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Merken   Drucken   14.06.2010, 17:23 Schriftgröße: AAA

Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein: "Innerer Reichsparteitag" im ZDF

Es war eine nicht zu überhörende Geräuschkulisse beim Torspektakel der deutschen Mannschaft. Doch was ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein in der Halbzeitpause trötete, sorgte für mehr Aufregung, als die gefühlten 70.000 Vuvuzelas im Stadion. von Frauke Ladleif
Nett, aber etwas angestrengt wirkte die Plauderei zwischen Torwart-Titan Oliver Kahn und der Sportreporterin Katrin Müller-Hohenstein. Kahn sprach, als flüstere ihm jemand die Worte in den Kopfhörer seines linken Ohrs. Damit konnte das Publikum leben, schließlich ist er kein Typ wie der um keinen Spruch verlegene Jürgen Klopp, der momentan in die Kameras von RTL grinst.
Kloses "innerer Reichsparteitag": Katrin ...   Kloses "innerer Reichsparteitag": Katrin Müller-Hohensteins verbale Entgleisung.
Doch was sich die ZDF-Moderatorin in der Halbzeitpause leistete, hielt die Zuschauer nicht mehr vor dem Fernseher und trieb sie vor den Computer. Es sei "für Miro Klose doch ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz im Ernst. Dass er heute hier trifft". Eine unbedachte Aussage, die das Publikum und die Netzgemeinde in Aufregung versetzte. Es wurde getwittert, kommentiert und in sozialen Netzwerken Unmut verbreitet. Die deutsche Wochenschau berichte live aus den deutschen Kolonien, schrieb ein Zuschauer zynisch. Prompt stand die Szene auch als Video bei You tube.
Umgangssprachlich gilt die Formulierung als Ausdruck tiefster innerer Genugtuung. Nach Ansicht von Kritikern tritt bei dabei die historische Tragweite in den Hintergrund. Als "Reichsparteitag" bezeichnete die NSDAP unter Adolf Hitler die Massenveranstaltungen, bei der sie ihre menschenverachtende Propaganda verbreitete und ihren absoluten Machtanspruch demonstrierte.
Für Müller-Hohenstein wird dieser Fauxpas jedoch keine Konsequenzen haben. Das ZDF veröffentlichte nach Spielende eine Entschuldigung. "Es war eine sprachliche Entgleisung im Eifer der Halbzeitpause. Wir haben mit Katrin Müller-Hohenstein gesprochen, sie bedauert die Formulierung. Es wird nicht wieder vorkommen", sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz.
Die Kritik an der Äußerung wird derweil auch außerhalb der Netzgemeinde immer lauter. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, riet zwar von "Hysterie und übertriebener Aufgeregtheit" ab. "Eine böse Absicht liegt erkennbar nicht vor. Wir sollten es daher dabei bewenden lassen", sagte er "Handelsblatt Online". Es sei allerdings richtig und nötig, dass das Thema nun problematisiert und kritisch hinterfragt werde.
Ähnlich sieht es ZDF-Fernsehratsmitglied Hugo Diederich. Er spricht sich für eine offizielle Entschuldigung im Programm oder auf der Homepage des Senders aus. "Wir nehmen es nicht hin, wenn extremistische Terminologie von links oder rechts im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verbreitet wird. Das widerspricht dem Staatsvertrag", sagte Diedrich, der auch Vize-Bundesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus ist.
Für die Bundesregierung ist Diskussion mit der Erklärung des Zweiten Deutschen Fernsehens erledigt. Der Sender habe sich entschuldigt und ein Gespräch mit der Journalistin geführt. "Dementsprechend sind wir mit der Reaktion des ZDF zum jetzigen Zeitpunkt zufrieden", sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans am Montag in Berlin.
  • FTD.de, 14.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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