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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   26.06.2010, 23:20 Schriftgröße: AAA

Verletzungssorgen: Keine Entwarnung für Schweinsteiger und Boateng

Das Verletzungspech verfolgt Bundestrainer Löw auch in Südafrika: Cacau fällt gegen England definitiv aus. Auch Schweinsteiger und Boateng sind noch nicht wieder fit. So könnte es das Spiel des Toni Kroos werden.
Cacau fällt aus, das Bangen um Bastian Schweinsteiger geht weiter - doch das Ziel bleibt ein Husarenstück gegen den Erzrivalen England. Trotz der personellen Sorgen geht die schwarz-rot-goldene Fußball-Nationalmannschaft voller Tatendrang und Zuversicht in das ganz besondere WM-Achtelfinale an diesem Sonntag in Bloemfontein. "Alle Spieler sind heiß zu spielen. Das ist eine große Herausforderung", erklärte Kapitän Philipp Lahm vor der 32. Auflage des Klassikers gegen die "Three Lions". Meistert das DFB-Team diese hohe Hürde, könnte im WM-Viertelfinale in Argentinien ein weiterer heißer Turnier-Favorit warten.
Englische WM-Mannschaft Das ist der Gegner!
Keine Tore schießen kann Cacau. Der 29-jährige Angreifer hatte sich im Training eine Bauchmuskelzerrung zugezogen, die einen Einsatz unmöglich macht. "Er kann nicht dabei sein", berichtete Teammanager Oliver Bierhoff am Samstag. "Wir sind aber zuversichtlich, dass er im übernächsten Spiel wieder dabei ist", ergänzte der Manager und machte damit die optimistische Stimmung im jungen deutschen Team deutlich.
Auf Cacau (2.v.l.) muss Joachim Löw gegen England verzichten   Auf Cacau (2.v.l.) muss Joachim Löw gegen England verzichten
England ist "ein bisschen favorisiert"
Zwar gehe England "ein bisschen favorisiert" in das Duell der beiden Fußball-Traditionsnationen, sagte Bierhoff und verwies auf die größere Erfahrung der Terry, Lampard, Gerrard und Rooney. "Das kann vielleicht ein bisschen helfen." Aber letztlich wolle die Mannschaft natürlich gewinnen, bei einem K.o. wäre ein ganz großes Ziel verfehlt. "Sie geht nicht entspannter ins Spiel, weil sie sagt, im Achtelfinale gegen England kann man ausscheiden", machte der Teammanager vor seinem möglicherweise letztem Länderspiel in dieser Funktion deutlich. Denn wie bei Bundestrainer Joachim Löw ist auch bei Bierhoff die berufliche Zukunft nach einem WM-Ausscheiden offen.
Ob Bastian Schweinsteiger und Jérôme Boateng gegen England mit in das Geschehen eingreifen können, wird sich erst kurz vor dem Spiel entscheiden. Beide Akteure nahmen zwar am Samstag am Abschlusstraining auf dem Platz der Technischen Universiät von Bloemfontein teil, absolvierten aber wegen ihrer muskulären Probleme nur ein "reduziertes Programm", wie Torwart-Coach Andreas Köpke anschließend in Vertretung von Löw auf der offiziellen FIFA-Pressekonferenz berichtete.
"Wir werden definitiv erst relativ kurz vor dem Spiel sehen können, ob sie dabei sind", sagte Köpke. Die Entscheidung über einen Einsatz werde Löw nach Rücksprache mit den Ärzten und nach "einem weiteren Test" am Spieltag treffen. "Beide müssen schon hundert Prozent fit sein", betonte Köpke. Auf die Ersatzlösungen habe man sich noch nicht festgelegt: "Wir haben gute Alternativen, denn die Jungs, die hinten dran sind, haben super trainiert." Der 20 Jahre junge Toni Kroos gilt als erster Schweinsteiger-Vertreter. Marcell Jansen wird für Boateng als linker Verteidiger erwartet.
Nach seiner Auswechslung spricht Bastian Schweinsteiger (r.) mit ...   Nach seiner Auswechslung spricht Bastian Schweinsteiger (r.) mit Teamarzt Müller-Wohlfahrt
Es könnte das Spiel des Toni Kroos werden
Es sei ein Kampf um "Herz" und "Motor". Mit diesen zwei Worten beschrieb Löw die große Bedeutung von Bastian Schweinsteiger für das deutsche WM-Team. Darum versucht die medizinische Abteilung der Fußball-Nationalmannschaft um Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit einer Rund-um-die-Uhr-Behandlung alles, um den Münchner für den Achtelfinal-Knüller gegen England fit zu kriegen. "Wir hoffen, dass es klappt", sagte Teammanager Oliver Bierhoff am Samstag in einer Mischung aus Skepsis und Zuversicht.
Es wird ein Wettlauf mit der Zeit, der bis kurz vor dem Anpfiff am Sonntagnachmittag im Free State Stadium von Bloemfontein anhalten wird. Eine Muskelverhärtung im rechten Oberschenkel ist das Problem. Am Freitag war der Münchner unter ärztlicher Beobachtung ein wenig gelaufen. Beim Abschlusstraining am Samstag stand Schweinsteiger zwar auf dem Rasen des Platzes der Technischen Universität von Bloemfontein, absolvierte aber nur ein reduziertes Programm.
Großes Spezial zur Fußball-WM
Löw machte deutlich, dass das Team Spieler brauche, die "alles in dieses Spiel investieren können". Das gilt besonders für Schweinsteigers Position. Er ist im zentralen Mittelfeld Dreh- und Angelpunkt des deutschen Spiels. Er ist das wichtigste Bindeglied zwischen Defensive und Offensive. Keiner in der DFB-Elf hat mehr Ballkontakte. Schweinsteiger spielt die langen, öffnenden Pässe auf die Flügel, er ist verantwortlich für Ordnung in den eigenen Reihen. Und er braucht die absolute Fitness, um in den erwarteten Chef-Duellen mit den englischen Alphatieren Paul Lampard und Steven Gerrard Präsenz zu zeigen.
"Ich muss auch viel defensiv arbeiten", sagte Schweinsteiger selbst. "Ballgewinn", lobte Löw, sei eine der ganz großen Stärken des Münchners. Wenn es nicht reichen sollte, hat Löw ein kapitales Problem. "Der Trainer hat noch keine feste Alternative im Kopf", sagte Bierhoff. Die Doppel-Sechs mit Toni Kroos (20) und Sami Khedira (23) hatte der Bundestrainer beim WM-Test gegen Ungarn (3:1) 45 Minuten geprobt, extrem riskant wäre sie gegen England trotzdem.
Er würde einem Kroos durchaus sein "Vertrauen schenken", sagte Löw. Der Bayern-Rückkehrer ersetzte Schweinsteiger bereits beim 1:0 gegen Ghana in der Schlussphase. "Wenn Schweini nicht fit wird, bin ich da", erklärte Turnierneuling Kroos selbstbewusst. Die Stärken des Youngsters liegen eindeutig im Offensivbereich, als "großen Grätscher" sieht er sich selbst nicht. "Er hat technisch viele Möglichkeiten", sagte auch Löw über die spielerischen Qualitäten.
  • dpa, 26.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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