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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   02.07.2010, 11:46 Schriftgröße: AAA

Deutschlands WM-Gegner im Wirtschaftstest (5): Argentinien - Achtungserfolg nach schwachem Jahrzehnt

Vor den Spielen von Jogis Elf checkt die FTD, wie stark unsere Gegner wirtschaftlich aufgestellt sind. Im Viertelfinale trifft Deutschland auf das Sorgenkind Südamerikas: Argentinien. von Birgit Jennen, Buenos Aires und Mathias Ohanian, Berlin
Nach der jüngsten Umstrukturierung der Altschulden könnte Argentinien bald eine große Sorge weniger haben. "Mittelfristig könnte es wieder gelingen, Zugang zu den internationalen Finanzmärkten zu bekommen", urteilt Daniel Volberg, Analyst bei Morgan Stanley. Nach Einschätzung von Ökonom Eric Ritondale vom Beratungsinstitut Econviews in Buenos Aires sei mit einer Rückkehr auf den Kapitalmarkt aber erst 2011 zu rechnen. Derweil wächst die Wirtschaft des Landes schneller, als es Experten noch vor Jahressicht prognostiziert hatten. Probleme bereitet das freilich den Preisen, die in diesem Jahr kräftig anziehen.
Deutschland gegen Argentinien Ein Klassiker voller Dramatik
Seit dem Staatsbankrott 2001 ist Argentinien vom internationalen Finanzmarkt abgekoppelt. Jahrelang konnte die Regierung auf dem Kapitalmarkt keine Anleihen ausgeben, denn ein Streit mit den Altgläubigern blockierte den Zugang. Um das angeschlagene Image endlich ablegen zu können, hat Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner den Altgläubigern im Mai eine Umschuldung angeboten. Die Gläubiger konnten danach ihre alten Anleihen gegen neue tauschen - mussten aber auf bis zu zwei Drittel ihrer ursprünglichen Nominalforderung verzichten.
Wird Deutschland jetzt Weltmeister?

 

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Im Juni lief das Angebot aus, das vom Gros der Gläubiger angenommen wurde. Argentinien hat damit 92,5 Prozent der ursprünglichen Verbindlichkeiten in Höhe von rund 100 Mrd. Dollar umgeschuldet. Die Rückkehr auf den Finanzmarkt bleibt derzeit jedoch noch schwierig. Pläne für eine neue Anleihe in Höhe von 1 Mrd. Dollar hat Wirtschaftsminister Amado Boudou vorerst auf Eis gelegt. Denn die Refinanzierung ist teuer: Buenos Aires muss elf Prozent Zinsen zahlen.
Das Land hadert nicht nur mit seiner Vergangenheit und dem Image als Pleitekandidat. Das Verhältnis zum Finanzmarkt ist auch deshalb angespannt, weil die Regierung die Inflationsdaten manipuliert und den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht ins Land einreisen lässt. Für dieses Jahr rechnen die argentinischen Statistiker mit einer Teuerung von über neun Prozent. Marcos Buscaglia, Ökonom bei der Citi Group, prophezeit sogar satte 25 Prozent.
Dies liegt insbesondere am Wachstum, das nicht zuletzt dank der Nachfrage des Nachbarns Brasilien kräftig zulegt. Goldman Sachs rechnet mittlerweile mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 5,3 Prozent in diesem Jahr. Und auch Morgan Stanley erhöhte die Erwartung für 2010 auf 4,6 Prozent. Dagegen fällt die IWF-Prognose mit 3,5 Prozent eher konservativ aus.
Der Ausgang des Viertelfinal-Spiels am Samstag dürfte nicht nur nach Einschätzung von Fußball-Experten eine enge Kiste werden. Auch Ökonomen sehen einen engen Ausgang vorher: Die Danske Bank, die ein Regressionsmodell zur Bestimmung des Ergebnis mithilfe von Faktoren wie Wohlstand und Fußballhistorie erstellt hat, geht von einem knappen Sieg für Deutschland aus.
Und Finanzprofessor Stefan Szymanski aus London sagt, dass Deutschland dank ökonomischer und demografischer Überlegenheit mit einem Vorsprung von 0,32 Toren ins Spiel geht. Geht man nur nach dem Marktwert haben indes die Gauchos die Nase vorn: Der Wert der argentinischen Mannschaft liegt bei 350 Mio. Euro, der des deutschen Teams nur bei knapp 300 Mio. Euro.
  • FTD.de, 02.07.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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