Dieter Hecking machte gute Miene zum trostlosen Spiel. Mit der unansehnlichen Nullnummer beim VfL Bochum konnte der Trainer des 1. FC Nürnberg gut leben. Nach einer zumindest in kämpferischer und taktischer Hinsicht ansprechenden Leistung schöpfte er Hoffnung im Abstiegskampf.
Der Nürnberger Albert Bunjaku (r) sueht die gelb-rote Karte.
Doch bei aller Zufriedenheit über die neu gewonnene Stabilität seiner Mannschaft trauerte Hecking der vergebenen Chance auf einen Big-Point doch ein wenig nach: «Es sah optisch ganz nett aus, aber die letzte Geilheit vor dem Tor fehlte mir. Das muss sich in den nächsten Wochen ändern. Wir wollen dann den Befreiungsschlag machen.»
Mit ein bisschen mehr Entschlossenheit hätten die Nürnberger schon in Bochum ein deutlicheres Zeichen setzen können. Wie schon beim beachtlichen 1:1 gegen den FC Bayern am vorigen Spieltag war ein deutlicher Aufwärtstrend unverkennbar. Das ist ein Grund dafür, warum Hecking trotz des seit nunmehr zehn Spieltagen anhaltenden Verbleibs der Nürnberger in der direkten Gefahrenzone nicht an seiner Mission Klassenverbleib zweifelt: «Ich bin optimistisch. Aber es wird sich bis zum letzten Spieltag hinziehen - darauf sind wir eingestellt.»
Schlecht zu sprechen war Hecking in Bochum lediglich auf Albert Bunjaku. Der schon mit Gelb bedachte Nürnberger Torjäger schlug zwei Minuten vor Schluss den Ball nach dem Pfiff von Schiedsrichter Peter Gagelmann überflüssigerweise ins Seitenaus und sah Gelb-Rot. «Damit hat er uns einen Bärendienst erwiesen», tadelte der Coach seinen treffsichersten Stürmer, der nun gegen Leverkusen pausieren muss.
Ähnlich wie Hecking mied auch sein Gegenüber Heiko Herrlich kritische Worte. Zwar vergaben die Bochumer die Chance, sich wohl endgültig aus der Gefahrenzone zu verabschieden, setzten aber die Erfolgsserie von nunmehr acht Spielen ohne Niederlage fort. Damit wahrten sie den komfortablen Abstand zu den Abstiegsplätzen. VfL- Coach Herrlich bat die Fans um Verständnis für die schwache Partie: «Das war sicher kein Leckerbissen. Aber man darf nicht vergessen, woher wir kommen - vom 17. Tabellenplatz.»
Ohnehin geriet das sportliche Geschehen zum Randaspekt. Schließlich hatten FCN-Anhänger schon vor dem Anpfiff für Aufregung gesorgt. Gleißend helles Feuer erleuchtete den Gäste-Fanblock nach dem Einsatz von Pyrotechnik. Dabei war nur schwer löschbares Magnesiumpulver im Spiel, das eine Temperatur von über 1000 Grad erreicht - mit bösen Folgen. Sieben Fans zogen sich Brandverletzungen zu, ein Zuschauer wurde wegen einer Rauchvergiftung behandelt. Mit schweren Verbrennungen dritten Grades mussten zwei Fans umgehend in eine Bochumer Spezialklinik gebracht werden.
Die Nürnberger müssen mit kostspieligen Konsequenzen rechnen. Schon in der Saison 2007/2008 war der Club mit einer Geldstrafe in Höhe von 80 000 Euro belegt worden. Im Spiel gegen Frankfurt hatten Fans Knallkörper gezündet und eine Leuchtfackel auf das Spielfeld geworfen. Deshalb war die Partie für 20 Minuten unterbrochen worden. Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader reagierte bestürzt auf die Vorfälle: «Mir fehlt jedes Verständnis. Das ist dumm und gefährlich. Ich hoffe, dass die Verletzten wieder schnell auf den Damm kommen und dass die Polizei aussagekräftige Bilder hat.»
DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus stellte ein härteres Vorgehen in Aussicht: «Neben begleitender Fanarbeit, für die die Liga auch weiterhin Millionenbeträge ausgibt, werden wir mit den Clubs über zusätzliche Maßnahmen zur Umsetzung der Sicherheitsvorschriften sprechen.» VfL-Vorstand Ernst wies Kritik an den Bochumer Sicherheitskräften zurück: «Mittlerweile kann man kaum verhindern, dass etwas ins Stadion kommt. Die Fans werden immer raffinierter.»
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