Es hatte schon eine besondere Note, als die Frage nach der Berechenbarkeit kam. Ob das Spiel des FC Bayern mit Arjen Robben durchschaubarer sei als ohne ihn, sollte Jupp Heynckes am Dienstag beantworten. Der Trainer stockte kurz, dann sagte er: "Nein, da habe ich überhaupt keine Bedenken. Wenn Arjen spielt, wird er sicher auch zeigen, dass er ein ungewöhnlicher Spieler ist."
Es gab bei den Münchnern schon mehr Probleme und ernsthaftere Debatten als vor dem Heimspiel in der Champions League gegen den OSC Lille. Nahezu der gesamte Kader steht zur Verfügung, die absenten Mario Gomez und Holger Badstuber machen Fortschritte und sollen nach der Länderspielpause in einer Woche integriert werden. Der nach dem schmucken 3:0-Auswärtssieg beim Hamburger SV am Sonnabend angeschlagene Toni Kroos steht gegen den französischen Tabellenachten schon wieder zur Verfügung. Und vor dem vierten Gruppenspiel müssen sich die Bayern vor allem damit beschäftigen, sich die vielen Lobeshymnen nicht zu Kopf steigen zu lassen. Ausrechenbarer also mit Robben?
| Chelseas Schlüsselrolle |
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| Blues Champions-League-Titelverteidiger FC Chelsea muss nach dem kläglichen 1:2 bei Schachtar Donezk zu Hause einiges gutmachen. Auch in der Premier League läuft es für die Blues gerade nicht optimal: Zuletzt reichte es gerade mal zu einem mageren Remis gegen Swansea City. Nur im englischen Ligapokal trumpfte das Team von Roberto Di Matteo zuletzt richtig auf, drehte ein verloren geglaubtes Spiel und schlug Manchester United im Achtelfinale 5:4. |
| Stamford Bridge Das Champions-League-Finale der Frauen findet diese Saison im Stadion des FC Chelsea statt. Am 23. Mai 2013 werde das Endspiel an der Stamford Bridge in London ausgetragen, teilte die Uefa am Dienstag mit. Zwei Tage später steigt das Finale der Männer im Wembley-Stadion ebenfalls in der englischen Hauptstadt. |
Eine Luxusdebatte für einen Trainer, der sich seiner Luxusprobleme erfreut. Als da wären: Thomas Müller, der laut Heynckes in Hamburg "wie ein Irrwisch" spielte, oder der ebenfalls starke Kroos auf die Bank? "Das zeichnet uns in dieser Saison aus, dass wir qualitativ immer nachlegen können", findet Heynckes. Und damit ja keiner übermütig wird, hat er vorsichtshalber doch noch schnell einmal daran erinnert, in welcher Saisonphase man sich befindet. Allenfalls ein Zwischenfazit könne gezogen werden, sagte der 67-Jährige, "ich erwarte von der Mannschaft noch viel mehr. Mir ist das zu euphorisch, zu positiv. Wir haben überhaupt noch nichts erreicht." Gestört hat er sich wohl an den Vereinsgranden. Paul Breitner hatte in Hamburg "Geschwindigkeitsfußball à la FC Barcelona gesehen", auch Uli Hoeneß klang sehr beschwingt, fast so wie vor einem Jahr, als er das Spiel der Bayern als Kunst bezeichnete - und ein Einbruch folgte. Nun sagte der Präsident: "Das ist fast Fußballkunst. Es ist schön zuzuschauen." In Auftrag für den heutigen Mittwoch gab er noch: "Wegputzen!"
Bewerkstelligen soll das nach Lage der Dinge vor allem die künstlerisch hoch veranlagte Flügelzange bestehend aus Franck Ribéry und Robben. Zuletzt standen die beiden Ausnahmekönner vor sechs Wochen gemeinsam auf dem Platz, beim 3:0 gegen den VfL Wolfsburg am 25. September. Insgesamt waren es erst drei gemeinsame Auftritte in dieser Saison, hübsch verteilt auf Liga, Pokal und Europa. Erst fehlte Ribéry, dann Robben, der zwischenzeitlich sogar frustriert von einer erneuten Blessur vom Karriereende sprach. Nun hat Heynckes frühzeitig angekündigt, Robben wie im Pokal gegen Kaiserslautern von Beginn an spielen lassen zu wollen, wenngleich er dieses Versprechen am Dienstag wieder ein wenig aufweichte.
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Doch das war wohl eine kleine Flunkerei, mit der er Verwirrung stiften wollte beim OSC-Trainerkollegen Rudi Garcia. Und dass außer dem Niederländer Robben auf rechts auch der Franzose Ribéry auf links auflaufen wird, daran ließ der Monsieur höchstpersönlich keine Zweifel. "Ich bin hoch motiviert und fit", sagte Ribéry. Zumal es gegen seinen ehemaligen Verein geht, der die Bayern beim 1:0-Auswärtssieg vor zwei Wochen im Hinspiel vor allem körperlich gefordert hatte. Nun müsse man "fußballerisch anders auftreten" und "nach vorne ein gewisses Risiko eingehen", sagte Heynckes.
Für den derzeitigen Erfolg der Münchner sehen der Trainer und Ribéry ähnliche Gründe. Besonders imponiere ihm, dass die gesamte Mannschaft mit Spaß und Leidenschaft auftrete, erzählte Heynckes am Dienstag noch, "so wie wir früher auf der Straße gespielt haben. Franck ist dafür natürlich der Prototyp." Ribéry konnte da nicht widersprechen: "Es stimmt, es ist viel kindliche Unbekümmertheit im Spiel." Diesmal werden es die Bayern wohl mit ihrer Bordsteinzange Ribéry und Robben versuchen. Auch in der Champions League, so wünschen sich das die Münchner ja, soll ihr Spiel mal kinderleicht aussehen.