Deutschland schafft es unter die letzten Vier, Spanien wird Weltmeister. Wenn es nach den Promis geht, muss Titelverteidiger Italien bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika mit der Ablösung rechnen.
Formel-1-Star Michael Schumacher zeigt sein Können auf dem grünen Rasen.
Zwar kommt für Rockmusiker Udo Lindenberg dank der «Granatentore von Bodo Ballermann» Deutschland mit dem goldenen Pokal nach Hause. Aber die meisten Politiker, Sportler und Künstler tippen nach einer dpa-Umfrage entweder auf die amtierenden Europameister oder die südamerikanischen Favoriten Argentinien und Brasilien. Nur wenige setzen auf Außenseiter wie etwa die Elfenbeinküste, dabei aber vor allem in der Hoffnung auf einen großen Wettgewinn.
«Ich würde mich freuen, wenn eine afrikanische Mannschaft im Finale steht», sagt TV-Moderator Reinhold Beckmann. «Als Weltmeister tippe ich dann aber doch eher auf Spanien.» Nach dem Ausfall des verletzten Michael Ballack «kann das junge deutsche Team befreit aufspielen und wird es bis ins Halbfinale schaffen.»
Von wegen Befreiung - für Politiker wie den Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen (CDU), oder Bahnchef Rüdiger Grube zählen altmodisch anmutende Fußballtugenden wie Disziplin und Zähigkeit auch im 21. Jahrhundert. «Die deutsche Mannschaft ist, wenn sie gefordert wird, immer stark und kann deshalb sehr weit kommen», weiß Carstensen, Grube pflichtet bei. «Wenn es darauf ankommt, ist auf die Jungs immer Verlass», sagt der Herr über die nicht immer zutreffenden Bahn-Fahrpläne.
Uwe Seeler lässt sich nicht beirren. «Weltmeister wird Deutschland», sagt der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft, fügt aber vorsichtshalber hinzu: «Das hoffe ich jedenfalls» und nennt dann Brasilien, Argentinien, Italien, Holland und Spanien als weitere Kandidaten.
Die Argentinier um Trainer Diego Maradona kommen bei den Umfragen gut weg. «Argentinien ist mein Favorit auf den Titel, weil sie die besten Spieler haben und Gott als Trainer. Die Deutschen können es ins Finale schaffen, wenn sie nicht vorher auf Argentinien treffen. Beide Teams im Finale, das wäre ein Traum», sagt Ex-Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar.
Die meisten Befragten sehen den Titel allerdings bei den Spaniern. «Sie sind eingespielt und spielen seit Jahren außerordentlich erfrischenden Fußball», sagt Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der sich über die deutschen Chancen skeptisch äußert. »Ich hoffe, dass Deutschland nach der Verletzungsmisere die Vorrunde gesund und munter übersteht. Dann gilt Beckenbauers alte Weisheit: Schaun mer ma.»
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ahnt auch einen spanischen Triumph, auch wenn sie dem «sympathischen, jungen und herzerfrischend offensiv spielenden Team von Jogi Löw» zutraut, mit etwas Glück ins Finale zu kommen.
Gleich «utopisch» nennt der frühere Werder-Manager und Sportbeauftragte der Vereinten Nationen, Willi Lemke, einen vierten WM-Titel für Deutschland, derweil sich der siebenfache Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher mit Unkenrufen zurückhält. «Natürlich drücke ich unserem Land die Daumen. Es ist aber sehr optimistisch zu sagen, dass es noch ein bisschen besser geht als in den vergangenen Meisterschaften und wir vielleicht das Finale gewinnen.»
Ein Herz für Außenseiter beweist der Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit von den Grünen. «Ich befürworte einen Sieger aus Afrika», sagte der einstige Anführer der 68er-Studentenbewegung. «Favorit ist am ehesten die Elfenbeinküste, auf die sind 150 Euro gewettet und weitere 50, dass sie im Finale auf Brasilien treffen.» Fritz Pleitgen, Chef der Kulturhauptstadt Ruhr 2010, sieht den Titel bereits in Orange: «Holland. Wegen Robben, Snijder und van Bommel. Deutschland kommt hoffentlich bis ins Halbfinale.»
Auch für TV-Moderator Elton kommen Holländer und Portugiesen in Frage - «weil sie den attraktivsten Fußball spielen. Deutschland? Mehr als das Viertelfinale wird schwer.»
Für den Philosophen Rüdiger Safranski stammt der künftige Weltmeister ganz sicher aus Südamerika. «Wenn man spürt, wie lebenswichtig den Menschen in Argentinien und Brasilien der Fußball ist, wünscht man ihnen den Erfolg. Deutschland hat kein schlechtes Team, kann mit dieser Spielkultur aber nicht mithalten.»
Mit solchen Finessen mag sich der Maler Neo Rauch erst gar nicht beschäftigen. Dem international renommierten Künstler dürften harte vier Wochen bevorstehen. «Fußball interessiert mich nicht die Bohne. Ich habe keine Ahnung.»
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