Seit 1986 war Ungarn nicht mehr bei einer WM-Endrunde, aber auch das Land des zweimaligen Vize-Weltmeisters hat seinen Star in Südafrika: Viktor Kassai. Der 34-Jährige steht als Schiedsrichter des Halbfinal-Schlagers Deutschland - Spanien vor seiner größter Bewährungsprobe.
Viktor Kassai zeigte dem Ghanaer Jonathan Mensah (r) die Gelbe Karte.
In der Heimat schauen alle mit Stolz auf den Unparteiischen. «Es lässt sich doch nicht sagen, dass der ungarische Fußball völlig bedeutungslos wäre. Wir laufen zwar nicht aufs Spielfeld, doch haben wir zumindest Referees von Weltruf. Schließlich ist nun ein Landsmann unter die besten Vier berufen worden, und ein derartig großes Match zugeteilt zu bekommen, bedeutet eine enorme Anerkennung», schreibt die auflagenstärkste Tageszeitung «Nepszabadsag».
1994 in den USA pfiff der Ungar Sandor Puhl das WM-Finale Brasilien gegen Italien (3:2 nach Elfmeterschießen), drei Jahre später das Champions-League-Finale Borussia Dortmund gegen Juventus Turin (3:1). Der 54-Jährige ist heute Mitglied der FIFA- Schiedsrichter-Kommission und lobt seinen Nachfolger im Internet- Portal «fn.hu»: «In seinen bisherigen drei Matches gab es keine einzige Situation, aufgrund derer man seine Leistung hätte kritisieren können.» Dass Kassai nun kein Kandidat mehr für das Endspiel ist, so Puhl, «hängt auch damit zusammen, dass er der jüngste Schiedsrichter dieser WM ist und noch mindestens zwei Weltmeisterschaften vor sich hat».
Kassai und seine Assistenten Gabor Eros und Tibor Vamos kamen in Südafrika bisher dreimal zum Einsatz: In den Vorrundenpartien Brasilien - Nordkorea (2:1) und Mexiko - Uruguay (0:1) sowie im Achtelfinale USA - Ghana (1:2 nach Verlängerung). Der langjährige ungarische Schiedsrichter-Chef Miklos Nagy sagte der Tageszeitung «Magyar Hirlap»: «Am stolzesten bin ich darauf, dass er bei diesen drei WM-Matches bis zum Ende unsichtbar blieb. Auch an meine Ohren drangen Stoßseufzer, möge er doch das Finale pfeifen. Aber das wäre ausgeschlossen gewesen. Vergessen Sie nicht, Viktor ist erst 34 Jahre alt, und das ist seine erste WM.»
Für die DFB-Elf ist der in Tatabanya geborene Tourismus-Manager, der auch Deutsch spricht, kein Unbekannter: Kassai leitete am 10. September 2008 das Qualifikationsspiel der DFB-Elf in Finnland (3:3). Seit 2003 steht er auf der Liste der FIFA-Schiedsrichter, 2004 pfiff er sein erstes Länderspiel (Slowakei - Luxemburg). Bei der EM 2008 war Kassai noch «Lehrling» als vierter Offizieller.
Doch noch im gleichen Jahr kam Kassai, der mit 15 Jahren erstmals als Referee auf dem Platz stand, ganz groß raus: Da leitete er bei den Olympischen Spielen in Peking das Endspiel zwischen Argentinien und Nigeria. Inzwischen kann er auf die Erfahrung von 153 Begegnungen in der ungarischen Nationalliga und neun in der Champions League verweisen. Sein Vater und Bruder werden am 7. Juli besonders stolz auf Viktor Kassai sein - und ihm genau auf die Finger schauen: Die beiden sind ebenfalls Schiedsrichter.
Nach drei Wochen Public Viewing und dem stimmungsvollen Finale zum Abschluss hat die Stadt Frankfurt ein positives WM-Fazit gezogen. Wermutstropfen: Statt der erhofften 1 bis 1,5 Millionen Besucher strömten lediglich rund 450 000 Menschen auf Deutschlands größte Fanmeile. mehr
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