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Merken   Drucken   14.11.2011, 19:32 Schriftgröße: AAA

Weltfußballverband: Fifa-Vize unter Korruptionsverdacht

Argentinische Ermittler finden beim zweiten Mann der Fifa Schwarzgeldkonten mit 72 Mio. Dollar. Sie vermuten, dass sie als Schmiergeld aus Russland oder Katar für die Vergabe der WM floss. von Jens Weinreich, Berlin
Zu jenen Funktionären des Fußballweltverbands Fifa, die sich vor drei Wochen in Zürich ein sogenanntes Reformpaket verordnet haben, zählte auch der Argentinier Julio Humberto Grondona. Der 80-Jährige fungiert als Erster Fifa-Vizepräsident und als Chef der Finanzkommission. Grondona ist zeichnungsberechtigt für die milliardenschweren Fifa-Konten, schon das muss alarmieren. Denn seit Monaten steht er in seiner Heimat Argentinien wegen dunkler Geschäfte im Fokus. Auslandskonten, die mit 72 Mio. Dollar und Schweizer Franken prall gefüllt sind, wurden bereits dokumentiert. Die Strafsache 228.078/2011 spitzt sich weiter zu und entwickelt sich zu einem internationalen Krimi.
Fußball macht reich, auch ohne zu kicken: zumindest Julio Grondona   Fußball macht reich, auch ohne zu kicken: zumindest Julio Grondona
Vor zwei Wochen hat Staatsanwältin Viviana Beatriz Fein ein Rechtshilfeersuchen beantragt, um ein Dutzend von Grondonas Schwarzkonten aufzuklären: Die 72 Mio. lagern vor allem in der Schweiz, aber auch in Liechtenstein, Spanien und den USA. Grondona steht im Verdacht, Schmiergelder in märchenhafter Höhe von den WM-Ausrichtern Russland (2018) und Katar (2022) kassiert zu haben.
Argentiniens Behörde für Finanzverbrechen (UIF) ist eingeschaltet. Es geht um Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Korruption, schweren Betrug und andere Delikte. Es wird diskutiert, die Steuerunterlagen und sämtliche Geschäftsdaten Grondonas aus den vergangenen zehn Jahren einzuziehen. Und was unternimmt die Fifa angesichts der Vorwürfe gegen ihren Finanzchef? Nichts.
"Grondona ist nicht irgendeiner, der irgendwie ein bisschen korrupt ist. Grondona ist der Erste Vizepräsident und damit die Nummer zwei des Weltfußballs", sagt der Schweizer Nationalrat Roland Büchel (SVP), der sich seit Langem um Korruptionsaufklärung in der Fifa bemüht. "Ich bin überrascht, dass diese neue Summe zum Vorschein kommt. Niemand kann annehmen, dass das sauberes Geld ist!" Grondona führt seit 1979 den argentinischen Verband AFA und hat sich im Oktober für weitere vier Jahre im Amt bestätigen lassen. Über zahlreiche Unternehmen beherrscht er den Fußballmarkt in Südamerika, zu seinen Firmen zählt auch ein Überbleibsel der ISL-Gruppe, die Top-Funktionäre in Fifa und IOC mit mehr als 141 Mio. Schweizer Franken geschmiert hat.

Teil 2: "Es geht um den Ruf unseres Landes"

  • Aus der FTD vom 15.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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