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Merken   Drucken   25.07.2005, 20:09 Schriftgröße: AAA

Was ist das Wasser auch so weich  

Bei der Schwimm-WM hadern die deutschen Männer mit den Bedingungen. Die Staffeldamen hingegen dürfen sich über einen unerwarteten Satz Silbermedaillien freuen. von Andreas Morbach, Montreal
Antje Buschschulte während der 100m Rückenschwimmen der Frauen   Antje Buschschulte während der 100m Rückenschwimmen der Frauen
Den umfassendsten Vortrag über den richtigen oder falschen Umgang mit dem Wasser im WM-Pool von Montreal lieferte Marco di Carli. Der 20 Jahre alte Nachwuchsmann aus Norddeutschland hatte als Schlussschwimmer der deutschen 4x100-m-Freistilstaffel gerade den sechsten Platz perfekt gemacht, da hob er zu einem endlosen Monolog an. Er erzählte, dass er im Vorlauf am Morgen "intuitiv die Frequenz erhöht" habe, ihm am Ende aber leider die Puste ausgegangen sei. Und das alles nur wegen des "weichen Wassers" hier in Kanada.
Zumindest ist dies eine einfallsreiche Erklärung dafür, dass es bei dem jungen Mann von der SG Sigiltra Sögel am ersten Wettkampftag der Bahnenschwimmer nicht so glatt lief wie erhofft. Ralf Beckmann kann über solche Ausreden freilich nur müde lächeln. "Das kann man vergessen", winkt der Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) ab. Denn ob weich oder hart, ob kalt oder warm, ob Badewanne oder offenes Meer: "Man muss einfach den richtigen Abdruck finden." Immer und überall. Und manchmal klappt das, manchmal nicht. "Selbst ein Phelps", so Beckmann, "schafft das nicht immer". Der Superstar aus den USA war bei seinem ersten Start in Montreal über 400 Meter Freistil, eine seiner neuen Teststrecken, sang- und klanglos ausgeschieden. Gleich 17 andere Schwimmer waren schneller als der Allrounder aus Baltimore. Die erste der angestrebten acht Medaillen konnte Phelps schon von seiner Liste streichen.
Abgehaktes Desaster
Dafür gewann er am Abend mit der US-Staffel Gold über 4x100 m und hakte das persönliche Desaster vom Morgen auf sehr einfache Weise ab. "Ich war definitiv nicht bereit zu schwimmen", sprach der 20-jährige Wunderknabe. "Das habe ich jetzt überwunden."
So einfach konnte es sich Thomas Rupprath nicht machen. Er war ja als der Inhaber der Weltjahresbestzeit angereist, doch dann über 50 Meter Schmetterling schon im Halbfinale ausgeschieden. Einfach so. Während der Südafrikaner Roland Schoeman zwei Bahnen neben ihm in 23,01 Sekunden den ersten Weltrekord dieser Titelkämpfe aufstellte.
Mit 24,04 Sekunden war Rupprath fast eine halbe Sekunde langsamer als bei den Deutschen Meisterschaften im Mai, als er deutschen Rekord schwamm. "Mein Rennen war scheiße", urteilte der Schwimmer von den Wasserfreunden 98 Hannover denn auch sehr drastisch und schluckte: "Das ist nicht gut, mit einer solchen schwachen Leistung in eine WM zu starten." Zum Vergleich bemühte er in dieser trüben Stunde Autorennfahrer Michael Schumacher. "Das ist, wie wenn Schumi zu wenig Grip hat", meinte Rupprath und beklagte seinerseits, "das Wasser nicht in den Griff bekommen" zu haben.
"Abartig überragender" Platz zwei
Nach dem - aus psychologischen Gründen für wichtig erklärten - ersten WM-Tag drohte im deutschen Lager Heulen und Zähneklappern. Zumal auch Jens Kruppa über 100 Meter Brust sowie Annika Mehlhorn über 100 Meter Schmetterling das Finale verpasst hatten. Aber dann traten im vorletzten Rennen des Abends die deutschen Staffeldamen auf die Startblöcke. Und als Petra Dallmann, Antje Buschschulte, Annika Liebs und Daniela Götz ihre je 100 Meter Freistil geschwommen hatten, waren sie Zweiter. Macht einen Satz Silbermedaillen, das erste Edelmetall für den DSV in Kanada. Platz drei hatten sie sich vorher im stillen Kämmerlein erhofft, Rang vier befürchtet - und an den zweiten Platz nach eigener Aussage keine Sekunde gedacht. "Abartig überragend" fand Startschwimmerin Dallmann das Ergebnis, "perfekt" flötetete die Kollegin Buschschulte.
Und der Chef hob die Hände gen Himmel. "Mir ist", gestand Ralf Beckmann angesichts der vorangegangenen Rennen, "in der Tat ein Stein vom Herzen gefallen. Das ist ein riesiger Erfolg und ein Zeichen dafür, dass unsere Mannschaft hier Medaillen holen kann."
Antje Buschschulte, die Weltmeisterin über 100 Meter Rücken von Barcelona, war zunächst vorsichtig. "Wir hoffen, dass unser Lauf den anderen ein bisschen Auftrieb gibt", sagte die 26-Jährige brav. Das "bisschen" war zwei Minuten später aber schon größer geworden. "Sehr viel wert" sei ihr Silberlauf, glaubte Buschschulte nun. "Weil die Mannschaft vorher ja nicht ganz zufrieden war." Dass die Endzeit letztlich langsamer ausfiel als die der viertplatzierten Staffel von Athen - darüber spricht man in dem Moment höchstens leise. Am besten gar nicht. Genauso wenig wie über zu weiches oder zu warmes Wasser.
  • Aus der FTD vom 26.07.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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