Die schlechten Nachrichten gab es kurz vor Mitternacht. Die Saison 2008/09 in der 2. Fußball-Bundesliga ist dem 1. FC Nürnberg teuer zu stehen gekommen.
Auf Trainer Michael Oenning lastet in der Bundesliga mehr Verantwortung.
Auf sportlicher Seite stand zwar am Ende der Aufstieg, auf wirtschaftlicher Seite musste Geschäftsführer Ralf Woy, der Herr der Zahlen beim «Club», zum Stichtag 30. Juni aber einen Fehlbetrag von 5,8 Millionen Euro verkünden. Zum gleichen Zeitpunkt drückten den 1. FC Nürnberg Bankverbindlichkeiten in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Und die Folgen bekommen die Franken auch jetzt noch zu spüren: Einkäufe in der Winterpause sind ohne Verkäufe derzeit unmöglich. «Das ist momentan nicht machbar», sagte Woy bei der Mitgliederversammlung.
Die Aufwendungen konnte der Verein gegenüber 2007/2008 um 16,6 auf 42,7 Millionen Euro drücken; im Etat für den Profi-Bereich (der 17,8 Millionen betrug) sparte man acht Millionen ein. Die Einnahmen sanken mit dem Abstieg aber drastisch; 23,8 Millionen Euro betrug das Minus aus Fernseh-, Spiel- und Marketingeinnahmen - allein die Gelder aus dem Fernsehvertrag sanken von 24,3 auf 8,4 Millionen. «Für uns ist es ganz schön dick gekommen in den letzten zwölf Monaten», räumte der bestätigte FCN-Boss Franz Schäfer ein.
Finanziell drückt die Vergangenheit, in der Satzung wurden dagegen die Weichen für die Zukunft gestellt. Die Zeit ehrenamtlicher Präsidenten ist auch beim 1. FC Nürnberg vorbei. Auf einer erstaunlich entspannten Mitgliederversammlung wurden modernere Strukturen in der Organisation des Traditionsvereins auf den Weg gebracht. Sportdirektor Martin Bader und Woy als kaufmännischer Vorstand sind die Kandidaten für die in einem Jahr zu wählende neue Doppelspitze beim «Club»
Ab Herbst 2010 wird die Vereinsführung aus zwei hauptamtlichen, vom Aufsichtsrat zu berufenden Vorständen bestehen. Der von den Mitgliedern zu wählende Aufsichtsrat wird von sechs auf neun Personen aufgestockt. Man erhofft sich, dass man mit den neuen Statuten im operativen Geschäft straffer agieren kann. Die 750 anwesenden Mitglieder stimmten mit großer Mehrheit von 93,3 Prozent für die Änderung. Als Michael A. Roth früh am Abend zum vierten Ehrenpräsidenten des Clubs ernannt wurde, menschelte es kurz. Der Rest auf dem Weg zur neuen Satzung war Routine.
Sorge vor der 2. Bundesliga berührte die Fans am Dienstagabend aber mehr als die Gedanken an die neue Organisationsstruktur. «Mal richtig Geld in die Hand nehmen, mindestens ein bis zwei Millionen», skizzierte Martin Bader die Erwartungshaltung im Umfeld. «Realistisch bleiben», gab der Sportdirektor zurück - auch mit Blick auf die Transfers der Junioren-Nationalspieler Dennis Diekmeier und Marcel Risse bereits im vergangenen Winter.
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