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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   10.06.2010, 14:26 Schriftgröße: AAA

WM-Studien: Waldi-Ökonomie

Wirtschaft? Zu kompliziert. Lieber kümmert sich die Ökonomenzunft um Fußball - und sondert derzeit täglich neue Weltmeisterschaftsstudien ab. von Heinz-Roger Dohms
Das Schöne an der Fußballweltmeisterschaft ist, dass sie eine Bühne auch für solche Menschen schafft, von denen man längst vergessen hatte, dass es sie gibt. Waldemar "Waldi" Hartmann zum Beispiel. Oder Arne Friedrich. Oder Ökonomen.
Waldemar Hartmann   Waldemar Hartmann
Die Ökonomen waren ja - so dachte man - im Zuge der globalen Wirtschaftskrise verschwunden, in irgendwelchen tiefen, tiefen Löchern, in die sich schamgebeugt verkrochen hatten. Dank der WM stellt sich nun jedoch heraus, dass sie noch da sind, die Ökonomen, allerdings mit einem neuen Thema. Nicht mehr um die Knappheit geht es ihnen, sondern um die Kickerei. Und so kommt es, dass zuletzt Dutzende ökonomische WM-Studien erschienen, mit denen die unglückselige Zunft zurück in die Öffentlichkeit drängt.
Da wäre zum Beispiel die Untersuchung "Soccereconomics 2010" von Hein Schotsman zu nennen, einem ABN-Amro-Volkswirt, der herausgefunden hat, dass es für die globale Konjunktur am besten wäre, wenn Deutschland Weltmeister wird. Schotsman zufolge wird der WM-Titel im Gewinnerland eine Euphorie auslösen, die in mehr Konsum und mehr Wachstum mündet. Je größer das Land, desto größer der Schub für die Weltwirtschaft, so die Argumentation. Das heißt gleichwohl nicht, dass die USA der konjunkturell wünschenswerte Weltmeister wären. Denn die Amerikaner konsumieren ja eh genug, die Deutschen nicht - mithin: Aus Sicht Schotsmans muss das Löw-Team siegen.
Dazu freilich wird es nicht kommen, glaubt man Thomas Straubhaar, dem Direktor der Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts. Der hat nämlich entdeckt, dass bei den bisherigen Weltmeisterschaften jene Länder schwächelten, deren Währung in den Monaten vor dem Turnier am stärksten abwertete. Nur so sind die deutschen Triumphe 1974 und 1990 zu erklären - und aus demselben Grund sind die Länder der Euro-Zone diesmal chancenlos.
Während Straubhaar für diese Argumentation mit drei Seiten auskommt, haben die Researchabteilungen der Schweizer UBS und der Investmentbank Goldman Sachs regelrechte Konvolute von 46 respektive 75 Seiten erstellt. In epischen Ausführungen lassen sich die Forscher dort über die ökonomischen Aspekte des Fußballs aus. Wer sich tatsächlich die Mühe macht, die Studien komplett zu lesen, der wird immerhin mit verblüffenden Einsichten belohnt. So weiß die UBS, dass "mindestens eine Überraschungsmannschaft ins Halbfinale kommt". Und: "Weltmeister könnte Brasilien werden."
Die deutschen Chancen übrigens sind den allermeisten Untersuchungen zufolge gering. Für diese Erkenntnis freilich braucht man keine ökonomischen Modelle. Es reicht zu wissen, dass Arne Friedrich mitspielt.
  • FTD.de, 10.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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