Capellos Englisch sei ja leider "nicht so gut", erzählte Terry, außerdem würde der Coach viel schreien - "nicht immer, aber in neun von zehn Fällen". Im Anschluss an den spielerischen Totalausfall in Kapstadt hätten Team und Coach sich "erstmals" zu ein paar Bierchen zusammengesetzt, klagte er und versprach erstaunlich vollmundig eine offene Aussprache in der nächsten Mannschaftssitzung. Jeder müsse seine Meinung offen sagen, verlangte er, und Dinge müssten offen zur Sprache kommen. "Ob das den Trainer oder einen Spieler stört, ist mir egal." Vielleicht müsse danach der eine oder andere Spieler wie Nicolas Anelka nach Hause fahren, lachte er. Dieser Witz wäre vor einigen Monaten undenkbar gewesen, und er zeigte, inwieweit Terry seine Position gestärkt sieht. Capellos Vertrauenskrise ist seine Chance - und seine späte Rache.
Was er konkret ändern würde, machte Terry bei dieser Gelegenheit auch deutlich. Sein Kumpel bei Chelsea, Joe Cole, gehöre in die Startelf, sagte er, "er ist neben Wayne (Rooney) der Einzige im Team, der das Spiel öffnen und gefährliche Situationen heraufbeschwören" könne.
Die bisher von Capello eingesetzten Flügelstürmer Aaron Lennon (Tottenham) und Shaun Wright-Philips (Manchester City) werden diese kollegiale Einschätzung mit Freude zur Kenntnis nehmen.
Terry hat sich und die Mannschaft mit seinem Auftritt auf Kollisionskurs mit dem in Fußballfragen eher diktatorisch veranlagten Capello gebracht - und scheint das Nachsehen zu haben. "Don Fabio" ließ den verbitterten Ex-Kapitän kühl abblitzen, seine Mitverschwörer verweigerten dem Meuterer die Gefolgschaft. "Ich bin kein Rebell, es gibt keine Rebellengang", versicherte der vermeintliche Co-Putschist Lampard am Montag.
Capello hatte zuvor eine Aussprache strikt verweigert. "Niemand spricht", habe der Italiener bei einer Teamsitzung angeordnet, um dann die Algerien-Qual auf Video vorzuführen. Der Knall könnte die Spieler von ihren Ängsten befreien - oder alles in die Luft gehen lassen.