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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   13.06.2010, 11:21 Schriftgröße: AAA

WM-Regeln: Fifa verbietet Beten auf dem Platz

Nur der Fußball regiert auf dem Rasen. So will es die Fifa und untersagt jegliche religiöse Gesten auf dem Platz. Damit trifft sie besonders die Brasilianer.
Der Fußball-Weltverband Fifa will bei der WM keine Szenen mehr sehen wie beim Confederations Cup 2009 in Südafrika, als die gläubigen Brasilianer um Kapitän Lucio nach ihrem Triumph inbrünstig auf dem Rasen beteten.
Die brasilianische Nationalmannschaft betet 2005 in Frankfurt am Main.   Die brasilianische Nationalmannschaft betet 2005 in Frankfurt am Main.
"Sie haben uns gebeten, dass wir die Regeln einhalten", sagte Rodrigo Paiva, Sprecher der "Seleção". Demnach ist es den Profis verboten, politische oder religiöse Botschaften zu verbreiten - beispielsweise auf T-Shirts, die sie beim Jubeln unter ihren Trikots entblößen. Die Fifa beruft sich auf Regel 4 (Ausrüstung der Spieler) ihrer Spielordnung. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur DPA verwies Fifa-Sprecher Pekka Odriozola verwies auf die Erklärung von 2009: "Das ist unsere offizielle Haltung."
In dieser heißt es: "Die Fifa kontrolliert sorgfältig alle Situationen, die diese Thematik betreffen. Das genannte Beispiel betrifft eine Situation nach dem Abpfiff und die Regel 4 der Spielregeln, die sich auf das Verhalten und die Ausrüstung der Spieler beziehen."
Großes Spezial zur Fußball-WM
Lucio und Kaká gelten bei den Brasilianern als die gläubigsten Profis. "Gott ist der einzige, der mir Kraft gibt. Er kennt die Momente, wenn man traurig ist und alleine auf seinem Zimmer weint", sagte der frühere Bayern-Spieler Lucio, als er nach dem 3:2-Endspielsieg im Vorjahr inbrünstig auf dem Rasen betete.
Damals hatte Jim Stjerne, Präsident des dänischen Verbandes, eine Protestnote bei der Fifa eingereicht. "Es gibt keinen Platz für Religion im Fußball", sagte er. "So, wie wir es nicht erlauben können, dass sich die Politik in den Fußball einmischt, sollte auch die Religion draußenbleiben."
Sanktionen gab es für die gottesfürchtigen Brasilianer damals nicht. Auch Superstar Kaká kam ungeschoren davon, als er nach dem WM- Triumph 2002 in Japan/Südkorea ein T-Shirt mit der Aufschrift "I belong to Jesus" (Ich gehöre zu Jesus) in die Kameras hielt. Der 65-Millionen-Mann von Real Madrid ist Mitglied der evangelischen Freikirche. 2005 heiratete er seine langjährige Freundin Caroline Celicco. Beide gingen - wie der Fußballstar betonte - jungfräulich in die Ehe.
"Als ich 1994 getauft wurde, passierte bei mir etwas Übernatürliches. Ich kann dies kaum mit Worten erklären, aber nach dieser Erfahrung fühlte ich mich ganz nahe bei Gott, so richtig tief verbunden", erklärte Kaká. Der Sohn eines Ingenieurs und einer Lehrerin will nach seiner Karriere Prediger werden.
So weit geht kaum ein religiöser Profi, doch davon gibt es unzählige: Viele bekreuzigen sich, wenn sie den Rasen betreten. Manche - wie Franck Ribéry - beten mit erhobenen Händen. Cacau, der gebürtige Brasilianer in der deutschen Nationalmannschaft, schaut nach einem Tor gen Himmel und zeigt mit erhobenen Armen nach oben. Seit keine religiösen Botschaften mehr erlaubt sind, jubelt er "auf diese Weise, um meine Dankbarkeit zu zeigen, weil Gott mir sehr viel gegeben hat".
Bei der WM 2006 gehörten Kaká, Ronaldo, Ronaldinho und Adriano der Glaubensgemeinschaft "Athleten für Christus" an. Die bevorzugten "Tempel" des Trios, spotteten brasilianische Journalisten, seien Diskotheken.
  • FTD.de, 13.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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