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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   14.06.2010, 10:00 Schriftgröße: AAA

Nationalsymbole zur WM: Deutsche Fans sind keine Nazis

Schwarz-Rot-Gold überall - vor vier Jahren erhitzte dieser Anblick noch die Gemüter. Von aufkeimendem Nationalismus war die Rede. 2010 gehört das Bild zur deutschen Normalität. Zu Recht, meint der Historiker Wolfram Pyta.
Selbst ein WM-Titel für Deutschland birgt nach Ansicht des Stuttgarter Historikers Wolfram Pyta keine Gefahr für überbordenden Nationalismus. "Da muss man sich gar keine Sorgen machen", sagte der Fußballfan und -forscher im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. 65 Jahre nach Kriegsende sei das Land längst gefestigt genug, extremem Nationalismus keinen Raum zu gewähren. Daran würde auch der schwarz-rot-goldene Rausch nach einem WM-Sieg nichts ändern. "Deutschland ist fast das einzige Land in Europa, in dem seit 1953 keine nationalistische Partei mehr im nationalen Parlament sitzt", stellte Pyta fest.
Schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer bei der WM 2006.   Schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer bei der WM 2006.
54, 74, 90, 2006 - die herausragenden deutschen WM-Jahre seien bestens dafür geeignet, die Entwicklung von der nationalen Selbstfindung 1954 bis zum europäischen Normalzustand 2006 nachzuzeichnen, sagte Pyta. Der legendäre Titel 1954 habe eine "symbolische Qualität" für die Identitätsfindung einer verunsicherten Gesellschaft gehabt. "Insofern ist er Ausdruck der Suche nach neuer Identität außerhalb der klassischen Muster des Nationalstaats." Die Identifizierung mit Schwarz-Rot-Gold und anderen Symbolen fiel vielen schwer. "Frankreich oder England brauchten solche Ereignisse nicht."
Großes Spezial zur Fußball-WM
Bei der Heim-WM 1974 habe die Nation dann gar keine Bedeutung mehr gehabt: "Da spielten auch keine elf Kameraden mehr, die auf Kampf und Kraft setzten, sondern eine Zweckgemeinschaft mit Spielkultur, die aber nicht für den Adler auf der Brust spielte", sagte Pyta. Die Hymne sei "mit betont stummer Miene zur Kenntnis genommen worden". An Autokorsi oder Party-Fanmeilen sei nicht zu denken gewesen. "Mit Schwarz-Rot-Gold fiel man auf."
Schlagartig geändert habe sich das mit dem WM-Triumph 1990 in Italien. Da sei "die erstbeste Gelegenheit genutzt" worden, um - noch vor der Wiedervereinigung - einen ersten gesamtdeutschen Erfolg zu feiern. "Dieser Erfolg passte einfach in die Zeit." Zudem gab es einen völlig neuen Spielertyp: den internationalen. Sechs von elf Spielern der Startaufstellung im Finale spielten in Italien. "Die Nationalelf wurde anders betrachtet, weil sich die Spieler besonders darauf freuten, sich dem deutschen Publikum zu präsentieren."
Den "europäischen Normalzustand" habe Deutschland dann mit dem Sommermärchen 2006, der Heim-WM vor vier Jahren, erreicht. "Man kultivierte die Gastgeberrolle, zeigte sich weltoffen und tolerant." In seiner internationalen Art sei Teamchef Jürgen Klinsmann eine Art Symbol dafür gewesen. "Gefeiert wurde ohne nationalistische Misstöne. So wie das 1998 auch in Frankreich war." Solch gesundes Maß Nationalgefühl sei in der globalen Welt für ein Land sogar wichtig - schließlich gebe es Halt. Pyta: "Sportliche Großereignisse sind bestens dazu geeignet, diesem Gefühl Raum zu geben."
  • FTD.de, 14.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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