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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   25.06.2010, 16:28 Schriftgröße: AAA

Interview mit Marcell Jansen: "Wayne Rooney - das ist schon Wahnsinn"

Gegen Ghana löste er Boateng ab - und überzeugte. Jetzt hat Marcell Jansen gute Chancen, gegen England in der Startelf zu stehen. Der Verteidiger über das Duell mit dem "alten Feind" - und warum er gerade in kritischen Spielen wichtig ist. von Axel Kintzinger
Frage: Herr Jansen, was muss ein moderner Außenverteidiger heute mitbringen, um bei einer WM zu bestehen?
Jansen: Auf dieser Position hat sich in den vergangenen Jahren viel getan, vor allem im Spiel nach vorne. Wenn eine Mannschaft es schafft, sehr ballsicher zu spielen, bieten sich hinter der Mittellinie oft Räume, in denen man als Außenverteidiger - ob links oder rechts - die Offensive unterstützen kann. Und dann ist zuletzt das Zusammenspiel zwischen dem Außenverteidiger und dem vor ihm postierten Mittelfeldspieler immer wichtiger geworden. Auch in der Defensive, um diese Seite dann gut zu verteidigen. In Hamburg haben Dennis Aogo und ich das zuletzt sehr gut gemacht. Viel zu oft wird nur vorne geguckt und gefragt: Wer schießt da die Tore? Das aber ist im heutigen Fußball auf hohem Niveau gar nicht mehr so interessant. Viel wichtiger ist: Wie kompakt ist eine Seite? Und da gehören immer zwei zu, auf beiden Seiten. Wenn die Räume zu groß werden, wird es immer schwierig. Wenn gute Stürmer zu viel Platz bekommen, kann man als Außenverteidiger schnell blöd aussehen. Ansonsten muss der eine Außenverteidiger natürlich immer schauen, was der andere macht. Wenn der mit nach vorne geht, musst du halt hinten absichern, zu dritt plus einem Sechser.
Trainer Joachim Löw (l) und Marcell Jansen im Training der ...   Trainer Joachim Löw (l) und Marcell Jansen im Training der Nationalmannschaft
Frage: Das ist überall gleich?
Marcell Jansen: Nein, das ist extrem abhängig von der jeweiligen Spielauffassung. In Mönchengladbach etwa konnte ich die Position viel offensiver ausfüllen als bei Bayern München. Das lag daran, dass ich in Gladbach immer Dampf machen musste, damit auch über die Seite etwas nach vorne geht - und gleichzeitig sollte ich hinten am besten auch noch alles wegräumen. In München hatten wir mehr hinten zu tun, damit der Offensive, die wir damals hatten, der Rücken freigehalten werden konnte.
Frage: Was gefällt Ihnen am besten?
Jansen: Am wohlsten fühle ich mich natürlich, wenn ich mich nach vorne einbringen kann. Das ist ja auch meine Spielweise. Wenn es die Situation erlaubt, aus einer guten Ordnung heraus mit nach vorne zu marschieren, dann werde ich das machen. Dann hält mich nichts mehr hinten. Das ist es doch, was einen guten Außenverteidiger ausmacht. Wenn der Gegner allerdings mit drei Stürmern antritt, bedeutet das für die Außenverteidiger ein eher defensives Spiel - es sei denn, deine Mannschaft ist so überlegen, dass der Stürmer eher dir folgen muss als umgekehrt.
Frage: Wenn Sie für Joachim Löw ein Bewerbungsschreiben aufsetzen müssten. Was spricht für Sie?
Jansen: Ich würde gar nichts sagen, aber ich habe in den vergangenen Jahren ja auf beiden Positionen gespielt: defensiv und im Mittelfeld, mit unterschiedlichen Erfahrungen in der Nationalelf. Bei der EM habe ich gegen Kroatien einen Bock geschossen, das wurde an die ganz große Glocke gehängt, obwohl wir in diesem Spiel insgesamt schwach waren. Aber im Finale habe ich eine Halbzeit lang gegen Spanien gut gespielt, das hat jedoch niemanden interessiert. In Traditionsvereinen wie Gladbach und Bayern habe ich links hinten gespielt, in Hamburg oft auch mehr offensiv. Zuletzt habe ich leider zwei oder drei Monate nie 90 Minuten spielen können. Aber dann habe ich mich hier im Training so aufgedrängt, dass ich wohl einen recht positiven Eindruck hinterlassen habe. Die Entscheidung fällt dem Trainer natürlich dennoch schwer - denn ich bin nicht mit normalen Voraussetzungen angereist. Aber wenn man keine Schmerzen mehr hat, ist man natürlich nicht zufrieden, nur auf der Bank zu sitzen, da will ich mich schon aufdrängen. Das ist mein sportlicher Ehrgeiz. Ich bin bereit, auf beiden Positionen zu spielen. Und es könnte ja gut sein, dass ich am Spiel gegen England wieder teilnehmen werde. Es macht mich auch stolz, dass man gemerkt hat, in kritischen Spielen bin ich ein Thema.
Frage: Es heißt, bei Ihnen sei eine hundertprozentige Fitness unabdingbar, um die geforderte Leistung zu zeigen.
Jansen: Jeder Spieler ist am besten, wenn er hundertprozentig fit ist. Aber ich weiß, was damit gemeint ist - nämlich, dass ich schon einige Unfälle hatte, wegen denen ich länger ausgefallen bin. Das waren ja nie Verletzungen, die ich mir wegen unprofessioneller Lebensweise zugezogen hätte, sondern, weil mich einer umgelegt hat oder ich umgeknickt bin. Da kann man so viel Gemüse essen wie man will, so etwas passiert. Ich kam also nie in die Situation vieler anderer Fußballer, die sagen können: Ich bin da, ich bin fit. Ich musste mich immer herankämpfen und weiß, was es bedeutet, bis ich sagen kann: Ich bin fit, ich fühle mich gut.
Frage: Wie wichtig sind dabei Ihre Laktose-Intoleranz und das Gluten-Problem?
Jansen: Das war nur ein Baustein des Problems, aber kein großer. Und wir haben das in den Griff bekommen. Ich esse hier in Südafrika auch nur laktose- und glutenfreie Speisen. Der wichtigste Baustein waren die Verletzungen, die jetzt aber vollständig auskuriert sind. Ich bin richtig gesund und glücklich deshalb.

Teil 2: Fürchten muss man keinen

  • FTD.de, 25.06.2010
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