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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   20.06.2010, 14:33 Schriftgröße: AAA

Planlose Polizisten: Pinkel-Posse entlarvt WM-Sicherheitslücken

Die verzweifelte Suche eines englischen Fans nach einer Toilette hat gravierende Lücken im WM-Sicherheitskonzepts offenbart. Alle versuchen, den Vorfall herunterzuspielen. Doch den Beteuerungen der WM-Macher zum Trotz bleiben große Bedenken.
Prinz William beliebte zu Scherzen, King David beruhigte die Gemüter: Die peinliche Panne in Kapstadts WM-Stadion ist zur Pinkel-Posse geworden. Die gravierenden Lücken im Sicherheitskonzept bestehen aber weiter und bringen Südafrikas Turnierorganisatoren in immer größere Erklärungsnot. Auch zwei Tage nach dem Vordringen des nach einer Toilette suchenden Fußball-Fans Pavlos Joseph in die Umkleidekabine des englischen Nationalteams hatten Fifa und WM-Organisatoren keine plausible Begründung für den unglaublichen und in der WM-Geschichte einmaligen Zwischenfall parat.
Seit die WM-Ordner streiken, ist die Polizei für die Sicherheit im ...   Seit die WM-Ordner streiken, ist die Polizei für die Sicherheit im Stadion zuständig
"Der Fall wird untersucht. Die Sicherheitsvorkehrungen werden verstärkt. Es ist nicht akzeptabel, dass ein Fan in eine Kabine vordringen kann", sagte FIFA-Mediendirektor Nicolas Maingot. OK- Sprecher Rich Mkhondo hatte auch nicht mehr zu bieten als seinen seit Tagen wiederholten Standardsatz zu Sicherheitsfragen: "Die Polizei ist für diese Themen zuständig." Die kurzfristig für streikende WM-Ordner eingesprungenen staatlichen Sicherheitskräfte sind mit ihrer neuen Aufgabe aber offenbar völlig überfordert. Ein klares Konzept ist nicht zu erkennen. Viele Sicherheitsvorkehrungen - nicht nur in Kapstadt - beruhen auf Zufall und gelegentlich sogar auf Willkür.
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Was zunächst nach einem gefährlichen Fan-Angriff aussah, entwickelte sich im Laufe des Wochenendes zum Glück zu einer humoresken Geschichte mit Kult-Potenzial. England-Fan Joseph musste Wasserlassen. Kein Stadionordner konnte ihm den Weg weisen, und so marschierte der Anlageberater aus London schnurstracks und unfreiwillig in Englands heilige Teamkabine. "Plötzlich stand ich in der Umkleide und hatte David Beckham vor mir", sagte der 32-Jährige der Zeitung "Sunday Mirror". Ich konnte gar nicht glauben, wo ich war", sagte Joseph.
Superstar Beckham versuchte die Story herunterzuspielen. "Offensichtlich wurde es übertrieben dargestellt", sagte er der britischen Rundfunkanstalt BBC. "Der Fan ist einfach hereinspaziert, hat 'Hallo' gesagt und ist wieder gegangen - es gab keinen Streit, es gab keine Aggression", sagte Becks. Prinz William, der die Kabine des Fußball-Nationalteams nach dem Algerien-Spiel mit seinem Bruder Harry am Freitagabend kurz vor dem unerlaubten "Besuch" des Fans verlassen hatte, zeigte sogar britischen Humor. "Harry und ich haben die Tür offen gelassen. Deswegen ist es passiert. Es war unser Fehler."
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Die verbale Relativierung von Seiten der Engländer könnte aber auch ein Selbstschutz sein. Noch sind die Zeiten nicht vergessen, in denen gewalttätige Fans von der Insel den Ruf des Fußball-Mutterlandes ruinierten. In Südafrika spielen Hooligans keine Rolle. Die Gewalttäter aus Europa scheuen eine Reise ans Kap. Südafrikanische Fans treten rund um die Spiele fröhlich und friedlich auf. Eine Debatte über aggressive Fußballfans würde der englischen WM-Bewerbung für 2018 massiv schaden.
Englands Mittelfeldspieler Joe Cole sei direkt neben ihm nackt aus der Dusche gekommen, dann habe Beckham den Eindringling bemerkt, berichtete der durch seinen Irr-Lauf zu Berühmtheit gelangte Joseph: "Seine Gesichtszüge entgleisten." Der verletzte Beckham, der die "Three Lions" beim Turnier begleitet, habe ihn gefragt: "He, wer bist Du denn?" Josephs Antwort: "Ich bin Pavlos, und ich muss auf Toilette." Ein Offizieller des Weltverbandes FIFA habe ihn aus der Kabine geführt.
Die Panne wirft ein unglaublich schlechtes Licht auf das in dieser Woche geänderte Sicherheitskonzept. Durch den Streik der privaten Wachmänner hat die Polizei die Kontrollen in den Stadien übernommen. Trotz großer öffentlicher Bedenken hatte das Organisationskomitee versichert, dass die Sicherheit absolut gewährleistet sei. Den Praxistest bestanden die Ordnungshüter nicht.
"Kein Security-Mitarbeiter hat mich irgendwo gefragt, kontrolliert oder gar versucht, mich festzunehmen", berichtete Joseph. "Ich glaube nicht, dass ich irgendwas falsch gemacht habe", sagte er. Für das entscheidende Gruppenspiel der Engländer gegen Slowenien am Mittwoch in Port Elizabeth hat er schon ein Ticket.
  • dpa, 20.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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