15 Jahre hatten die Rheinländer in der Unterklassigkeit an der Rückkehr in die Fußball-Beletage gewerkelt, in den vergangenen Monaten nach dem Aufstieg regelrecht darauf hingefiebert. Und Schahin sorgte mit einem fulminanten 30-Minuten-Auftritt für einen Bilderbuch-Start.
«Das ist wieder ein Feiertag für ganz Düsseldorf», schwärmte der frühere deutsche Junioren-Nationalspieler. Mit leuchtenden Augen ließ der ligaweit erste Doppeltorschütze der neuen Saison die Fragen über sich ergehen - und musste sich doch eingestehen, «meine Emotionen kaum in Worte fassen zu können». Als einer von 18 Fortuna-Zugängen war der gebürtige Ukrainer mit russischer Mutter und palästinensischem Vater zu Saisonbeginn verpflichtet worden. Auch deshalb, weil man ihn bei Mitaufsteiger Greuther Fürth für die 1. Liga nicht mehr zu brauchen glaubte.
In Abwesenheit des gesperrten Kapitäns Andreas Lambertz durfte Schahin nach seinen sehenswerten Siegtreffern (68./79. Spielminute) sogar die Sieger-Humba mit den Fans anstimmen, am späten Abend hatte er noch seinen Auftritt im «Aktuellen Sportstudio» des ZDF. «Ich werde mir das ganz genau anschauen», meinte Trainer Norbert Meier süffisant zu Schahins erstem großen Fernsehauftritt. Der wiederum schwärmte nach einem perfekten Bundesligaauftritt Nummer eins von seinem Chef. «Der Trainer redet viel mit mir, er vertraut mir, hab' ich das Gefühl. Das zeigt mir, dass er in mir etwas sieht. Er denkt sich wahrscheinlich: Aus dem kann ich was machen», sagte Schahin.
Dass es 5565 Tage nach dem letzten Fortuna-Auftritt in Liga eins im Mai 1997 gleich zu einem Sieg langte, hatten die Düsseldorfer in der Tat einzig Schahin zu verdanken. Mit aller Unbekümmertheit schoss er zweimal mit brachialer Gewalt und nachahmenswerter Genauigkeit aufs Augsburger Tor - zweimal gab es für FCA-Keeper Simon Jentzsch vor 30 401 Zuschauern nichts zu halten. Schon am Vorabend im Hotel hatte sich Schahin mit seinem Mit-Reservisten André Fomitschow zurückgezogen und von solch einem Erlebnis sinniert, «dass wir vielleicht reinkommen, dass einer von uns vielleicht trifft».
Nach all den Nebengeräuschen der Bundesliga-Rückkehr samt Platzsturm beim entscheidenden Relegationsspiel gegen Hertha BSC bedeutete der Sieg den Fortunen mehr, als er es nach so langer Bundesliga-Abstinenz sowieso wert gewesen wäre. «Uns ist nach dem Aufstieg viel an Feiern genommen worden. Jetzt darf in ganz Düsseldorf und drumherum ruhig ein bisschen gefeiert werden», sagte Vereinschef Peter Frymuth. Auch die mitgereisten Anhänger hatten nach einer ansonsten mauen Partie schnell ihren Humor wiedergefunden - und tönten kurz vor Schluss aus Leibeskräften: «Alle auf den Platz...» Sorgen habe er sich da nicht gemacht, betonte Frymuth, «ich hoffe nur, die Ordner unten haben sich nicht so sehr erschreckt».