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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   22.06.2010, 22:47 Schriftgröße: AAA

Denkwürdige Liveübertragung: Sprachlos in Pjöngjang

Das WM-Spiel gegen Portugal sollte ein glorreicher Sieg der nordkoreanischen Elf werden. Das Fernsehen durfte erstmals live übertragen - nun lastet das Desaster schwer auf dem Land. Zumindest müssen die Spieler nicht ins Arbeitslager. von Christiane von Hardenberg
Der Augenblick war denkbar schlecht gewählt. Ausgerechnet das WM-Spiel Portugal gegen Nordkorea hatte sich die Führung in Pjöngjang ausgesucht, um der sonst strikt abgeschotteten Bevölkerung ein Stück weite Welt vorzuführen. Doch die erste Liveübertragung eines WM-Spiels überhaupt - bis dahin gab es nur Aufzeichnungen - wurde zum Desaster für Machthaber Kim Jong-il. 0:7 verloren die "Roten Moskitos" gegen die Portugiesen. Das WM-Aus für Nordkorea.
Dabei hätte alles so schön werden können. Zum ersten Mal seit 44 Jahren nimmt das Land wieder an einer Fußball-WM teil. Die Spieler wurden schon seit Monaten als Helden gefeiert, der Führer persönlich gab ihnen gute Ratschläge mit auf den Weg nach Südafrika. Davon beflügelt verkündete Verbandsvizepräsident Son Kwang-ho in britischen Medien sogar: "Nordkorea gewinnt die WM." Der WM-Start der Nordkoreaner war ganz passabel: Die Elf erzielte ein Tor gegen Favorit Brasilien und unterlag am Ende nur 1:2. Von dem Spiel gegen Portugal versprach sich die Führung in Pjöngjang einen ruhmreichen Sieg.
Diktator Kim Jong-il: In der Halbzeitpauser schallt das Lied ...   Diktator Kim Jong-il: In der Halbzeitpauser schallt das Lied "Wir lieben unser Land"
Allein, das Vorhaben misslang: Nach 29 Minuten fiel das erste Tor für Portugal. Die streng zensierten nordkoreanischen Medien, die sonst nur Positivmeldungen über das heruntergekommene Land senden, wussten damit nicht umzugehen. "Unsere Abwehr hat ihn nicht so unerwartet von hinten kommen sehen", stammelte der Reporter. "Sie sollten vorsichtiger sein, was da von hinten kommt." In der Halbzeitpause wurden zu dem Lied "Wir lieben unser Land am meisten" historische WM-Bilder gezeigt. Vuvuzelas, Fußballfans oder gar Werbebanner zeigte das Staatsfernsehen nicht.
Nach dem 0:4 hatte es dem Kommentator die Sprache verschlagen. 30 Minuten eisiges Schweigen, 30 Minuten Demütigung. Dann der Abpfiff: "Die Portugiesen haben gewonnen und haben jetzt vier Punkte. Wir beenden die Liveübertragung." Es folgten Bilder von Fabrikarbeitern, die Kim Jong-il preisen.
Großes Spezial zur Fußball-WM
Doch die Enttäuschung im Volk war nicht zu übersehen: "Nachdem sie die Fähigkeiten des Gegners mit ihren eigenen Augen gesehen haben, fanden sie keine Worte mehr", schreibt die südkoreanische Zeitung "Choson Ilbo" aus Pjöngjang.
"Wir haben unser Ziel verfehlt", gab Trainer Kim Jong-hun Dienstag zu. "Dafür entschuldige ich mich bei unserem Volk." Trotz der Schmach will Pjöngjang Milde walten lassen. Den Spielern drohten keine Konsequenzen, so der Trainer. Will heißen: Ins Arbeitslager - sonst durchaus üblich - müssen die Spieler nicht. Ob das nächste Spiel gegen die Elfenbeinküste allerdings live übertragen wird, ist noch unklar.
  • Aus der FTD vom 23.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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