Luuk de Jong war total erleichtert. "Ich bin glücklich über mein Tor und dass wir endlich wieder gewonnen haben", sagte Borussia Mönchengladbachs Millionen-Stürmer nach dem 2:0 (2:0)-Erfolg gegen den Tabellenzweiten Eintracht Frankfurt. Damit konnten die Gladbacher ihre Misserfolgsserie von sieben sieglosen Partien in Serie beenden und den Höhenflug der zuvor unbesiegten Hessen in der Fußball-Bundesliga stoppen. Juan Arango brachte sein Team mit einem "Tor des Monats" frühzeitig in Führung (8.). Vor 51.193 Zuschauern im Borussia-Park sicherte de Jong mit seinem zweiten Saisontreffer (24.) den Gladbacher Sieg.
So glücklich war man bei Borussia Dortmund nicht. Der Deutsche Meister droht den Anschluss an Spitzenreiter Bayern München zu verlieren. Die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp kam am Sonntag bei Hannover 96 nicht über ein 1:1 (1:0) hinaus und geht mit neun Punkten Rückstand auf die Münchner in die Länderspielpause. Mame Diouf erzielte am Sonntag in der 86. Minute den Ausgleich für die Niedersachsen. Robert Lewandowski (26.) hatte Dortmund in einer turbulenten Partie in Führung gebracht. Durch das Remis bauten die Hausherren ihre Heimserie auf beeindruckende 22 Spiele ohne Niederlage in der Fußball-Bundesliga aus. Dortmund verpasste den Sprung auf Platz drei.
Der kriselnde VfB Stuttgart kam vor eigenem Publikum immerhin zu einem 2:2 (1:1) gegen Bayer Leverkusen. Vedad Ibisevic (19./Foulelfmeter/55.) traf für die Schwaben, Stefan Kießling war für die Gäste aus Leverkusen erfolgreich (12./59.). Damit verhinderte der VfB zwar das Abrutschen auf den Relegationsplatz, muss aber weiter auf den ersten Heimsieg in dieser Bundesliga-Saison warten.
Türöffner zum Gladbacher Erfolg war Jubilar Arango, der mit einem überraschenden Schuss aus 30 Metern in den linken Torwinkel für die frühe 1:0-Führung in seinem 100. Bundesligaspiel sorgte. "Wir wissen alle, dass er solche Schüsse drauf hat", sagte de Jong, der beim zweiten Treffer seine Qualitäten zeigte. Ein zentimetergenaues Zuspiel von Nordtveit nutzte der Niederländer ganz abgeklärt zum 2:0. "Wir hoffen, dass wir jetzt damit einen großen Schritt gemacht haben", sagte de Jong.
Die Frankfurter, bei denen Vadim Demidov sein Bundesliga-Debüt in der Innenverteidigung für den verletzten Bamba Anderson feierte, blieben auch nach dem Rückstand gefährlich, hatten aber im ersten Abschnitt nur eine Möglichkeit durch den ins Team zurückgekehrten Torjäger Olivier Occean. "Das war heute vermeidbar, weil der Gegner heute nicht übermächtig war", meinte Frankfurts Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler.
Eintracht-Coach Armin Veh sagte, das Spiel sei komisch gelaufen. "Wir waren eigentlich gut drin, aber das frühe Tor hat Gladbach in die Karten gespielt. So ein Tor macht auch nicht jeder, aber Arango kann das auch", befand Veh.
Die 49 000 Zuschauer in der ausverkauften AWD-Arena in Hannover bekamen ein munteres Spiel zu sehen. Beide Teams setzten auf Offensive. Dortmund erhöhte schnell das Tempo und wurde mit der Führung belohnt. Lukasz Piszczek passte scharf auf Lewandowski, und der Pole schoss zu seinem zweiten Saisontor ein. Noch vor der Pause gab es einen Schreck für die Borussia: Blaszczykowski musste mit einer Fußverletzung ausgewechselt werden. Kevin Großkreutz kam herein. Dortmund blieb am Drücker und hätte fast doch noch den Ausgleich kassiert. Didien Ya Konan umkurvte Weidenfeller (45.+1). Piszczek rettete auf der Linie. Er prallte dabei mit dem Unterleib gegen den Pfosten, konnte aber im Gegensatz zum angeschlagenen Hummels weiterspielen.
Turbulent ging es weiter in der zweiten Halbzeit. Piszczek traf den Pfosten (53.), in der gleichen Minute verdribbelte Mario Götze eine Großchance. Schiedsrichter Peter Gagelmann erkannte einen Treffer von Mario Eggimann (55.) nicht an, da Ya Konan zuvor Marcel Schmelzer gefoult hatte. Dann verhinderte Weidenfeller mit einem Reflex ein Eigentor von Piszczek (59.). Verschnaufspausen gab es keine und Hannover übernahm immer mehr das Kommando. Dortmund hatte Glück als Diouf (78.) aus fünf Metern das leere Tor nicht traf. Acht Minuten später war er doch noch erfolgreich und sicherte 96 das Remis. Dann war Hannover im Glück, denn Karim Haggui foulte Reus in der Nachspielzeit elfmeterreif.
In Stuttgart wird der Druck auf VfB-Coach Bruno Labbadia durch das Remis gegen seinen Ex-Club mit Sicherheit nicht geringer werden. Nur 67 Stunden nach dem peinlichen 0:2 beim Molde FK in der Europa League war dem nervösen VfB der Druck des Gewinnenmüssens deutlich anzumerken. In vielen Einzelgesprächen hatte Labbadia versucht, seine verunsicherten Akteure aufzubauen. Sehr engagiert, wirkten die Schwaben in zahlreichen Situationen aber zu überhastet, ungeordnet und fantasielos. Die Werkself, zuletzt ebenfalls auf der verzweifelten Suche nach Spiellaune, setzte von Beginn an nur auf Konter - Initiative Fehlanzeige.
So entwickelte sich in den ersten 45 Minuten eine höhepunktarme Partie mit vielen Abspielfehlern auf beiden Seiten. Einer der wenigen gefährlichen Tempogegenstöße der Leverkusener führte in der 12. Minute zum 0:1. Karim Bellarabi konnte sich auf der rechten Seite ungehindert durchsetzen, seine flache Hereingabe klatschte VfB-Keeper Sven Ulreich direkt in die Füße von Kießling, und von dort ging der Ball ins Tor. Immerhin zeigten die Schwaben nur kurz Wirkung. Nach einer schönen Einzelleistung wurde Ibrahima Traoré im Strafraum von Bayer-Kapitän Simon Rolfes gelegt. Ibisevic, der am ersten Spieltag gegen Wolfsburg vom Punkt noch gescheitert war, verwandelte den fälligen Elfmeter diesmal sicher - das erste Heimtor des VfB in dieser Spielzeit. Wesentlich unterhaltsamer wurde das Spiel dadurch allerdings nicht.
Mit deutlich mehr Dringlichkeit kam Bayer aus der Kabine. Bellarabi vergab gleich drei gute Chancen. Bezeichnenderweise war es der 19 Jahre junge Raphael Holzhauser, der versuchte, seine Stuttgarter Kollegen aus der Lethargie zu erwecken - mit Erfolg. Nach einem ansehnlichen Solo auf links setzte der starke Österreicher Ibisevic in Szene und der hatte keine Mühe, das 2:1 zu machen. Diesmal schlug Bayer schnell zurück. Nach einem Freistoß von Ömer Toprak durfte Kießling ungehindert zum Ausgleich einköpfen. Es war das zwölfte Tor für Kießling im 14. Spiel gegen den VfB, dem anschließend merklich die Kräfte schwanden.