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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   11.06.2010, 08:00 Schriftgröße: AAA

Deutschlands WM-Gegner im Wirtschaftstest: Australien - Wichtig ist aufm Platz

Vor den Spielen Deutschlands checkt die FTD, wie gefährlich unsere Gegner sind. Wo liegen wirtschaftliche Stärken und Schwächen? Zum Start der mindestens dreiteiligen Serie: Australien. von Mathias Ohanian, Berlin
Nachdem Australien als einziges Industrieland ohne Rezession durch die Finanzkrise gekommen ist, dürfte die Wirtschaft des Landes auch künftig kräftig wachsen. Zwar stieg die Arbeitslosenquote in der Krise zeitweilig an. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des ersten Gegners bei der Weltmeisterschaft schrumpfte hingegen nur in einem Quartal, nämlich Ende 2008 um 0,8 Prozent.
Eisenerzabbau in Australien   Eisenerzabbau in Australien
Nach rein ökonomischen Gesichtspunkten dürfte Deutschland gegenüber Australien wohl das Nachsehen haben. Allein im vergangenen Jahr ist die hiesige Wirtschaft bekanntlich um 4,9 Prozent eingebrochen.
Australien hingegen konnte eine Rezession mit einem üppigen Fiskalpaket in Höhe von 5,4 Prozent vom BIP verhindern. Daran gemessen war es der drittgrößte Stimulus in allen OECD-Ländern. Laut Experten haben die Konjunkturhilfen, die vor allem in Bauprojekte flossen, rund zwei Prozentpunkte zum Wachstum in 2009 beigetragen. Insgesamt wuchs die Wirtschaft um 1,4 Prozent. Gelitten hat darunter der Staatshaushalt: War der Saldo vor der Krise noch positiv, wies er 2009 ein Minus von vier Prozent aus.
Flankiert wurde die Regierung von der Zentralbank. Diese senkte die Leitzinsen bis April 2009 in schnellen Schritten um 4,25 Punkte auf drei Prozent - ein gutes Zusammenspiel also zwischen diesen beiden Entscheidungsträgern. Zum Vergleich: Die Europäische Zentralbank erhöhte noch im Sommer 2008 die Zinsen und forcierte damit das Tempo des sich seinerzeit bereits abzeichnenden Abschwungs.
Geholfen hat Australien in der Krise freilich auch die geografische Nähe zu Asien. "Australiens Rohstoffexporte nach China waren wichtig, um das Wachstum aufrechtzuerhalten", sagte Robert Brooker von der National Australia Bank (NAB). Rund drei Viertel aller Exporte gehen nach Asien. "Daher profitiert Australien stark, wenn die Wirtschaft dort wächst", sagte Rachael Logie, Ökonomin bei der Researchfirma BIS Shrapnel in Sydney.
Ein weiteres Plus: Die australischen Banken gelten im Gegensatz zu ihren amerikanischen Pendants als höher kapitalisiert und besser reguliert. "Eine Kreditklemme wurde vermieden", sagte Katie Dean, leitende Ökonomin bei der australischen ANZ Bank.
Als es überall sonst schon abwärtsging, boomte die australische Wirtschaft. Der Arbeitsmarkt bewegte sich Richtung Vollbeschäftigung. Die Arbeitslosenquote lag Anfang 2008 bei 3,9 Prozent. "Die Quote war auf Niveaus, die das Land 30 Jahre nicht mehr gesehen hat", sagte Brooker.
Doch während der deutsche Arbeitsmarkt in der Krise kaum Schaden nahm, stieg die australische Arbeitslosenquote bis Sommer 2009 um satte 40 Prozent auf 5,9 Prozent. Das ist zwar immer noch weniger als hierzulande. Seinerzeit entsprach die Quote aber der höchsten der vergangenen sechs Jahre. Aktuell liegt sie nur noch bei 5,2 Prozent, wie die australische Regierung am Donnerstag mitteilte. "Es ist beeindruckend, wie beständig der Jobaufbau ist", sagte Brian Redican, Ökonom von Macquarie. So dürften auch Einkommen und Konsum künftig zulegen - und damit den Druck auf die Zentralbank erhöhen. Sie reagierte bereits und hob die Leitzinsen als erstes Industrieland nach der Krise wieder an: um 1,5 Punkte auf 4,5 Prozent.
Auch wenn die australische Wirtschaft konjunkturell vielleicht besser aufgestellt ist, dürften die Socceroos am Sonntag dennoch nicht gegen Deutschland gewinnen. So prognostiziert es zumindest ein Regressionsmodell der Danske Bank. Anhand von Faktoren wie Einkommensniveau, Einwohnerzahl und Fußballhistorie kommt die Bank bei ihren Berechnungen zu dem Schluss, dass Deutschland am Ende den Fußballplatz als Sieger verlassen wird.
  • Aus der FTD vom 11.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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