Die Abwehrreihe der Nationalmannschaft ist bekanntlich die größte Baustelle von Joachim Löw, und so probiert der Bundestrainer bis zum Beginn der Europameisterschaft noch einiges aus. Am Donnerstag verkündete er, dass Kapitän Philipp Lahm auf der linken Seite eingesetzt werden soll.
Und er verblüffte mit der Überlegung, Lars Bender, 23, auf der rechten Seite einzusetzen - der Leverkusener hätte dann gleich im ersten Spiel gegen Portugal die ehrenvolle Aufgabe, Superstar Cristiano Ronaldo das Leben schwer zu machen. Das allein wäre schon eine mächtige Herausforderung. Für Bender wäre sie noch ein bisschen mächtiger, da er noch nie auf dieser Position gespielt hat.
Bislang war man davon ausgegangen, dass Bayern-Profi Jérôme Boateng diesen Job ausüben wird. Aber über den hat sich Löw zuletzt offenbar mehr geärgert, als bislang bekannt geworden ist. Boateng hatte nämlich am vergangenen Sonntag - die Nationalspieler hatten frei und wurden bei ihren Familien vermutet - die Nacht zum Tag gemacht. In einem Berliner Hotel und in Begleitung einer Dame namens Gina-Lisa Lohfink.
Die junge Frau wurde einst durch die TV-Sendung "Germany's Next Top Model" bekannt und schlägt sich seitdem mit wechselnden Beziehungen und vergrößerten Brüsten auf dem Boulevard durch. In der "Bild" konnte sie auch das Treffen mit Boateng platzieren. "Dass mir das nicht gefallen hat, ist ja wohl selbstverständlich", sagte Löw. Er habe sich sich Boateng deshalb vorgeknöpft.
Allerdings gibt es auch sportlich-taktische Gründe, zumindest im Spiel gegen Portugal auf Boateng zu verzichten. Der 23-Jährige kommt auf der Außenbahn häufig einen Schritt zu spät und muss dann die Grätsche ansetzen. Gegen den schnellen Ronaldo bestünde höchste Gefahr, verwarnt oder gar vom Platz gestellt zu werden. Löw schreibt Boateng noch nicht ab, aber er drohte in selten unmissverständlicher Form: "Er wird sich zerreißen müssen in den nächsten Wochen."