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Merken   Drucken   29.07.2009, 15:17 Schriftgröße: AAA

Weltmeisterschaft: Schwimmer lösen Dopingdiskussion aus

Der Schwimmsport kämpft um seine Glaubwürdigkeit: Weltrekorde am Fließband und mangelnde Kontrollen bei der Weltmeisterschaft in Rom haben das Thema Doping wieder hochgespült. Doppel-Weltmeister Biedermann reagiert empört. von Richard Janssen und Marc Zeilhofer (Rom)
Bundestrainer Dirk Lange sieht in der Doping-Diskussion den Weltverband Fina in der Pflicht: "Wir wollen nichts schönreden und gerade deshalb brauchen wir Glaubwürdigkeit bei den Kontrollen. Dem Sportler kann man nichts vorwerfen, aber der Weltverband muss handeln."
Doppel-Weltmeister Paul Biedermann wehrte sich einen Tag nach seinem Weltrekord, mit dem er Michael Phelps übertrumpfte, gegen pauschale Verdächtigungen. "Die Leute geben sich sehr viel Mühe, trainieren hart. Da kann man was zerstören mit diesen Anschuldigungen", sagte der Weltmeister über 200 und 400 Meter Freistil.
Die ARD hatte berichtet, dass die Anzahl von Trainings- und Blutkontrollen kurz vor der Weltmeisterschaft im Vergleich zu den Vorjahren auf null zurückgegangen sei. Fina-Generaldirektor Cornel Marculescu widersprach dagegen der Darstellung bezüglich der Trainingskontrollen. Ein Fina-Sprecher kündigte genaue Zahlen über Tests kurz vor der WM erst für den 2. August an. In Rom sind nach ARD-Informationen aber bisher keine Blutkontrollen durchgeführt worden, und es seien auch keine geplant. Es werden offensichtlich nur Urintests vorgenommen.
Paul Biedermann hält nach der Siegerehrung des Finales über 200 ...   Paul Biedermann hält nach der Siegerehrung des Finales über 200 Meter Freistil seine Goldmedaille hoch
"Wenn das so stimmt, dann muss man sagen, dass dies nicht den heutigen Anforderungen an Dopingtests entspricht", sagte der Nürnberger Pharmakologe und Dopingexperte Professor Fritz Sörgel. "Da muss man ja schon fast den Radsport loben." Sörgel hält die angewandte Methode für wirkungslos: "Ohne Bluttest sind die populärsten Dopingformen wie Eigenblutdoping und Epodoping nicht zu erfassen. So fängt man keinen Dopingsünder."
Auch Biedermann hat registriert, dass die Doping-Kontrollen der Fina unmittelbar vor der WM rar waren: "Das ist mir auch aufgefallen, aber ich bin oft von Nada und Wada kontrolliert worden." Der Bundestrainer bemängelt: "Gerade wenn Rekorde am Fließband fallen, müssen die Kontrollen funktionieren und greifen. So schadet man dem Schwimmsport." In Rom sind an den ersten drei Tagen 15 Weltrekorde gefallen, so viel wie in Melbourne 2007 insgesamt.
Almsick stärkt Biedermann den Rücken
Biedermann sagte, er sei in diesem Jahr etwa 20 Mal und damit so oft kontrolliert worden wie noch nie. "Es ist richtig, dass diese Fragen gestellt werden, ich beantworte sie auch: Ich habe nie gedopt und werde nie dopen", sagte er. Der 22-Jährige hatte in Rom seine jeweilige Bestzeit über 400 Meter Freistil um 6,6 und über 200 Meter um 2,7 Sekunden gesteigert.
Der frühere Schwimmstar Franziska van Almsick wollte Biedermanns Leistung nicht infrage stellen. "Er hat einfach stetig aufgebaut. Das ist etwas, was sich nachvollziehen lässt", sagte sie in Rom, "es ist nichts, wo ich sage: Keine Ahnung, wo das herkommt."
Die Berlinerin machte aber auch deutlich: "Ich finde es gut, dass wir das Thema Doping bei all den Diskussionen um die neuen Anzüge nicht aus den Augen verlieren. Für mich ist jeder unschuldig, solange man ihm nicht das Gegenteil nachweist." Wer erwischt wird, sollte aber lebenslänglich gesperrt werden.
  • dpa, 29.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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