Timur Schamanov, Sohn des parteilosen ukrainischen Politikers Valerie Schamanow, lachte und hüpfte sich in die Herzen der Fans der ukrainischen Nationalmannschaft. Bei der Übertragung des Spiels gegen Schweden war er groß im Bild zu sehen, nachdem Stürmer Andrej Schewtschenko das Tor zum 2:1 der Mannschaft des Gastgeberlandes erzielte. Am nächsten Tag titelte die zweitgrößte Tageszeitung des Landes, "Segodna": "Das Gesicht der Ukraine – Timur: Ein Symbol für den Triumph". Das machte den Sechsjährigen endgültig zum inoffiziellen EM-Star. Heute Abend könnte seine nächste große Stunde schlagen, wenn der Gastgeber gegen Frankreich antritt (18 Uhr im Liveticker von FTD.de).
Torjäger Schewtschenko selbst überreichte ihm denn auch beim nächsten Training für das anstehende Spiel gegen Frankreich höchstpersönlich ein Trikot der Nationalelf. So groß ist die Fußballlust der Ukrainer, angestachelt durch ihren Sieg und Timurs Freude, dass sogar der französische Nationaltrainer Laurent Blanc konstatiert: "Das Land befindet sich in einem Rauschzustand. Die Menschen werden stärker hinter ihrem Team stehen als jemals zuvor. Das wird ohne Zweifel ein hartes Spiel." Und dass, obwohl Blancs Mannschaft nach dem müden 1:1 gegen England unbedingt einen Sieg braucht.
Blancs Sorge des Trainers gilt zudem Stürmerstar Schewtschenko: "Ich habe kürzlich einen Artikel über ihn gelesen. Darin hieß es, dass er kaum noch gehen könnte und sein Rücken kaputt sei", sagte er. "Doch gegen Schweden hat er gezeigt, dass großartige Spieler es nie verlernen. Ich schätze ihn sehr." Frankreichs Torhüter Hugo Lloris sagt, es sei eine "großartige Ehre" gegen Schewtschenko zu spielen. "Wir müssen ihn besonders im Auge behalten."
Der ukranische Trainer Oleg Blochin hingegen gibt sich selbstbewusst: "Die Ukraine fürchtet nichts. Warum sollten wir Angst vor Frankreich haben?" Allerdings warnte Blochin sein Team auch vor zu ausschweifender Euphorie. "Wir haben nur ein Spiel gewonnen und einige unserer Jungs schweben bereits in den Wolken. Ich habe ihnen gesagt, dass es viel zu früh ist, um zu fliegen. Wir haben noch nichts erreicht."
Das trifft auch auf den Gegner zu. Um sich auf die erwarteten mehr als 30 Grad am frühen Abend in der Donbass Arena vorzubereiten, greift Frankreich zu Spezialtricks: Das Team um Franck Ribéry steigt jeden Abend im Trainingszentrum Kirscha für drei Minuten in eine Kältekammer und trägt während der Halbzeit Kühlwesten. "Die schwierigen Partien kommen jetzt erst. Die Ukraine spielt zu Hause, das wird auf keinen Fall einfach", sagt Frankreichs Linksverteidiger Patrice Evra.