Jens Lehmann hat seine Probleme mit dem "Neuen"
Lehmann ist unzufriedenDer EM-Ball. Wie seine Vorgänger wird auch der "Europass" von Hersteller adidas als "bester Fußball aller Zeiten" gelobt, gleichzeitig sorgt er aber bereits im Vorfeld für hitzige Diskussionen.
So grummelte der deutsche Nationaltorwart Jens Lehmann auch dem 2:2 im Test gegen Weißrussland: "Der Ball ist sehr schwierig für mich. Er fliegt noch unregelmäßiger als sein Vorgänger." Das war der WM-Ball "Teamgeist" - und schon an dem hatte der 38-Jährige vor zwei Jahren kein gutes Haar gelassen und die Torhüter als "Leidtragende" der immer schneller und immer unberechenbarer werdenden Fußbälle bezeichnet.
Die Aussagen von Lehmann kontert kein Geringerer als Dauerrivale Oliver Kahn. Der Münchner hat sich in seiner letzten Bundesliga-Rückrunde mit dem "Europass" angefreundet. Er sei deutlich besser als sein Vorgänger, meinte Kahn in der Bild: "Er ist außen mit winzigen Noppen besetzt. Die sorgen beim Torwart für eine große Grifffestigkeit. Ich habe auch nicht feststellen können, dass der Ball auf seiner Flugbahn mal ins Flattern kommt, wenn plötzlich der Wind dreht."
Die Kugel ist verdammt schnell
In einem Punkt sind sich Kahn und Lehmann jedoch einig: "Die Kugel ist verdammt schnell." Das wiederum erfreut naturgemäß die Feldspieler, die zudem über das gute Verhalten am Boden schwärmen. "Für Dribblings ist der Ball ideal", sagte der deutsche Nationalspieler Philipp Lahm.
Der Grund dafür ist die besondere "Gänsehaut"-Oberfläche. Dank der feinen Noppenstruktur soll sich der "Europass" auch bei Regen präzise spielen lassen. Die Außenhülle des Balls besteht nur aus 14 Segmenten, die nicht zusammengenäht, sondern mit einer Thermo-Klebetechnik verbunden sind. Dadurch ist das "runde Leder" auch wirklich rund. Nur aus Leder bestehen die Bälle schon lange nicht mehr, sondern aus Kunststoff.
Die Herzogenauracher Macher wollen die Verkaufszahlen des "Roteiro" steigern, der als EM-Ball 2004 sechs Millionen Mal über den Ladentisch ging. An den Verkaufshit "Teamgeist", der sich weltweit über 15 Millionen Mal verkaufte, wird der "Europass" wohl nicht heranreichen. Produziert wird das neueste Modell in Thailand.
Mehr High-Tech als Ball
Bevor ein Ball jedoch zum EM-Ball wird, muss er einen wahren Testmarathon mit High-Tech-Prüfgeräten bestehen. So wird der Ball 2000-mal mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde gegen eine Stahlwand geschossen. Bei einem weiteren Test wird er bei regelmässiger Drehung 250-mal in einen Wasserbehälter gepresst. Ziel des Weltverbandes FIFA ist es, dass sich alle Bälle identisch verhalten und nach 90 Minuten Form, Umfang und Druck nicht verändern.
Die Kugel kostet für den Normalverbraucher im Handel etwa 120 Euro