Waldemar Hartmann
Die Ökonomen waren ja - so dachte man - im Zuge der globalen Wirtschaftskrise verschwunden, in irgendwelchen tiefen, tiefen Löchern, in die sich schamgebeugt verkrochen hatten. Dank der WM stellt sich nun jedoch heraus, dass sie noch da sind, die Ökonomen, allerdings mit einem neuen Thema. Nicht mehr um die Knappheit geht es ihnen, sondern um die Kickerei. Und so kommt es, dass zuletzt Dutzende ökonomische WM-Studien erschienen, mit denen die unglückselige Zunft zurück in die Öffentlichkeit drängt.
Da wäre zum Beispiel die Untersuchung "Soccereconomics 2010" von Hein Schotsman zu nennen, einem ABN-Amro-Volkswirt, der herausgefunden hat, dass es für die globale Konjunktur am besten wäre, wenn Deutschland Weltmeister wird. Schotsman zufolge wird der WM-Titel im Gewinnerland eine Euphorie auslösen, die in mehr Konsum und mehr Wachstum mündet. Je größer das Land, desto größer der Schub für die Weltwirtschaft, so die Argumentation. Das heißt gleichwohl nicht, dass die USA der konjunkturell wünschenswerte Weltmeister wären. Denn die Amerikaner konsumieren ja eh genug, die Deutschen nicht - mithin: Aus Sicht Schotsmans muss das Löw-Team siegen.
Dazu freilich wird es nicht kommen, glaubt man Thomas Straubhaar, dem Direktor der Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts. Der hat nämlich entdeckt, dass bei den bisherigen Weltmeisterschaften jene Länder schwächelten, deren Währung in den Monaten vor dem Turnier am stärksten abwertete. Nur so sind die deutschen Triumphe 1974 und 1990 zu erklären - und aus demselben Grund sind die Länder der Euro-Zone diesmal chancenlos.