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Merken   Drucken   03.07.2011, 12:40 Schriftgröße: AAA

Neids Dilemma: Was wird aus Birgit Prinz?

Bundestrainerin Silvia Neid steckt in einem Dilemma. Nach dem schwachen Auftritt der deutschen Elf gegen Nigeria wächst insbesondere die Kritik an Birgit Prinz. Die 33 Jahre alte Spielführerin, die ihre letzte WM «einfach nur genießen» wollte, steckt in einer Schaffenskrise.
Beim Autogrammeschreiben in Meerbusch konnte Birgit Prinz schon ...   Beim Autogrammeschreiben in Meerbusch konnte Birgit Prinz schon wieder lächeln.
Vor dem Duell um den Gruppensieg mit Tabellenführer Frankreich am Dienstag in Mönchengladbach lautet die in der Öffentlichkeit meistdiskutierte Frage: Spielt sie oder spielt sie nicht? Aus Frust über die eigene Leistung und die frühe Auswechslung in der 52. Minute beim 1:0 gegen Nigeria hatte Prinz die Kapitänsbinde zu Boden geworfen und war missmutig vom Feld gestapft. «Glücklich war ich nicht», gestand die dreimalige Weltfußballerin anschließend.
«In jenem Moment konnte sie ihre Gefühle wohl nicht kontrollieren. Ich glaube, sie weiß aber auch, dass das nicht ausarten darf - gerade bei ihr als Führungsspielerin», sagte die für Prinz eingewechselte Inka Grings, die bislang mit ihrer Reserverolle selbst unzufrieden ist, im Interview mit dem «Berliner Tagesspiegel». Gleichwohl kann Grings den emotionalen Ausbruch der ehrgeizigen und sensiblen Mitspielerin nachvollziehen, die ihre großartige Karriere bei der Heim-WM mit dem dritten Titel krönen will.
«Der Frust war so groß, weil sie wusste, dass sie nicht gut gespielt hat. Dafür ist sie einfach zu realistisch, zu vernünftig, zu selbstkritisch», sagte Grings und hob gleichzeitig die herausragende Stellung von Prinz hervor: «Birgit ist bei uns einfach 'die' Spielerin. Diesen Stellenwert hat sie sich erarbeitet. Und wenn es mal nicht läuft, weiß sie auch, dass sie natürlich die erste Person ist, auf die man sich einschießt.»
Am Samstag beim öffentlichen Training in Meerbusch vor rund 1500 Zuschauern wirkte Prinz schon wieder entspannter und lockerer. Beim Autogrammschreiben war sie so begehrt wie kaum eine andere, lächelte und flachste mit den Fans.
Ob das reicht, um gegen die Französinnen das DFB-Team erneut auf den Rasen zu führen, muss nun das Trainerteam abwägen. Das Problem: Neid kann in der kniffligen Lage eigentlich nichts richtig machen. Einerseits täte Prinz, die sich in derlei Situationen oft in sich zurückzieht und noch mehr unter Druck setzt, eine Pause gut.
Doch eine Nichtberücksichtigung würde öffentlich wohl als weiterer Schritt zur Demontage der Symbolfigur wahrgenommen. Spielt Prinz gegen Frankreich von Anfang an und bleibt erneut hinter den Erwartungen zurück, wären die Folgen womöglich noch schlimmer.
In einer ähnlichen Situation befand sich Prinz schon vor zwei Jahren bei der EM in Finnland. Bei den Gruppensiegen gegen Norwegen (4:0), Frankreich (5:1) und Island (1:0) war sie nicht groß in Erscheinung getreten und torlos geblieben. In einer viel beachteten Pressekonferenz ging sie angesichts der wachsenden Kritik in die Offensive und gewährte tiefe Einblicke in ihr Seelenleben. Dass sie «nur an Toren gemessen» werde, empfand sie als extrem «ungerecht».
«Ich will mich nicht nach drei Spielen rechtfertigen, warum ich kein Tor geschossen habe. Diese Diskussion finde ich anstrengend», klagte sie damals und gab zu, dass sie dies blockiere. «Mir würde es die Sache erleichtern, wenn ich manchmal etwas lockerer wäre. Aber deshalb mache ich jetzt nicht mein Ego-Ding und bin nur auf den eigenen Torerfolg aus.» Neid hielt seinerzeit an ihrer Vorzeige-Athletin fest, die sich dann beim 6:2 im Finale gegen England mit zwei Toren den Frust von der Seele schoss.
Auch bei der Heim-WM betonte sie mehrfach, dass sie sich nicht mehr in der Rolle der «Vollstreckerin» sieht. Dennoch bot Neid sie sowohl gegen Kanada als auch gegen Nigeria als Stoßstürmerin auf, obwohl Prinz anders als den nachdrängenden Kräften wie Celia Okoyino da Mbabi und Alexandra Popp in dieser Position mittlerweile die Schnelligkeit und das Durchsetzungsvermögen fehlt.
Prinz ist Teamplayerin, in der Mannschaft unumstritten und respektiert. «Wir lassen sie nicht allein», betonte Simone Laudehr, und auch Grings erklärte: «Es tut mir sehr, sehr leid, dass sie im Moment in dieser Situation steckt. Wir als Mannschaft versuchen jetzt, ihr zu helfen und sie zu unterstützen.»
  • dpa, 03.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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