Die Bundesliga hat ihre Stellung als Premium-Produkt des deutschen Sports in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld behauptet.
Für den Bundesliga-Branchenführer FC Bayern München war es eine gute Saison.
Steigende Zuschauerzahlen, wachsende internationale Konkurrenzfähigkeit sowie der lange Zeit spannende Kampf an der Spitze und im Tabellenkeller dokumentieren anhaltende Vitalität. Am Ende der 47. Spielzeit zog Christian Seifert ein positives Fazit. «Ich denke, dass die Saison eine besondere war - sowohl national als auch international», befand der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL).
Vor allem beim Branchenführer FC Bayern gab es Grund zum Feiern. Nach dem Schaulaufen beim 3:1 in Berlin hielt der mit etlichen Bierduschen bedachte Louis van Gaal als erster niederländischer Trainer die Meisterschale in Händen. Trotz des schlechtesten Bundesliga-Starts seit 43 Jahren und des zwischenzeitlichen Acht- Punkte-Rückstandes auf Platz eins bewies die Vereinsspitze Geduld - und wurde am Ende nicht nur mit dem 22. Meistertitel, sondern auch mit dem Einzug in das Champions League- und Pokal-Finale belohnt. «Wir können noch mehr gewinnen», sagte van Gaal.
Der FC Schalke, der bis zum zweitletzten Spieltag vom Titel träumen konnte, und Werder Bremen folgen den Münchnern in die Champions League. Mit dem 1:1 im Nordderby gegen den in dieser Saison enttäuschenden Hamburger SV veredelte das Team von Trainer Thomas Schaaf die imposante Aufholjagd der vergangenen Wochen und könnte im Falle einer erfolgreichen Qualifikationsrunde zusätzliche Einnahmen von rund 15 Millionen Euro verbuchen.
Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart vertreten die Liga in der Europa League. Vom Abschneiden dieser sechs Clubs in den internationalen Wettbewerben wird abhängen, ob in der Fünf-Jahres-Wertung der UEFA weiter Boden gutgemacht werden kann. In diesem Jahr sammelte die Bundesliga so viele Punkte wie keine andere europäische Staffel und könnte schon in Kürze an den Italienern vorbeiziehen. Erreichen die Bayern im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand das Elfmeterschießen, bekommt die Bundesliga schon im kommenden Jahr ihren vierten Startplatz in der Königsklasse zurück.
Dagegen steht in Berlin und Bochum ein kniffliger Neuaufbau bevor. Nach 13 Jahren und 442 Spielen hintereinander verabschiedete sich Hertha BSC aus der Beletage des deutschen Fußballs. Das Schlusslicht toppte den Peinlich-Rekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66: Tasmania hatte damals zumindest das erste und das letzte Heimspiel gewonnen, Hertha blieb in 16 Spielen im Olympiastadion nacheinander ohne «Dreier». Anders als der Hertha droht den Bochumern nicht der Ausverkauf. Nach dem bereits sechsten Abstieg nimmt man in Bochum mit mehr Routine den sechsten direkten Wiederaufstieg in Angriff. «Ich bin guter Dinge, dass wir auch diesmal wieder schnell zurückkehren», sagte Finanzvorstand Ansgar Schwenken.
Die sportliche Ausgeglichenheit war ein Grund für den großen Fanzuspruch. Ungeachtet des neuen, im Vorfeld mit viel Kritik bedachten Spielplans mit einem Samstagabend-Spiel und einer Sonntag-Partie um bereits 15.30 Uhr passierten 12 990 967 Zuschauer und damit mehr als je zuvor die Stadiontore. Das entspricht einem Schnitt von 42 454 pro Partie. Vor einem Jahr hatte die DFL offiziell etwa 170 000 Besucher weniger ermittelt. Krösus ist erneut Borussia Dortmund mit rund 77 000 Fans pro Spiel. Laut Internetseite «weltfußball.de» rangiert der BVB damit auch in Europa auf dem ersten Platz vor dem FC Barcelona (76 828) und Manchester United (74 622).
Nicht nur bei den Besucherzahlen purzelten Rekorde. Offenbar erfreut sich die Bundesliga auch im Ausland einer höheren Beliebtheit. Die Partie des deutschen Meisters FC Bayern bei Absteiger Hertha BSC war am Samstag in 197 Ländern zu sehen. Damit wurde die bisherige Bestmarke vom Dezember 2008, als Fans aus 167 Ländern das damalige Spitzenspiel der Bayern gegen 1899 Hoffenheim (2:1) im Fernsehen verfolgten, deutlich übertroffen.
Trotz dieser in vielen Geschäftsfeldern positiven Entwicklung schwor DFL-Chef Seifert die Vereine auf einen strikten Sparkurs ein. Nach Boom-Jahren sieht er einige bedrohlich dunkle Wolken aufziehen. «Die Bundesliga ist kein Schlaraffenland, wo jedes Jahr automatisch mehr Geld vom Himmel fällt. Man muss den Spagat finden zwischen der Emotionalität und der Irrationalität auf der einen und der wirtschaftlichen Vernunft auf der anderen Seite.»
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