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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

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Merken   Drucken   12.07.2010, 18:50 Schriftgröße: AAA

Vizeweltmeister: Der liegende Holländer

Die Niederlage im dritten Finale stürzt die Niederlande in ein tiefes Fußballtrauma: Oranje trägt Trauer. Ein Sündenbock wurde gesucht und im englischen Schiedsrichter gefunden.
© Bild: 2010 reuters
Die Niederlage im dritten Finale stürzt die Niederlande in ein tiefes Fußballtrauma: Oranje trägt Trauer. Ein Sündenbock wurde gesucht und im englischen Schiedsrichter gefunden. von Michael Kölmel, Johannesburg
Trauer kennt kein Muster: Eljero Elia liegt weinend am Boden. Er bebt. Robin van Persie steht. Unbeweglich. Mark van Bommel und Wesley Sneijder bestürmen Referee Howard Webb. Als ließe sich das Drama so abwenden. Bert van Marwijk nimmt einige in den Arm. Dann wandelt er mit Tränen in den Augen planlos umher.
Leid kennt kein Allheilmittel. Meist muss ein Schuldiger her - ob berechtigt oder nicht. Natürlich hatte Schiedsrichter Howard Webb Anteil an Andrés Iniestas Treffer in der 116. Minute, der zu Hollands dritter WM-Niederlage führte. Er gab Abstoß statt Eckball und ahndete dann das Foul nicht, bei dem Sergio Ramos und Cesc Fàbregas Elia den Weg zum Tor verschlossen. 25 Sekunden später traf Iniesta zum Siegtreffer - und damit Holland direkt ins Herz.
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Aber Schuld? Die Niederländer waren es, die im Verlangen, ihre tragische Geschichte umzuschreiben, die Grenzen zur Körperverletzung überschritten. John Heitinga war nicht der Einzige, der sich so einsetzte, dass er Gelb-Rot verdiente. Van Bommel war mit eindreiviertel Beinen in der Dusche, Nigel de Jong hätte für seinen Tritt gegen Xabi Alonsos Brust (28.) verbannt werden müssen. 8:5 Gelbe für Holland, dazu die Gelb-Rote. In ihrem Schmerz verschlossen sie sich jedoch der Realität: "Das ist eine Schande für den Sport", ätzte Sneijder. "Der Schiedsrichter hat eine schlechte Rolle gespielt." Oder: "Das war ein Weltklasse-Finale, da muss auch ein Weltklasse-Schiedsrichter pfeifen", meinte Arjen Robben. "Er hat sehr viele Fehler gemacht, die uns benachteiligt haben. Das hat jeder gesehen", behauptete van Bommel.
Wer will, kann es so abhaken: Das bessere, fairere Team hat gewonnen. Ein kalter, unhistorischer Blick. Das Motto der 19. Weltmeisterschaft war: Once in a lifetime. Dieses Bewusstsein, die Angst, wieder zu versagen, steckte den Holländern in den Leibern. "Die WM geht für die Niederlande in die Geschichte ein als das dritte Fußballtrauma", schreibt der "Telegraaf". Oranje hat jetzt als erstes Team dreimal ein Finale verloren. Als Einzige starben sie zweimal erst in der Verlängerung. Es fehlt nur noch ein Scheitern im Elfmeterschießen.
2010 waren sie näher dran als Johan Cruyff 1974 oder Ernst Happels Elftal 1978. Sie bändigten die Spanier besser als Deutschland im Halbfinale. Robben hatte zwei erstklassige Konterchancen. In 100 Spielen macht er daraus 40-mal zwei Tore, 59-mal eines. Aber in dieser einen Nacht - keines: "Ich habe keine Entschuldigungen dafür." Bei der Ehrung zum Vizeweltmeister nahm Kapitän Giovanni van Bronckhorst dann als erster die Medaille entgegen. Melancholie auf Beinen. Van Marwijk steckte das Stück Metall sofort weg. "Wir hätten fast mit zehn Mann das Elfmeterschießen erreicht, aber die bessere Mannschaft hat gewonnen", sagte er. Mit Anstand blieben die Holländer zur Pokalübergabe. Einzig dem Foto für den Zweiten verweigerten sie sich.
Was bleibt den Holländern? Van Marwijks Vertrag läuft bis 2012. Er verfügt jedoch über eine Ausstiegsklausel. Das Angebot eines Topklubs soll ihm bereits vorliegen. Ohnehin werden ihn jetzt Debatten über seinen deutschen Stabilitätsfußball, die Doppelsechs, den Ein-Mann-Sturm treffen. Die Saat für neuen Streit ist gestreut. Auch eine Art, um Trauer zu bewältigen.
  • Aus der FTD vom 13.07.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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