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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   18.06.2010, 16:00 Schriftgröße: AAA

England vs. Algerien: Capellos Hervorragende Tischmanieren

Trainer Fabio Capello hat vor Englands Spiel gegen Algerien die Qual der Wahl: Soll er dem wohlerzogenen Torwart Robert Green die Treue halten? Und wer stürmt mit Wayne Rooney? von Raphael Honigstein, Pretoria
Fabio Capello wird am Freitag 64 Jahre alt. Wayne Rooney kommt aus Liverpool, der Stadt der Beatles, die dafür das passende Liedgut ("When I'm Sixty-Four") produziert haben, will aber im Green-Point-Stadion kein Geburtstagsständchen bringen. "Ich werde nicht singen", sagte der Stürmer vor der Abreise zum zweiten Gruppenspiel gegen Algerien (20.30 Uhr, RTL und Sky).
Zumindest das ist geklärt, denn es sind noch ganz andere Fragen offen. Was zum Beispiel die Generationen übergreifende Problemzone zwischen den englischen Pfosten angeht, steht Capello weiterhin vor der Wahl der Qual: Entweder er hält Robert Green, dem Danebengreifer vom 1:1 gegen die USA, die Treue oder befördert den jungen Joe Hart, 23 (Birmingham, drei Länderspiele), der zwar über reichlich Talent, aber kaum Länderspielerfahrung verfügt. David James werden keine Chancen eingeräumt; die offensive Medienpolitik des 39-Jährigen ("Ich bin immer noch die Nummer eins, ich habe nur nicht gespielt") hat dem Trainer missfallen.
Der Fußballtrainer Fabio Capello   Der Fußballtrainer Fabio Capello
"Robert hat einen Fehler gemacht, aber auch einmal toll pariert", sagte Capello. "Ich will mit ihm sprechen und dann entscheiden." Die Indizienlage spricht trotz dieser Zweifel jedoch leicht für Green, dem unter der Woche quasi von höchster Instanz, nämlich dem Cheffußballkorrespondenten der "Times", ein einwandfreies Charakterzeugnis ausgestellt wurde. "Klasse Typ, hervorragende Tischmanieren", schrieb Patrick Barclay ohne erkennbare Ironie.
Liverpools Jamie Carragher darf trotz einer durchwachsenen Partie gegen die Amerikaner neben dem abgesetzten Kapitän John Terry verteidigen, im Mittelfeld kommt Gareth Barry (Manchester City) zu seinem ersten Einsatz in einem internationalen Turnier. Von Barrys ruhiger Balldistribution in der Zentrale verspricht sich Rooney viel: "Er beschützt die Viererkette und bringt Gleichgewicht in unser Spiel", sagte der 24-Jährige.
Steven Gerrard wird für Barry auf die linke Seite ausweichen, denn Capello will sein 4-4-2-System beibehalten. Gerrard hat seinen Einsatz auf der Außenposition früher missmutig als the "Graveyard Shift", also "die Nachtschicht" bezeichnet, muss sich aber im Dienst der nationalen Sache fügen. "Für England ist es besser, wenn Stevie weiter vorne spielt", sagte Rooney. Mit Barry und Gerrard in der Startelf hat das Team in der WM-Qualifikation überzeugt, 34 Tore gelangen den Briten in ihrer Gruppe.
Rooney hat allerdings schon seit sechs Länderspielen kein Tor gemacht. Capello wollte ursprünglich an Emile Heskey als Sturmpartner beziehungsweise Bodyguard des ManU-Spielers festhalten, verblüffte die Reporter jedoch ungefragt mit der Personalie Jermain Defoe. "Heskey oder Defoe, ich überlege noch", sagte der Italiener. Der kleine Torjäger von Tottenham Hotspur hat selten mit Rooney harmoniert, kann aber im Gegensatz zu Heskey (59 Länderspiele, sieben Tore, das letzte davon beim 4:0 gegen Kasachstan im Juni 2009) selbst treffen.

Teil 2: Ich würde gerne Deutschland schlagen

  • Aus der FTD vom 19.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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