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Merken   Drucken   12.09.2012, 16:38 Schriftgröße: AAA

WM-Qualifikation: Fußballer beenden Großbritanniens goldenen Sommer

Was immer britische Sportler in diesem Jahr anfassen - es wird zu Gold. Außer, es handelt sich um Englands Nationalelf. Gegen die Ukraine reicht es nur zum 1:1
© Bild: 2012 Reuters/EDDIE KEOGH
Was immer britische Sportler in diesem Jahr anfassen - es wird zu Gold. Außer, es handelt sich um Englands Nationalelf. Gegen die Ukraine reicht es nur zum 1:1
von Raphael Honigstein, London

Zwei Minuten vor dem Abpfiff applaudierte Steven Gerrard auf dem Weg in die Kabine dankend dem Publikum, das ihn ausgiebig beklatschte. Man kennt das, im Wembley-Stadion und auch sonst auf der Insel, großzügige Sympathiebekundungen für vorzeitig vom Platz gehende Kicker gehören dazu. Aber so sinnentleert wie am Dienstagabend beim WM-Qualifikationsspiel gegen die Ukraine wirkte das Ritual selten: Gerrard, 32, war soeben wegen eines zweiten dämlichen Fouls mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen worden, nur eine Minute nachdem Frank Lampards 1:1-Ausgleich (Handelfmeter) eine späte Wende gegen die Ukraine möglich gemacht hatte.

Die übermotivierte Grätsche des englischen Kapitäns gegen Denis Garmasch beendete die kurze Druckphase der Gastgeber und brachte den Stadionsprecher in große Schwierigkeiten. "Man of the match: England's number four ...", schallte es aus den Lautsprechern, bevor dann doch Lampard, dem Mann mit der Acht auf dem Rücken, die Ehre zukam. Rotsünder dürfen laut Verbandsregel keine Matchwinner sein.

Die offiziell 68.000 Zuschauer im tatsächlich spärlich besuchten Nationalstadion waren sehr nachsichtig mit Gerrard und seinem Team. Man begnügte sich mit dem Punktgewinn und goutierte die unkoordinierten Bemühungen von Roy Hodgsons Elf. In den Medien aber fiel das Urteil vernichtend aus, da die phasenweise chaotische Vorstellung der "Three Lions" als schmerzhafte, die nationale Hochstimmung der vergangenen Wochen regelrecht zerstörende Zäsur empfunden wurde. "Roy-Flops machen unseren goldenen Sommer kaputt", titelte die "Sun" wütend. Im Gegensatz zu den vielen britischen Olympiahelden - von denen einige zur Halbzeit auf dem Rasen gefeiert wurden - und dem frisch gebackenen US-Open-Sieger Andrew Murray bleiben die Kicker sich und ihrer jahrzehntelangen Inkompetenz treu. Dass England von der Fifa als drittbeste Mannschaft der Welt geführt wird, sorgt selbst bei treuesten Anhängern nur noch für Belustigung.

Hodgson musste gegen Oleg Blochins technisch feine, klug konternde Elf mit Bayerns Anatoli Timoschtschuk als Kapitän unter anderem Wayne Rooney, John Terry und Ashley Cole ersetzen. Es gab auch, der Überlegenheit der Gäste zum Trotz, einige Torgelegenheiten. Der von Hodgson im Vorfeld etwas unglücklich mit Cesc Fàbregas verglichene Tom Cleverley (Manchester United) vergab die beste, als er aus kürzester Distanz nicht das leere Tor, sondern nur Keeper Andrij Pjatow traf. Kurz darauf hämmerte der junge Jewgen Konopljanka den Ball aus der Distanz in den Giebel, Gerrard war ihm nicht hinterhergekommen.

Englands Nationaltrainer tat sich hinterher keinen Gefallen, als er über "75 Minuten Dominanz" dozierte, England "besser als beim 1:0-Sieg" gegen denselben Gegner bei der EM wähnte und mit verquaster Rhetorik ("Ich bin nicht sicher, ob ich bereit bin zu akzeptieren, dass dies keine sehr gute Leistung war") von den offensichtlichen Schwächen in allen Mannschaftsteilen ablenken wollte. Das Wohlwollen, das den 65-Jährigen noch im Juni begleitet hatte, ist nun aufgebraucht; der Weg durch die knifflige Gruppe H mit der Ukraine, dem Angstgegner Polen und den defensivstarken Montenegrinern wird nach diesem Resultat beschwerlich. "Am 12. Oktober geht es gegen San Marino, dieses Spiel darf man nicht verpassen", warb der Stadionsprecher am Ende mit einer Spur von Verzweiflung in der Stimme. Nicht nur der gelb-rot-gesperrte Gerrard wird das insgeheim vielleicht anders sehen.

  • Aus der FTD vom 13.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Die Ergebnisse
der 1. Bundesliga
Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
Bor. Mönchengladbach-FSV Mainz 05-:-
Hannover 96-Bayer Leverkusen-:-
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