Trainer Joachim Löw (l) und Marcell Jansen im Training der Nationalmannschaft
Frage: Das ist überall gleich?
Marcell Jansen: Nein, das ist extrem abhängig von der jeweiligen Spielauffassung. In Mönchengladbach etwa konnte ich die Position viel offensiver ausfüllen als bei Bayern München. Das lag daran, dass ich in Gladbach immer Dampf machen musste, damit auch über die Seite etwas nach vorne geht - und gleichzeitig sollte ich hinten am besten auch noch alles wegräumen. In München hatten wir mehr hinten zu tun, damit der Offensive, die wir damals hatten, der Rücken freigehalten werden konnte.
Frage: Was gefällt Ihnen am besten?
Jansen: Am wohlsten fühle ich mich natürlich, wenn ich mich nach vorne einbringen kann. Das ist ja auch meine Spielweise. Wenn es die Situation erlaubt, aus einer guten Ordnung heraus mit nach vorne zu marschieren, dann werde ich das machen. Dann hält mich nichts mehr hinten. Das ist es doch, was einen guten Außenverteidiger ausmacht. Wenn der Gegner allerdings mit drei Stürmern antritt, bedeutet das für die Außenverteidiger ein eher defensives Spiel - es sei denn, deine Mannschaft ist so überlegen, dass der Stürmer eher dir folgen muss als umgekehrt.
Frage: Wenn Sie für Joachim Löw ein Bewerbungsschreiben aufsetzen müssten. Was spricht für Sie?
Jansen: Ich würde gar nichts sagen, aber ich habe in den vergangenen Jahren ja auf beiden Positionen gespielt: defensiv und im Mittelfeld, mit unterschiedlichen Erfahrungen in der Nationalelf. Bei der EM habe ich gegen Kroatien einen Bock geschossen, das wurde an die ganz große Glocke gehängt, obwohl wir in diesem Spiel insgesamt schwach waren. Aber im Finale habe ich eine Halbzeit lang gegen Spanien gut gespielt, das hat jedoch niemanden interessiert. In Traditionsvereinen wie Gladbach und Bayern habe ich links hinten gespielt, in Hamburg oft auch mehr offensiv. Zuletzt habe ich leider zwei oder drei Monate nie 90 Minuten spielen können. Aber dann habe ich mich hier im Training so aufgedrängt, dass ich wohl einen recht positiven Eindruck hinterlassen habe. Die Entscheidung fällt dem Trainer natürlich dennoch schwer - denn ich bin nicht mit normalen Voraussetzungen angereist. Aber wenn man keine Schmerzen mehr hat, ist man natürlich nicht zufrieden, nur auf der Bank zu sitzen, da will ich mich schon aufdrängen. Das ist mein sportlicher Ehrgeiz. Ich bin bereit, auf beiden Positionen zu spielen. Und es könnte ja gut sein, dass ich am Spiel gegen England wieder teilnehmen werde. Es macht mich auch stolz, dass man gemerkt hat, in kritischen Spielen bin ich ein Thema.