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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   01.07.2010, 06:00 Schriftgröße: AAA

Schweinsteigers Verbalattacke: "So ist er halt, der Argentinier"

Es ist nicht gerade freundlich, was Bastian Schweinsteiger derzeit über den Viertelfinalgegner Argentinien verbreitet. Doch was nach pubertärem Gebaren klingt, ist wohlüberlegt. von Axel Kintzinger, Centurion
In der Welt des Bastian Schweinsteiger gibt es zwei Sorten von Argentiniern. Die einen sind die guten und heißen Martín Demichelis oder Juan Verón. Sie sind gut, weil sie wie Schweinsteiger beim FC Bayern spielen (Demichelis) oder wie Schweinsteiger auf der sogenannten Sechserposition (Verón). Alle anderen sind respektlos, hinterhältig und brutale Treter. "So ist er halt, der Argentinier", sagte Schweinsteiger am Mittwoch und wiederholte diese, nun ja, These gleich mehrere Male.
Bastian Schweinsteiger schießt sich auf die Argentinier ein.   Bastian Schweinsteiger schießt sich auf die Argentinier ein.
Ähnlich hatte er sich zuvor im Magazin "Stern" geäußert: "Einige der Argentinier sind damals mir gegenüber handgreiflich geworden", erinnerte er an die Keilerei nach dem Viertelfinalsieg bei der WM 2006. "Argentinien ist sicher nicht eine der fairsten Mannschaften. Sie fordern Gelbe Karten, wenn sie gefoult werden, und wenn sie selbst Foul spielen, dann beschweren sie sich auch noch beim Schiedsrichter, weil der gefoulte Spieler am Boden aus ihrer Sicht nur simuliert."
Es kommt selten vor, dass einer noch offene Rechnungen zu begleichen hat, obwohl er als Sieger vom Platz gegangen ist. Erst recht nicht, wenn seitdem vier Jahre vergangen sind. Fragt sich also: Was bezweckt Schweinsteiger mit den Tiraden? Will er die Argentinier derart provozieren, dass sie um sich treten und sich Gelbe und Rote Karten einfangen? Oder war ihm das freundlich-höfliche Getue zu viel, das Joachim Löw unmittelbar vor Schweinsteigers Auftritt über die Argentinier verbreitet hatte? Eine "starke Defensive und eine überragende Offensive" attestierte er ihnen, Schwachpunkte seien "kaum auszumachen".
Und als sei das der Nettigkeiten nicht genug, hatte Löw zuvor in einem Interview formuliert, was er von der eigenen Elf erwartet: "Respektvollen Umgang miteinander, Bescheidenheit, Toleranz, Kommunikation, auch die Auseinandersetzung mit Kritik." Teamkollege Müller verzeiht Argentiniens Nationaltrainer Diego Maradona obendrein sogar, dass der ihn beim Freundschaftsspiel im März mit einem Balljungen verwechselt hatte. Alles viel zu brav vor so einem wichtigen Spiel - das ist es wohl, was Schweinsteiger mit seinen rüden Worten dem deutschen Team mitgeben wollte.
Das Viertelfinale 2006 hatte Müller als Teenager auf einer Fanmeile erlebt. Für das Spiel am Samstag zeigt er sich optimistisch. Vielleicht weil sein Gegenspieler Gabriel Heinze heißen wird. Der 32-Jährige läuft die 100 Meter in gefühlt 18 Sekunden und wäre damit ein passendes Opfer für den 20-jährigen, schnellen Müller.
Schnelligkeit ist ohnehin ein Merkmal der deutschen Elf und hat sich, wie Löw betont, auch schon im Achtelfinale ausgezahlt. Gefragt, warum die Engländer trotz ihrer schwierigen Lage so wenige Fouls begangen hatten, antwortete der Bundestrainer: "Weil unsere Spieler zu schnell für sie waren." Das war auch nicht furchtbar korrekt, aber den Engländern wird es egal sein - sie haben andere Probleme.
Im deutschen Lager muss man die Probleme dagegen mit der Lupe suchen. Mit gutem Willen stößt man dann auf Meinungsverschiedenheiten zwischen Löw und Co-Trainer Hans-Dieter Flick, von denen Löw am Mittwoch berichtete. Meist gehe es dabei um Standards. Die deutsche Elf hat bei Freistößen und Ecken bislang keine Gefahr entfaltet, aber der Streit der beiden Trainern dreht sich eher darum, ob das 1:0 gegen England nun einer Standardsituation entsprang oder nicht. Flick findet: ja. Abstoß Neuer, Tor Klose, klarer Fall. Ins Gelächter hinein kündigte Löw dann noch an, man werde bis zum Spiel noch an den Freistoßvarianten feilen, "das ist bisher etwas auf der Strecke geblieben".
Bei den Deutschen herrscht also auch drei Tage nach dem Triumph über England noch eitel Sonnenschein, und die Freude wird ja noch größer. Für Samstag hat neben dem verletzten, eigentlichen Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack auch Kanzlerin Angela Merkel ihr Kommen angekündigt. "Wir alle sind Fans von ihr", verriet Löw, weil Merkel bei ihren Besuchen stets für gute Laune gesorgt hätte. Für Frauen scheint es einfach, die Herzen der Nationalspieler zu öffnen. Dem kolumbianischen Popstar Shakira ist das sogar im Flug gelungen. Sie hatte die Reise nach Südafrika mit dem Team in derselben Maschine angetreten und war mit einigen Kickern ins Gespräch gekommen. "Jetzt sind wir auch Fans von Shakira", grinste Löw. An diesem Punkt würde ihm nicht einmal Bastian Schweinsteiger widersprechen.
  • Aus der FTD vom 01.07.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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