild: 2012 Getty Images/Martin Rose
Joachim Löw setzt bei der EM weder auf Dennis Aogo noch auf Simon Rolfes - eine von wenigen Überraschungen, die der Bundestrainer bei der Präsentation seines vorläufigen Kaders zu bieten hatte. Ungewöhnlich fällt die Zahl der nominierten Torhüter aus.
von Christopher Ruf, Rastatt

Wer von der Autobahn zum Rastatter Mercedes-Werk will, fährt erst einmal an Streuobstwiesen vorbei. Aus dem nahen Wald duftet es nach Bärlauch. Dann steht man vor einer Autofabrik, mitten in Mittelbaden. Der äußere Rahmen für die Nominierung des vorläufigen EM-Kaders hatte also nicht viel gemein mit dem Brimborium, das noch vor vier Jahren auf der Zugspitze betrieben wurde. Ein paar einleitende Worte gab es, dann einen kurzen Imagefilm. An dessen Ende der Satz: "... und jetzt geht's los." Dann werden DIN-A4-Blätter verteilt, auf denen die 27 Auserwählten stehen, die am Freitag mit der DFB-Crew nach Sardinien fliegen.

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Sensationen sind ausgeblieben. Bundestrainer Joachim Löw vertraut beispielsweise weiter seinen Alphatieren Miroslav Klose und Per Mertesacker, die monatelang verletzungsbedingt ausfielen. Von den Spielern, denen er jahrelang vertraute, fehlen hingegen der Leverkusener Simon Rolfes und Dennis Aogo vom HSV, an dessen Stelle der Dortmunder Marcel Schmelzer zum Zuge kommt. Die Personalie kann durchaus als Grundsatzentscheidung interpretiert werden. Denn wenn das DFB-Team in einem Mannschaftsteil Probleme hat, dann am ehesten in der Abwehr. Und der Dortmunder hat gegenüber dem offensivstarken Aogo den Vorteil, in der Defensivarbeit etwas solider zu sein.

Aber die eine oder andere Überraschung birgt der Kader doch. Stürmer Patrick Helmes, der zuletzt für Wolfsburg in Serie traf, wurde zwar gelobt ("Hat hervorragende Leistungen gezeigt"), an seiner Stelle darf dennoch der Stuttgarter Cacau mitfahren. Auf Nachfrage begründete der Teamchef das mit den unterschiedlichen Stärken der beiden Angreifer. Während Helmes eher ein klassischer Konterstürmer sei, der seine Stärken am besten entfalten könne, "wenn er etwas Platz hat", sei Cacau "auch im Verein" in der Jokerrolle erprobt und auf engem Raum stärker. Und genau den erwartet Löw bei einigen EM-Spielen, in denen der Gegner versuchen könnte, sich gegen einen der EM-Favoriten hinten reinzustellen.

Auch mit der Nominierung des Dortmunders Ilkay Gündogan ("zuletzt starke Monate") und des Schalkers Julian Draxler war nicht unbedingt zu rechnen. Der 18-jährige Draxler hat es Löw ob seiner Schnelligkeit und seiner Spielintelligenz angetan, er werde durch die Nominierung "noch einmal einen Schub bekommen". Dennoch dürfte der Mittelfeldmann einer der Spieler sein, die bei der endgültigen Kadernominierung am 29. Mai zu den Streichkandidaten zählen. Insgesamt nominierte Löw gleich vier Torhüter (Manuel Neuer, Tim Wiese, Ron-Robert Zieler, Marc-André ter Stegen) - was insofern überraschend ist, als dass die Trainingsperiode auf Sardinien, bei der die Ehefrauen und Freundinnen der Spieler dabei sein werden, eher der Regeneration und dem Teambuilding dient.

Der aus vier Spielern (Gündogan, Mats Hummels, Sven Bender, Schmelzer) bestehende BVB-Block stößt am 15. Mai zum DFB-Tross, einen Tag später kommen die beiden Real-Profis Mesut Özil und Sami Khedira hinzu. Die Bayern-Spieler sind wegen des Champions-League-Finales bis zum 25. Mai gebunden, inklusive Innenverteidiger Holger Badstuber, der, wie Löw berichtete, auf "Wunsch von Holger und Jupp Heynckes" beim Verein bleibt, obwohl er fürs Finale gesperrt ist.

Löw lamentierte in Rastatt nicht lange über den misslichen Umstand. Da der Bayern-Block aber acht der 27 Akteure umfasst, also mehr als ein Viertel, ist zu verstehen, dass Löw mehrfach von einer "schwierigen Situation" sprach. Die gibt es auch im EM-Gastgeberland, wo der inhaftierten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko eine ärztliche Behandlung im Ausland verwehrt wird. Von einem Boykott halte er allerdings nichts, so Löw in einem längeren Statement.

Man werde auch nicht als "Weltpolizei in die Ukraine fahren". Er befürwortet es aber ausdrücklich, wenn die Spieler, die allesamt "mit offenen Augen durch die Welt laufen", ihre Meinung sagen. So wie es Kapitän Philipp Lahm im aktuellen "Spiegel"-Interview getan habe. Dort hatte der DFB-Kapitän unter anderem klare Äußerungen von Uefa-Präsident Michel Platini angemahnt.

  • Aus der FTD vom 08.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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der 1. Bundesliga
Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
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