Torhüter Jens Lehmann hat dem Vorstand des VfB Stuttgart im Zusammenhang mit der Entlassung von Teamchef Markus Babbel Führungsschwäche vorgeworfen und muss nun mit einer Strafe rechnen.
VfB-Keeper Jens Lehmann übt Kritik am Stuttgarter Vorstand.
«Das werden wir nicht auf uns beruhen lassen», sagte Sportvorstand Horst Heldt unmittelbar vor dem Champions-League-Spiel gegen Unirea Urziceni. Heldt erklärte im TV-Sender «Sky»: «Selbstverständlich wird es Konsequenzen geben. Das geht so nicht.» Lehmanns Aussage sei «von purem Egoismus geprägt. Das ist das Entscheidende, das ist das Enttäuschende.»
Die Verantwortlichen hätten sich von den Fan-Protesten beeinflussen lassen, meinte Lehmann in einem Interview mit demselben TV-Sender. «Ich bin aus dem Stadion gegangen und habe diese große Gruppe von zumeist pubertären Jugendlichen da stehen sehen», sagte Lehmann in dem am Montag geführten Gespräch. «Und das hat dann wohl den Ausschlag gegeben, den Verein dazu zu bewegen, Entscheidungen zu treffen. Das ist so im Fußball.»
Rund um das enttäuschende 1:1 gegen den VfL Bochum war es zu Krawallen gekommen. Daraufhin hatte der dreiköpfige Vorstand aus Präsident Erwin Staudt, Heldt und Finanzvorstand Ulrich Ruf - unter anderem mit Verweis auf die Gewaltausbrüche - Babbel freigestellt und den Schweizer Christian Gross verpflichtet. Lehmann sieht darin ein Einknicken vor den randalierenden Anhängern, die vor der Partie vorübergehend den Mannschaftsbus festgesetzt hatten und abends die Geschäftsstelle stürmen wollten. Die Clubspitze bat die VfB-Fans indes in einem Offenen Brief um faire und leidenschaftliche Unterstützung für die Begegnung gegen Urziceni.
«Es ist eine Sache der Vereine, wie sie mit diesen Gruppen umgehen. Wenn sie sich dem immer beugen, wird es natürlich irgendwann mal schwierig, nicht nachzugeben oder nicht das zu tun, was diese Gruppen wollen», sagte Lehmann. «Wenn man aber die Stärke und auch die Qualität hat, Entscheidungen zu treffen, die dem öffentlichen Verlangen ein bisschen widersprechen, ich glaube dann fährt man auf die Dauer besser. Aber das kriegen die Vereine halt nicht hin.» Die Trennung von Babbel war nach Ansicht Lehmanns nicht unumgänglich. «Natürlich gibt es andere Wege», betonte der 40-Jährige.
Dem öffentlichen Druck standzuhalten ist für Lehmann aber «nicht ein Problem des VfB Stuttgart, sondern ein allgemeines. Die Qualität an der Spitze ist nicht so vorhanden wie sie vorhanden sein sollte. Insofern ist das schwierig, sich da so zu verhalten, dass man diese ganzen Beeinflussungen nicht unbedingt akzeptieren muss».
Die Streichung seines freien Tages, den er zuvor nach Spielen genossen hatte, kritisierte der ehemalige Nationaltorhüter ebenfalls scharf. «Anscheinend hat es Leute im Vorstand gestört, dass ich nach den Spielen nicht immer zum Regenerationstraining gekommen bin - und auch in der Mannschaft», erklärte Lehmann. «Aus meiner Erfahrung im Fußball sollte man immer sehen, dass man den Schwachen im Verein zuhört, aber nie das macht, was die Schwachen verlangen, weil man dann keinen Erfolg haben wird.»
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